Zumutung
Woher der Mut zum Schicksal dir?
- Hälst dich im Ungefähren auf.
Woher der Ruf zum Auftrag dir?
- Bremst im Anfang schon den Lauf.
Nicht du : Es -
das erst das traute Du gewährt;
das gibt; und
im Geben sich verwehrt;
dich höher hebt,
als du je bist;
dich ahnen läßt,
daß Es je ist. -
Von ferne reizt dich
die Gefahr;
weshalb Es dir
nie näher war.
Woher der Mut, wenn nicht
vom Nötigsten beseelt?
Woher der Ruf, wenn nicht
Gewissen dich zerquält?
Nicht du : Es -
Was liegt an dir?
Gedanken - Lesen
Versammelnd in das Nah der Ferne -
Welche Ferne west da an?
Vermutlich, daß da her das Gerne
man in Eins nicht leiden kann . -
Wie sag ich,
was nicht ganz erblickt?
Wie mag ich,
was sich je nicht schickt?
Eingelassenheit
Boden erst, auf dem wir steh'n,
leiht uns Grund, darauf zu geh'n. -
Wahrhaft geht, wer Wurzeln schlägt.
Wahrhaft steht, wer Schicksal trägt.
Befindlichkeit
Heiterernst
und traurigfroh -
nicht anders
als denn eben so
zeigt sich, was dir vorbestimmt,
wenn es seinen Ort einnimmt,
in den du eingelassen
im Lieben wie im Hassen.
In den Versen allein
hält sich
das Zu-Sagende.
Der Titel indessen sagt den Namen
als das Noch des Zusagenden.
Im Über der Überschrift eröffnet sich
die Weite des Zu-Nennenden.
Als Vor-Wort stimmt er
ein in den Gesang
Das Gespräch
Dichtend sagen -
mehr als einer weiß :
Ahnend fragen,
erspüren den Verheiß.
Dichtend sagen -
lauschend auf den Klang :
Stille fragen,
erharren den Gesang.
Dichtend sagen -
tauschend in den Ort :
Grüße tragen,
besuchen widrig Wort.
Aufenthalt
Wo gehst du - Gang der Welt?
Wo stehst du - junger Held?
Was gibt dich? Was fragt dich?
Was liebt dich? Was sagt dich?
Was ist, das dich hält?
Was west, das dich stellt?
Nicht Dichten, nicht Denken. -
Ein Hören im Sagen.
Schwankend Einschwenken
in ärmeres Fragen.
In die Nacht gebeichtet
Was ist doch ein Nicht-Verstehen
Anderes als Hadern mit dem Herrn;
Ein sündhaft sich an dem Vergehen,
Ohne das wir niemals wär'n.
Ähnlich ihm - doch unendlich geschieden :
Es dort oben, wir hinnieden.
Aus der Gegend
Es ist kein Baum,
der nicht gezogen;
des reiner Ursprung
nicht verbogen.
Es ist kein Krümmel
brauner Erde,
der nicht uns
zu Nutzen werde.
Es ist kein Tier
aus purer Freude,
weil nichtbestimmt
in seiner Räude. -
Gefunden als
der Erde Grund,
ziehn wir in
der Technik Schlund.
Daß dort das
verschlungen wäre,
das nicht bereit
zu steter Kehre.
Panischer Anruf
Zwischen Jetzt und Hier
klafft ein Abgrund dir;
furchtbar ist er anzuschaun,
wenn nicht sogar nur mit Graun.
In der Nähe aufgedeckt,
hat er jäh dich aufgeschreckt;
hast sein Drohen da vernommen
als Kann-sein-und-auch-anders-kommen.
In den wirren langen Sätzen
kündet je sich dein Entsetzen.
Im Finden des Nicht-ganz-geheuer
wird dein Selbst dir mehr als teuer.
Dichter
Woher in den Griff genommen? -
Eins ums Andre drängt sich auf;
Was noch nicht ins Wort gekommen,
folgend ist je eignem Lauf
im schon-Vorweg des findend Ahnen -
Geschicktes Fügen gerissner Bahnen.
Auf - Bruch
Im lichten Blau, da zeigen sich
weiße Wolken wissentlich;
Nähe schenkend in das Weit;
Boten neuer Jahreszeit;
Eröffnend ihren heitren Sinn
der stillen, frommen Bäuerin,
die - besorgend in dem lieben Garten -
nichts anders tut, als stetig warten.
Ahnend nimmt sie dankbar wahr,
was der Ausblick jäh gebar :
Und also ist es Erntezeit
im Umbruch der Anfänglichkeit! -
Daß die Scheune sich nun füllt,
ist die Sorge, die jetzt gilt.
Sinnend sammelt sie das Korn;
beginnt ihr Tagwerk bald von vorn.
Überfall
Den halben Tag - die ganze Nacht -
hab ich mit Warten zugebracht.
Was dann sich zeigte angesichts
der langen Spanne : - Nichts.
In der tiefsten dunklen Stunde
einer langen Mitternacht
schlug ein Geist in meine Wunde -
anders hatt ich's mir gedacht!
Drohte da mit Schreckgebärde,
- wie es Geister eben tun -
daß er mich gar sehr gefährde;
und er wollt und wollt nicht ruhn.
Den halben Tag - die ganze Nacht -
hab ich mit Warten zugebracht.
Was dann sich zeigte angesichts
der langen Spanne : - Nichts.
Die Vergabe
Es ist die Sonne - ist der Mond.
Es ist der Mensch, der innewohnt.
Es gibt das Dunkel - gibt das Licht.
Nur den Grund, den gibt es nicht.
Es ist der Himmel - ist die Erde.
Es ist der Mensch sein ,War' und ,Werde'.
Es gibt das Sein. Es gibt die Zeit.
Und Grund gibt's - zur Gelassenheit.
Es ist der Tod. Es ist das Leben.
Es ist der Mensch, dem es gegeben.
Es gibt das Dasein und Geschick.
Es gibt einzig : Augenblick.
Freie Entscheidung ?
Nur für mich gäb's diese Welt? -
Vermessen, wer sich daran hält.
Zwar ist sie da, für mich allein.
Doch sollte wo nicht Andres sein? -
Und wähn ich mich als Herr der Erde,
geschieht's, daß ich es also werde.
Bald hernach werd ich es sein :
Schon auch find ich mich allein. -
Denn der nicht will, daß man ihn sähe,
weigert mir nun seine Nähe!
Vom Geviert
Sieh die Erde, wie sie liebt,
ungefragt ihr Bestes gibt.
Wir - herrschaftlich in unserm Wahn,
eigentlich nur untertan;
sollten dienen, müßten danken -
enthemmen nur die Schranken.
Sieh die Welt, wie sie uns zeigt,
wovon die Erde immer schweigt.
Wir - gelassen in den Streit,
vernutzen unsre Möglichkeit;
sollten staunen, könnten ahnen -
verleben unsre Bahnen.
Sieh den Gott, wie er uns flieht,
unerkannt des Weges zieht.
Wir - benommen durch das Wort -
verlärmen unsern stillsten Ort;
sollten hören, sollten fragen -
je entschlossen Schicksal wagen.
Der Entwurf
Wem der große Wurf geglückt
in die Mitte, die da offen,
wird in jenem Maß verrückt,
das ihn unverhofft getroffen.
Allein die Kraft der Ständigkeit,
zugespielt aus Zeit und Raum,
verleiht ihm jene Wendigkeit,
die weither klingt wie ferner Traum.
Im Verzittern seines Bangens
- wohl dem, der bei solchem sei -
füllt der Kelch sich des Verlangens -
geht der letzte Gott vorbei.
Vom Ereignis
Es fällt mir ein - es fällt mich an.
So dichtet sich, was ich nicht sagen kann.
Ich springe ein - ich springe an.
So lichtet sich, was ich erkennen kann.
Es fängt mich ein - es fängt mich an.
So nichtet sich, was ich nicht halten kann.
Die Verweigerung
Stille war's zu uns gekommen;
kaum, daß einer es vernommen. -
Einer trug's zum Andern weiter;
bis zum allerhöchsten Leiter,
der sich vor das Volke stellt,
drüber dann die Rede hält.
Bald lag es in aller Munde;
rasend breitert sich die Kunde. -
Da's ein Jeder nunmehr wußte,
nicht Geheimnis bleiben mußte,
wollt es einer endlich wagen,
es gemeinhin auszusagen.
Jäh ergriff ihn da der Schreck :
Wo ist's denn gleich? - Nu? Ist's gar weg ...?
- Wer dort nicht dabei gewesen,
soll vom Vorfall bald genesen.
Weiß er hiervon nicht zu schweigen,
könnt er Manches Manchem zeigen.
Einkehr
Wie im Traume liegt ein Same,
träumt von Aufgang und Geschick;
ruht im Boden, ohne Name,
kehrt ins Innere den Blick.
Reglos harrt er in der Stille,
als der ferne Ruf ihn weckt;
und, als sei's sein eigner Wille,
rührig er die Wurzeln streckt.
Sanft gezogen von dem Lichte,
das die Goldne blau verstrahlt,
tagt im Freien sein Gesichte,
wie von Meisterhand gemalt.
Lange Sehnsucht, sich zu schenken,
treibt die Blüte in die Zeit.
Schon im sterbendem Verrenken,
wirft sein Eignes sich ins Weit. -
Wie im Traume liegt ein Same,
träumt von Aufgang und Geschick;
ruht im Boden, ohne Name,
kehrt ins Dunkele zurück.
Grund-Stimmung
Was ist? - das dich so grimmig stimmt,
dich so sehr gefangen nimmt?
- Als ob dir Wer ein Unrecht tut,
so kocht dir hoch das heiße Blut.
Wortlos tobt in dir ein Streit
voll ungewohnter Einsamkeit.
Wem gilt? - der ungehaltne Blick
des Wehrers vor dem Mißgeschick?
- Als ob dir Wer ein Arges will,
so stehst du vor dir selber still.
Zitternd wirfst du in das Weit
die losgebundne Endlichkeit.
Wen sucht? - das angemessne Wort
an seinem unbehausten Ort?
- Als ob dir Wer ein Zeichen gibt,
so ahnst du dich dorther geliebt.
Brauchend in die Not gestellt
der ungelittnen Götterwelt.
Fremde Sprache
Wohin geht des Nachts die Seele,
so, als suchte sie im Traum,
was ihr stets ansonsten fehle,
einzubinden anderm Raum?
- Nacht ist Nacht,
und Nacht ist Schlaf.
Nacht ist, was
der Tag nicht traf.
Alles Fern und alles Nah
steht im Ganzen endlich da.
So, im Bilderrausch gestellt,
stimmt sich ein die weite Welt.
Magie
Buntgestreute Blumenwiesen -
alle Worte gleichen diesen.
Treiben aus dem Grund empor,
schenken reichen Blütenflor.
Weht der Wind am Schaft entlang,
flirrt umher ein Glöckchenklang.
Betörend zieht ihr zarter Duft
uns zaubernd mit in höhre Luft.
Ungebeugt
Immer dichter noch heran,
so, daß ich es greifen kann.
Immernoch der Gang zur Grenze,
Blick vermißt die weite Gänze.
Kann nicht kreuzen,
kann nicht bleiben;
nicht vom Sehen
kann ich schreiben.
Von der Unrast noch erfüllt,
zitternd, was sich dort enthüllt.
Unter allem großen Weh
Lust ich stille glänzen seh.
Kann nicht lieben,
kann nicht hassen;
nicht vom Einfall
kann ich lassen.
Stolze Demut sitzt im Garten;
kann nichts anders tun als warten.
Harrt der Dinge, die da kommen;
dankt der Dinge, die vernommen.
