8. Dezember 2009

Barbra Streisand "Guilty"





Als 1980 bekannt wurde, daß die bestbezahlte weibliche Sängerin Amerikas Barry Gibb gebeten hatte, ein Album für sie zu schreiben, da herrschte mit einem Mal betretenes Schweigen unter den Kritikern. Waren gerade sie es doch gewesen, die noch kurze Zeit vorher sich einig waren: 'Ja, Barry Gibb ist ein ganz guter Produzent, aber niemals wird sich ein Weltstar von ihm produzieren lassen, denn ein Weltstar möchte seinen eigenen Sound haben - und keinen Bee Gees-Sound.' Nun, Kritiker sind dafür bekannt, daß sie gerne mit ihrer Unwissenheit und ihren Vorurteilen hausieren gehen, weil sie der Meinung sind, sie müßten sich unbedingt zu allem äußern - besonders dann, wenn sie möglichst besser schweigen sollten...





Schon der kurze Trommelwirbel, der den Titelsong dieses Albums einleitet, macht es deutlich: Barbra Streisand ist endlich in der Realität angekommen. Ließ sich die Diva sonst gerne von allzu vielen Streichern umschmeicheln und pflegte dabei stets ihren unverwechselbaren, immer etwas dramatisch klingenden Gesangsstil, so springt sie hier auf dem Album "Guilty" zum ersten Mal über ihren Schatten und stellt ihre begnadete Stimme einfach in den Dienst der Lieder. Barbra Streisand gibt hier nicht die Diva, sondern beweist, daß sie schlichtweg eine der besten Sängerinnen aller Zeiten ist. Ja, für dieses Album trennte sie sich von vielen liebgewordenen Gewohnheiten: Hatte sie sonst den Ruf, Komponisten und Texter mit Änderungswünschen zur Verzweiflung zu bringen, so stimmte sie dieses Mal allen Kompositionen, die ihr Barry Gibb vorlegte, zu. Desweiteren verzichtete sie darauf, mit einem Live-Orchester im Studio aufzunehmen (und damit auf die Möglichkeit, noch während der Aufnahme einen Einfluß in Bezug auf Tempo und Dynamik zu haben), und sie ließ Barry Gibb in seiner Eigenschaft als Arrangeur und Produzent freie Hand. - Respekt! Barbra Streisand mußte die Änderung ihrer Verhaltensweisen nicht bereuen, denn Barry Gibb dankte es ihr, indem er für sie das künstlerisch anspruchvollste, musikalisch mitreißendste und kommerziell erfolgreichste Album ihrer Karriere machte.
Barbra Streisand, man darf es vielleicht einmal sagen, verdankte ihre bisherigen Erfolge bis dahin in erster Linie zumeist etwas älteren Hörern. Offensichtlich war ihr daran gelegen, sich einen neuen Hörerkreis zu erobern. Deshalb kann es auch nicht verwundern, daß sie Barry Gibb ausdrücklich um ein "kommerzielles" Album gebeten hatte, und "kommerziell" darf in diesem Fall wohl als "zeitgemäß" verstanden werden. Ist "Guilty" ein zeitgemäßes Album? - Ohne jeden Zweifel! Noch nie zuvor durfte man Barbra Streisand so modern, so nah am Puls der Zeit und so fest mit beiden Füßen auf dem Boden hören wie auf diesem Album. Aber dieses Album ist noch mehr: Es geht weit darüber hinaus, ein nur charakteristisches Album der 80er Jahre zu sein - es ist ein zeitloses Meisterwerk.
Für Barry Gibb, einem der besten Songschreiber überhaupt, war es sicherlich eine große Herausforderung, die Lieder für dieses Album und damit speziell für Barbra Streisands Stimme zu schreiben. "Wenn man für jemand anderen schreibt, und diese Person hat den Tonumfang, den Barbra hat, dann ist man gefordert und man schreibt Sachen, die man selber vielleicht nicht in der Lage wäre zu singen." Mit jedem einzelnen der neun Lieder liefert er jeweils ein Meisterstück ab für Barbra Streisands Stimme, diesem wundervollen Instrument, und schafft damit die Grundlage für eine künstlerisch überragende Leistung. Wenn man die Lieder hört, dann kann man verstehen, warum Barbra Streisand keine dieser Kompositionen zurückgewiesen hat. Nicht nur, daß sie bei allen Stücken mit ihrem Können als Sängerin brillieren kann, nein, ihr werden hier auch ganz neue musikalische Perspektiven eröffnet. Und es macht Freude, mit anzuhören, wie sich Barbra Streisand auf diese neuen Möglichkeiten einläßt.







"Life is a moment in space
when the dream is gone
it's a lonelier place"



Durch alle neun Lieder dieses Albums zieht sich das Thema der Liebe wie ein roter Faden. Und welches Instrument wäre besser dazu geeignet, das Lied der Liebe zu singen, wenn nicht die Stimme einer Barbra Streisand. Es ist die Liebe, die dem Leben erst einen Sinn verleiht, und dieser Sinn ruht als Traum, ruht als Urbild in den Herzen der Menschen. Jedes erfüllte Leben ist die Verwirklichung dieses Traumes. Aber unter welcher Voraussetzung nur kann sich dieser Traum verwirklichen? Reicht es aus, lediglich von der Liebe zu träumen? Wohl kaum! - Nein, die Liebe muß erstritten, muß erkämpft werden. Auf der einen Seite ist sie ein Geschenk, das dem Menschen zuteil wird, auf der anderen Seite jedoch muß der Mensch sich dieses Geschenkes als würdig erweisen.


"Make it a crime to be lonely or sad
you got a reason for livin'
you battle on with the love you're livin' on"



Wer die Chance der Liebe ergreift und sich jeden Tag aufs neue um sie bemüht - für den wird sich der Traum verwirklichen. Und mit der Verwirklichung dieses Traumes überwinden wir alle Grenzen, selbst die Grenzen der Zeit. Im Augenblick wahrer Liebe öffnet sich der Ausblick in die Ewigkeit - jetzt, erst jetzt haben wir uns wirklich gefunden, erst jetzt leben wir, erst jetzt sind wir wirklich frei:


"Run wild
out on the edge of time, child
carry your dreams away, love
no one can hold you now
for you are an island"



Zu den ergreifendsten Augenblicken dieses Albums gehört Barbra Streisands Interpretation des Liedes "The love inside". Wenn sie dem Erflehen um Liebe ihre Stimme leiht, dann geschieht das ganz ohne jede Theatralik oder übertriebene Dramatik. Nein, jede Selbstdarstellung läßt sie fahren und erreicht damit eine Eindringlichkeit, die ihresgleichen sucht. Wenn man die Augen schließt und in dieses Lied versinkt, dann hat man den Eindruck, nicht mehr die Stimme Barbra Streisands zu hören - sondern mit einem Mal vernimmt man die Stimme des Menschen selber, der die innere Leere fühlt und sein Flehen um Liebe in die Weite der Unendlichkeit sendet:


"And we can't take it home
the fire that was burning
when all around was turning
and we were cruising for the ride
gotta give a little of the love inside
not to take it all and watch me fall"



Weitere Höhepunkte des Albums sind natürlich die beiden Duett-Lieder "Guilty" und "What Kind Of Fool". Obwohl Barbra Streisand und Barry Gibb sich durch einen sehr eigenen, individuellen Gesangsstil auszeichnen, verschmelzen ihre Stimmen hier zu einer wundervollen Harmonie. Und man gewinnt den Eindruck, daß sie diese beiden Lieder nicht nur einfach miteinander singen, sondern daß es klingende Gespräche sind ...







Der Eindruck, den man beim Blick auf das Album-Cover gewinnt, bestätigt sich beim Hören der Lieder: Hier haben sich zwei Künstler gesucht und gefunden. Für Barbra Streisand und Barry Gibb wurde die Arbeit an diesem Album zum Beginn einer andauernden Freundschaft. Offiziell ist "Guilty" sicherlich ein Barbra Streisand-Album, aber jeder, der dieses Album gehört hat, wird zu dem Schluß kommen, daß es eigentlich das Album zweier Künstler ist, denn man kommt nicht umhin festzustellen, daß Barry Gibb in jedem Augenblick dieses Albums als Komponist, Texter, Arrangeur, Produzent, Duett-Partner, Backup-Sänger und Gitarrist allgegenwärtig ist.
Für Barbra Streisand wurde das Album Guilty zu einem überwältigenden Erfolg. Es verkaufte sich weltweit über 15 Millionen mal, dazu kamen noch über 10 Millionen verkaufter Singels. Desweiteren erhielt das Album fünf Grammy-Nominierungen in den Kategorien Album of the Year, Pop Female Vocalist, Pop Vocal Group, Record of the Year und Song of the Year. Gewonnen haben Barbra Streisand und Barry Gibb die Trophäe gemeinsam in der Kategorie "Pop Vocal Group".
Ja, und es sei hier eigens erwähnt, auch von allen Kritikern wurde das Album überschwenglich gelobt. Was blieb ihnen angesichts eines solchen Werkes auch anderes übrig?! Wieder einmal hatte Barry Gibb seine Mission erfolgreich erfüllt.
Welche Mission? Nun, er hat es einmal selbst mit einem breiten sympathischen Lächeln gesagt: "Meine Mission ist es, die Kritiker zu verwirren."...
Wärmstens empfehlen möchte ich an dieser Stelle auch Barry Gibbs Guilty Demos, die offiziell als Download bei iTunes erhältlich sind. Auf diesen Demos kann man zwei zusätzliche Lieder ("Carried away" und "Secrets") hören, die für das Album Guilty komponiert, aber nicht verwendet wurden. Wenn man die endgültigen Versionen der einzelnen Lieder mit den Demo-Fassungen vergleicht, dann fällt auf, daß Barry Gibb von Anfang an eine sehr klare Vorstellung davon hatte, wie die Lieder letztendlich auf dem Album klingen sollten. Und Barry Gibb die Lieder des Albums Guilty selber singen zu hören - das sollte man sich nicht entgehen lassen ...









Die Nachwirkung

Ja, in der Tat, Barbra Streisand hat 1980 die Zusammenarbeit mit Barry Gibb offensichtlich sehr genossen. Man sieht es den Bildern des Albums förmlich an. Wann hat man Barbra Streisand jemals so locker, so unverstellt ehrlich und mit so wunderbaren Blicken gesehen?! Während der Aufnahme-Sitzungen war für sie die Welt auch noch in Ordnung. Da konnte sie noch nicht ahnen, welch ein sensationeller Erfolg dieses Album werden würde. Aber als das Lied "Woman in Love" als Single erschien und Gold und Platin in den Vereinigten Staaten bekam und zur meistverkauften Single ihrer Karriere als Schallplatten-Künstlerin wurde ... ja, da zeichnete es sich bereits ab. Sie hatte zwar gehofft, daß diese Single gut laufen würde, aber mit einem derart großen Erfolg hatte sie nicht gerechnet. Das Album "Guilty" sprengte dann all ihre Erwartungen. Es bekam Gold und fünfmal Platin und wurde das meistverkaufte Album ihrer Karriere. - Und was war daran schlimm? Eigentlich nichts - bis auf die Tatsache, daß niemand über Barbra Streisand sprach, sondern ausschließlich Barry Gibb im Mittelpunkt des Interesses stand. Jedermann sprach über seine meisterhafte Arbeit an diesem Album, die Kritiker verneigten sich vor Ehrfurcht, innerhalb kürzester Zeit entstanden Cover-Versionen seiner Komposition "Woman in Love" - und etliche Weltstars (Kenny Rogers, Dionne Warwick, Diana Ross) warteten darauf, von ihm ein Album produziert zu bekommen. Für Barbra Streisand war die Tatsache, daß der größte kommerzielle Erfolg ihrer Karriere als Schallplatten-Künstlerin das Verdienst eines anderen Künstlers war, eine bittere Erkenntnis. Damit hatte sie nicht gerechnet. Und mit tiefverletztem Stolz kehrte sie der Welt den Rücken zu und suchte Zuflucht im elfenbeinernen Turm ihrer Eitelkeit. Einmal und nie wieder! Für Barbra Streisand stand damit fest, daß es in Zukunft keine erneute Zusammenarbeit mit Barry Gibb geben würde. Natürlich blieben sie Freunde - warum auch nicht? Barbra Streisand dachte nicht daran, ihm die Schuld an ihrem Unglück zu geben. Nein, in keinster Weise! Er hatte es ja nicht böse gemeint - es war halt einfach geschehen ...
Und so kehrte sie auf der Flucht vor dem Album "Guilty" zu ihren alten Gewohnheiten zurück und arbeitete an ihrer eigenen Legende. Auf den Alben, die sie in den folgenden Jahren herausbrachte, glänzte sie mit ihrer überragenden Stimme, aber musikalisch überzeugen konnten diese Werke nicht. Da gab es einfach zu viele Streicher und zu viele Produzenten, denen es nicht erlaubt war, zu produzieren...
Und Barry Gibb? - Offensichtlich hat er von den innersten Gefühlen der Diva, seiner Freundin, nichts geahnt. Wie sollte er auch! Schließlich sprach Barbra Streisand über die Jahre hinweg immer wieder über eine erneute Zusammenarbeit mit ihm ... Entweder wollte sie ihm nicht die Wahrheit sagen, oder sie war einfach nicht in der Lage, ihre Gefühle bezüglich einer Zusammenarbeit in Worte zu fassen. Aber um jedes mögliche Mißtrauen seinerseits gleich im Keim zu ersticken, lud sie ihn 1987 dazu ein, bei ihrem ersten Konzert seit zwanzig Jahren als Gast aufzutreten. Barry Gibb fühlte sich geehrt, nahm die Einladung an, verlieh dem Konzert, das offensichtlich wohl insgesamt eher auf ältere Hörer zugeschnitten war, einen funkelnden Glanzpunkt - und durfte wieder gehen ...
1994 brachte die Diva dann das Album "Barbra - The Concert" heraus. Wer gehofft hatte, ihren größten Single-Hit einmal live zu hören, der wurde leider enttäuscht. Barbra Streisand sang das Lied nicht. Sie sang überhaupt kein einziges Lied ihres erfolgreichsten Albums ...
Im Jahr 2004 geschah dann etwas gänzlich Unerwartetes: Barbra Streisand bat Barry Gibb um eine erneute Zusammenarbeit, ja, er sollte ein neues Album für sie produzieren. Was war geschehen? War die Diva etwa im Alter milder und einsichtiger geworden? Nein, war sie nicht! Die Diva fragte Barry Gibb deshalb, weil ihre Plattenfirma sie dazu gedrängt hatte. Ein schlimmer Fehler, denn: Eine Diva läßt sich nicht drängen! - Barry Gibb gab sich große Mühe, komponierte ebenso wundervolle Lieder, legte als Produzent wieder eine meisterliche Arbeit vor, - aber er hatte einfach keine Chance. Er wurde schlichtweg von der Diva boykottiert. Barbra Streisand hatte diese Zusammenarbeit nie gewollt und sang deshalb die Lieder zwar professionell - aber ohne Herz. Dementsprechend wurde das Album "Guilty Pleasures" auch kein Erfolg. Man schaue sich ruhig einmal in diesem Zusammenhang das maskenhaft eingefrorene Lächeln der Diva auf den Bildern des Albums an ... Ja, da ist es nicht mehr nötig, irgendwelche Fragen zu stellen ...
Ein Jahr später erschien von Barbra Streisand das Album "Live in Concert 2006". Weder von dem Album "Guilty" noch von dem Album "Guilty Pleasures" sang sie auch nur ein einziges Lied.
Eine erneute Zusammenarbeit zwischen Barbra Streisand und Barry Gibb wird es wohl in Zukunft nicht mehr geben. Vielleicht ist das auch ganz gut so. Barry Gibb hat wahrlich etwas Besseres verdient ...












Since it became known in 1980 that America's best-paid female singer had asked Barry Gibb to write an album for her, there was a sudden awkward silence among the critics. Hadn't exactly they agreed just a short time ago: "Indeed, Barry Gibb is a quite good producer, but a world star will always refuse to become produced by him, for a world star wants to have its own sound - and not a Bee Gees sound. " Well, critics are known for that they like to peddle their ignorance and their prejudices, because they feel they must express themselves strictly to all - especially if they rather should keep quiet as possible ...






Already even the brief drum roll, which introduces the theme song of this album, makes it very clear: Barbra Streisand has finally arrived in the real world. Had the diva till then usually prefered to be wraped up in flattering strings, all too many, which would caress her unmistakable, always slightly dramatic-sounding vocal style, she here denies, on the album 'Guilty', for the first time ever herself any predilections, and her gifted voice is just to serve the songs. Barbra Streisand is not here the diva, but proves that she is simply one of the best singers of all time. Indeed, for this album she parted company with many cherished habits: Had she usually the reputation of driving to despair the composers and lyricists with her requests for change, she this time agreed to all the compositions which were presented to her by Barry Gibb. Moreover, she abandoned it to record with a live orchestra in the studio (and hence to the possibility to have an influence in terms of tempo and dynamics, even during recording), giving Barry Gibb a free hand in his capacity as an arranger and producer. - Respect! Barbra Streisand had not to regret the change of her habits, as Barry Gibb thanked her by bringing forth the artistically most demanding, musically most exciting, commercially most successful album of her career.
Barbra Streisand, it may perhaps be allowed to say this once, owed her success to that date in the first place mostly a somewhat older audience. Apparently, she was keen to also conquer a new audience. Therefore there may be no surprise that she had asked Barry Gibb specifically for a 'commercial' album, and 'commercial' may be better understood as 'up-to-date' in this case. Is 'Guilty' a seasonable album? - Without a doubt! Never before Barbra Streisand sounded so modern, so close to the pulse of time and with both feet on the ground like on this album. But this album is even more: It goes far beyond to be just a typical album of the 80s - it is a timeless masterpiece.
For Barry Gibb, one of the best songwriters ever, it was certainly a big challenge, to write the songs for this album and thus specifically for Barbra Streisand's voice. "If you are writing for someone else, and that person has the range that Barbra has, it stretches you out and makes you write other things, that you might not really be able to sing yourself." With each of the nine songs he delivers a masterpiece for Barbra Streisand's voice, for this wonderful instrument, and thus creates the basis for an artistically superior performance. Hearing these songs makes one easily understand why Barbra Streisand has not rejected any of these compositions. Not only that she can excel in all the songs with her skill as a singer, no, also completely new musical perspectives are opened up to her. And it is enjoyable to accompany by ear how Barbra Streisand embarks on these new opportunities.








"Life is a moment in space
when the dream is gone
it's a lonelier place"



Through all nine songs on this album runs the theme of love as a common thread. And which instrument would be better suited to sing the song of love, if not the voice of Barbra Streisand. It is only love that gives life sense, and this sense rests as a dream, lies as an original in the hearts of men. Each fullfilled life is the realization of this dream. But under which premise can this dream only achieve? Is it enough just to dream about love? Hardly! - No, one must fight for, must combat for this love. On the one hand, it is a gift that is given to men, on the other hand, men must prove themselves worthy of this gift.



"Make it a crime to be lonely or sad
you got a reason for livin'
you battle on with the love you're livin' on"



Who will take the chance of love and will take trouble over her every day again - those will realize the dream. And with the realization of this dream we overcome all limits, even the boundaries of time. At the moment of true love the view to eternity opens - now, only now we have really found us, only now we live, only now we are truly free:



"Run wild
out on the edge of time, child
carry your dreams away, love
no one can hold you now
for you are an island"



Among the most poignant moments of this album counts Barbra Streisand's performance of the song 'The love inside'. When she lends to the entreaty for love her voice, then she does this so entirely without any histrionics or excessive drama. She lets really go any self-presentation, thereby achieving an urgency to seek its equal. If you close your eyes and sink into this song, then one has the impression of listening not the voice of Barbra Streisand - but all of a sudden we hear the voice of the human being itself, who feels the inner emptiness and sends its plea for love into the vastness of the immensity:



"And we can't take it home
the fire that was burning
when all around was turning
and we were cruising for the ride
gotta give a little of the love inside
not to take it all and watch me fall"



Other highlights of the album are, of course, the two duet songs 'Guilty' and 'What Kind of Fool'. Although Barbra Streisand and Barry Gibb are characterized by a very own individual singing style, their two voices here blend together into a wonderful harmony. And one gets the impression that they do not just sing with each others these two songs, but that these songs are sounding conversations ...








Looking at the album cover the impression one gets becomes confirmed by listening to the songs: Here are two artists who have sought and found each others. For both, Barbra Streisand and Barry Gibb the working on this album was the beginning of a lasting friendship. Officially 'Guilty' is certainly a Barbra Streisand-album, but anyone who has listened to this album will come to the conclusion that it really is the album of two artists, because one cannot help awaring Barry Gibb's omnipresence as a composer, lyricist, arranger, producer, duet partner, back-up singer and guitarist at every moment of this album.
The album Guilty has been an overwhelming success for Barbra Streisand. It got sold over 15 million times worldwide, plus there were over 10 million singles sold. Furthermore, the album received five Grammy nominations in the categories Album of the Year, Pop Female Vocalist, Pop Vocal Group Record of the Year and Song of the Year. Barbra Streisand and Barry Gibb have won the trophy together in the category "Pop Vocal Group".
Well, and it should be mentioned extra here, that the album was effusively praised also by all critics. What other alternative did they have in face of such a work?! Once again Barry Gibb had successfully fulfilled his mission.
What mission? Well, as he himself has said it once, with a broad friendly smile on his face: "My mission is to confound the critics."...
At this point I would like to warmly recommend Barry Gibb's 'Guilty Demos', which are officially available for download at iTunes. On these demos there are two more songs ('Carried Away' and 'Secrets') to be heard which were composed for the album 'Guilty', but not used. Comparing the final versions of each song with the demo versions, one notices that Barry Gibb had a very clear idea right from the beginning of how the songs should eventually sound on the album in the end. And to hear Barry Gibb himself singing the songs of the album Guilty - that truely is a thing one should not miss ...











The aftermath

Yes, in fact, Barbra Streisand obviously has enjoyed the collaboration with Barry Gibb in 1980. Even the pictures of the album cover mirror this. When else were we able to watch Barbra Streisand behaving herself so relaxed, so undisguised honest and with such stunning looks of her eyes? During the recording sessions the world was still all right for her. As she could not foresee then what a sensational success this album would become. But when the song "Woman in Love" was released as a single, and received gold and platinum in the United States, becoming the best-selling single of her career as a recording artist ... well, then it was already emerging. Of course she had hoped that this single would sell well, but she had not expected such a huge success for it. The album "Guilty" finally blew all her expectations. It earned gold and five times platinum and became the best selling album of her career. - And what was bad about this? Nothing really - only except for the fact that no one was talking about Barbra Streisand, but Barry Gibb was at the center of attention. Everyone talked about his masterful work on this album, the critics bowed down in awe, in a very short time a bunch of cover versions of his song "Woman in Love" were recorded - and several world stars (Kenny Rogers, Dionne Warwick, Diana Ross) were waiting in line for him to get an album produced. For Barbra Streisand was the fact, that the biggest commercial success of her career as a recording artist was to the credit of another artist, a bitter realization. This she had not expected. And with deeply wounded pride she turned to the world her back and sought refuge in the ivory tower of her vanity. Once and never again! For Barbra Streisand it was certain that in future there would be no furthermore collaboration with Barry Gibb. Of course, they remained friends - why not? Barbra Streisand had no intention of giving him the blame for her misfortune. No, not in any way! He had indeed meant no harm - it simply happened ...
And so she returned, on the run from the album "Guilty", back to her old habits and continued working on her own legend. Her outstanding voice still is splendid on the albums which became released by her in the following years, but these works were not musically convincing. There were just too many strings and too many producers, who were not allowed to produce ...
And Barry Gibb? - Obviously, he is unaware of the innermost feelings of the diva, his girlfriend. How could he! After all, Barbra Streisand still talked about a renewed collaboration with him over the years ... Either she did not want to tell him the truth, or she simply was unable to put her feelings regarding a new cooperation into words. But to nip in the bud any possible suspicions as far as he is concerned, she invited him in 1987 to perform as a guest at her first concert since twenty years. Barry Gibb felt honored, accepted the invitation, gave a highlight to a concert that was obviously tailored to older listeners - and was allowed to quit again ...
In 1994 the diva finally released the album "Barbra - The Concert". Those who had hoped to once hear her biggest single hit in a live version unfortunately became disappointed. Barbra Streisand did not sing this song. Not a single composition of her most successful album was performed by her on it ...
In 2004 then something entirely unexpected happened: Barbra Streisand asked Barry Gibb for a new collaboration, yes, he really should produce a new album for her. What had happened? Did the diva become milder and more insightful with growing age? No, she did not! The diva asked Barry Gibb, only because her record company had pushed her to do so. A bad mistake, because: A diva is unpushable! - Barry Gibb took great pains, composed again songs as beautiful as before, created again a masterful work as a producer - but he just had no chance. He was simply boycotted by the diva. Barbra Streisand had never wanted this cooperation, and so she sang the songs truely professional - but without a heart. Accordingly, the album "Guilty Pleasures" was not a success. In this context one may just take a look at the mask-like frozen smile of the diva in the pictures of this album ... Indeed, it is unnecessary to ask any questions any longer ...
One year later the album "Live in Concert 2006" became released by Barbra Streisand. Neither from the album "Guilty" or from the album "Guilty Pleasures" she sang only one single song.
Another new collaboration between Barbra Streisand and Barry Gibb will hardly become realized in the future. Perhaps this is a good thing. Barry Gibb has truly deserved some better ...


16. Oktober 2009

Hucky and Rosie





Me and my mare






We roam around the quarters
Me and my mare
There is no single soul around
This empty place feels a bit despair
No noise disturbin' the sound
And the road we ride - will it lead to somewhere?
Will we ever end up to stay there?
Or finally find us some chow we can share -
Me and my mare

We follow just the river
Me and my mare
For just another place to rest
A sugar-hogshead or an empty barn
Just somethin' ends our quest
Like the river flows - like the river will care
Well, one day we'll be finally there
It looks like we would have nothin' to care -
Me and my mare












We stick together since ages, Rosie and me. And without any question she is the damned best friend which anybody can wish for. I can still remember so well when my Uncle Buster has visited my mom and me at the time, standing with her at the door. It was on my birthday. No, he needed nothing to say. He only gave me one look and handed me the reins ... I had never received any present till then. I was thunderstruck, hardly believing my luck. A horse for me alone. No doubt, I felt like a king. And Rosie? Rosie looked at me and from that very moment on we both were clear: We were soulmates. How dull had been my life in Alamorgodo until then. I had never seen a bit of the world. But now, with my friend at my side, all of a sudden the narrow confines of this sleepy town opened up in my imagination. With a horse of mine - wouldn't I finally have my share of every sweet-imagined possibility? Now at last I was able to grab a piece of sky. As I explored the surrounding area with Rosie, one name no longer got out of my mind: Upper Sandusky. Again and again I repeated it to myself like a sacred formula. Upper Sandusky - this was not just a name, no, it sounded like a promise. In my imagination Upper Sandusky was the fulfillment of all my dreams, my Shangri-La ... What kept me here still? And one morning at the crack of dawn Rosie and I made the road. Of course, we didn't even know where Upper Sandusky ever was, but that didn't matter to us. Anyone who really seeks ones fortune will find it at last. Rosie just followed her nose, and I agreed with her decision. We had nothing to lose. With a little luck we would find this magical-sounding place, where the four winds blow and the peaceful waters flow. At some point in our journey we suddenly would sense it clearly that - yep, now we are at home. I don't know how many miles we have traveled since that time, or how many countries we have gone through, but often it seemed to the both of us as if we were only on a journey through the remote areas of our own soul, where still some undiscovered secrets are waiting there for us ...
Rosie and I have always trusted each other blindly. It's a good feeling to have someone who never lies to you, and knows no envy or prejudice. Someone who lets the other one be just oneself ... Two stray dogs as we have a good instinct for freedom. None will make a fool of us! And after all these years with Rosie at my side, I can say: The more familiar I became with the character of different people, the more I appreciated Rosie's friendship.
Well, Rosie is no longer the youngest, but still we are together every day on the road. Mostly up on the meadow behind the barn, then along the embankment, through the small forest, past the pond and then back to the barn again. Sometimes I feel sorry that she has to carry me. So I get off to make it easier for her. But then she looks at me, and in her eyes I can read the question: Do you want to insult me? - And I am ashamed and climb up again. Still we are on our way to Upper Sandusky. Who knows, maybe we arrived there already since ages ...



(To be continued ...)

10. Juli 2009

Arcadian Skies warmly welcomes Hucky




Arcadian Skies


warmly welcomes Hucky!



Just a few words by us ...

We know him for some years. He lives in an old barn, without television, without a PC, without electricity. Sometimes it seems as if he would come from another time ... perhaps even from another world ... He is our friend and a part of our life. We are very pleased that he now also is a guest on our site, and we bid him very welcome!










It is only a stone's throw from here, just over the meadow, perhaps 120 steps, then I am already with them. But there's nothing like my barn. A proper housing, nope, that's not my cup of tea. I would feel cramped. Like in prison. Only in winter, when the weather gets shittty cold, yep, then sometimes it can slightly get a bit uncomfortable there. But most of the time it's doing fine. For emergency I can also spend the night at them two, Petra and Bernd. All the others are giving me a wide berth, but not these both, nope, they are jolly okay. When I saw them for the first time five years ago, my heart has almost been in my boots. They were making a walk, and they came directly up to my barn. Now it's all up, I just thought, now you gonna have to find a new stay. But it all turned out totally different. We clicked the moment we met. My barn completely knocked them off their feet, not to talk about my old sugar-hogshead. They've got completely into a flap ... In the summertime it's a bloody lazy life. I walk along the river and through the green fields and look way out over the city and wonder about all this confusion in the world. But the sky is blue and I don't have no worries and I don't have no care. Almost every evening Bernd drops in. He's already been around the block a few times, but hey ... who cares? And me? I don't even know when I was born. It seems as if I am not getting older somehow. Maybe the time simply stands still. But sometimes, sometimes I can hear her speak. Then it's like a whisper in the dark, and I do have the feeling that everything is right and the time has fullfilled herself ... We use to sit on the haystack and let our legs dangle from the hatch. It's not necessary that we talk to each other, everybody knows what the other one feels. We sip some bottles of beer - and we do understand the light. And then somewhen the moment arrives, when I feel that I want to blow my harmonica, and Bernd usually begins to hum quietly. When the sun goes down she spends us often a farewell tune then. Where to will she go now? is she tired? must she sleep? Her days always are so long for her ... And the air is filled with a great longing. I blow my harmonica and Bernd quietly hums a melody - and then we feel the tears. Doesn't matter - no one's around. Our tears fall down onto the dry, hard ground in front of the barn ...
Some day Petra has suggested why not to record one of our tunes. Bernd looked at me, and only said: "Hucky, you can not play the harmonica, and I never hit the right note - this fits well together." Said - done ... And if the recording even sounds somewhat well, we owe that only 'Mama big ear' Petra. She simply hears everything ...





Seen it all before




Under the bright blue sky ...
And fading pictures of a neverending dream ...
Just lit the fire once again, my friends ...
I've seen it ... I've seen it all before ...
Trying to reach there, but HE'd closed the door ...
Some missed the road ...
The only chance they've got ...
And now the sun will disappear down their night ...
But to us, dear friends - it still shines on ...
Forever so bright ...



Last summer we have discovered it. The three of us were standing under the hatch, not little amazed.
Really, there sprouts a small tree. No doubt - it's a tree of tears. We have named him "Sad and Blue" ...





~ ~ ~ ~ ~










Yesterday I've seen him again, in the twilight. He's always in the twilight, this darned bugger. Phew! Sure, my heart's been to the boots immediately. He floats through the fields like a ghost. You never can recognize his face. Everything is hidden. And then this scythe ... You won't believe it ... A real whopper! I thought: "Just vamoose," and then I took to my heels, running like the devil. When I finally was in the barn, I immediately locked the door, me three times twisting around myself, fastly signing a cross and then creeping into my sugar-hogshead. Good heavens! I have been as quiet as a mouse. "If this twisted perv is knocking at the door, then everything's all over ...", and I've sweat blood and water. But thankly nothing happened ... Since I've seen him for the first time I only call him the 'Grim Reaper'. And believe me, this guy doesn't loose any time: crash, bang, there you go. No mercy. He's a sadist! He doesn't do things by halves. When he has finished then there's no breath left in ya, and the light's gone out of yer eyes, in short: You've smelled the burnt almonds. Only a twinkle ago you were laughing - and suddenly now you're feeding the worms. But nobody wants to believe me because it seems as if nobody but me seen him yet. And one thing I know precisely: Every time this guy shows up another one bites the dust. But what shall I do, people are just too stupid. When someone dies then they will investigate, and figure out some fairy tales, and finally they talk complete nonsense: "He had an heart attack ... he's died by having a tumour ... aaaw this terrible stroke ... Good Lordy it was cancer ... " All nonsense ... Myth ... pure superstition ... I swear. This guy's always been that, whom I see in the twilight, the guy with the scythe ...






Petra told me that they've found Tom Hutton this morning. He was lying in his bed. There's going the rumor it's been a heart attack ... Really, this guy is simply incredible ... Nobody ever finds him out ...




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From up here in my barn I have a great look way out over the city. Well, to be honest, it's just one town, sort of nothing's really happening here. And by this distance from above the houses and streets are quite small and the people like ants which run for their lives. It's a funny thing, watching the hustle and bustle.









Sometimes, when my pal Bernd is with me, I'm totally blown away by what he says. For hours just a deathly silence, not a single word - and all of a sudden:
"Some day there's gonna be an uprising in the masses where they gain the misery they're entitled to."
"Do you really believe?"
"Of course! Go and have a look at them ... They sold out themselves. Every year they are raising the salary, all Christmas they give them stock in the Company, plus an extra bonus. They have a health insurance and receive a retirement pension. There's nothing more to worry about. Perhaps it looks as if they live, but believe me, in the proper meaning they are dead. - Hucky, thank the Lord that you're only a poor wretch. You've hit the jackpot, yeah, lucky you. "
"But I just live from hand to mouth ... And also all the people give me a wide berth, treating me like a nobody ..."
"It's the sheer envy, nothing else, yeah ... Some people just don't fit the mold, and therefore you think that you're as fucked as can ever exist. But in truth you are the winner ... you devil of a fellow!"
"The winner ...?"
"But of course, the winner ... Look, your mother was perhaps the biggest whore in Alamorgodo, and your father, really, he was a confirmed drunkard, but you're born free ... good heavens! Born free ..."
"Yep, that sounds really good ... but ... but nobody wants to stand in my shoes ..."
"Hucky, don't play dumb. Surely nobody wants to stand in your shoes, because they are all blinded by the money. They see only money, and money they taste, and money they smell, they even shit money. All their thoughts revolve only about money. Only the money counts. Idiots! They're all on the wrong track. And that's why nobody wants to stand in your shoes. But at night, my friend, you are within their dreams. Because you're the thorn in their eyes, the thorn which reminds them that they all are just slaves. In their dreams you will become a symbol of hope, believe me ... Because you're the only guy who really is free ... "
"Somehow I still can't believe ... I'm just a poor guy ..."
"Hucky, just trust me ... Yes, of course, you're poor ... but this just means you've got nothing left to lose. And that's it why you're absolutely free ... free as a bird ... Hucky, you're a living dream. You've found the meaning of life ... and it seems that you don't even have noticed it ... "
"Do you really think that they see me in their dreams?"
"Want to bet ...? And therefore some day there's gonna be an uprising in the masses ..."





(To be continued ...)







16. Juni 2009

Arcadian Skies - Diabolo


22. April 2009

Van Morrison "Astral Weeks"










Um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen und das Kind beim Namen zu nennen: Diese Musik ist ein Fegefeuer! - Sie läutert, reinigt, sondiert ... sie trennt die Spreu vom Weizen. Wer es vorzieht, gedankenverloren in seichten Gefühlen zu plätschern, der ist hier fehl am Platz. Folglich richtet sich dieses Album nur an Wenige, Tapfere, wirklich Suchende ... an diejenigen Hörer, die noch Ohren hinter ihren Ohren haben; an diejenigen, die sensibel genug sind, auch das Tönen der Stille zu vernehmen... Diese Musik will nicht nur gehört sein: - nein, sie will gelebt sein! Wie? - Musik hat etwas mit dem Leben zu tun? ist tönende Sehnsucht? ist klingender Schmerz? Potzblitz! dann wäre sie ja gar eine wirklich ernst zu nehmende Sache?! Aber worum geht es dann in dieser Musik? - Es geht um mehr, mehr... um viel, viel mehr... geht um alles! Und deshalb ist es so wichtig, daß wir uns dem Fegefeuer dieser Musik aussetzen, daß wir den brennenden Schmerz der Sehnsucht wirklich fühlen. Mutig wollen wir uns in das Labyrinth der Empfindungen und Träume wagen, - auch auf die Gefahr hin, uns vielleicht darin zu verirren. Vertrauen wir einfach hoffnungsvoll der reinigenden Kraft des Fegefeuers... Und wenn wir alle Leiden erlitten haben, wenn wir schon glauben, es nicht länger aushalten zu können, dann, ja dann werden wir in der Ferne jenes geheimnisvolle Strahlen erblicken, jenes Licht in der Dunkelheit, das uns leuchtet und uns den Sinn des Lebens ahnen läßt...



Could you find me?
Would you kiss-a my eyes?
to lay me down
in silence easy
to be born again
to be born again
to be born again
in another world
in another world
in another time...
Ain't nothing but a stranger in this world
I'm nothing but a stranger in this world
I got a home on high
in another land
so far away
so far away



Was kann uns denn schon passieren? - ... es ist doch nur Musik... ! Aber ehe wir uns versehen, beginnt der Boden unter unseren Füßen zu wanken. Halt! Was soll...? Nein! Nein! ... Mir ist, als ob... - Hände greifen ins Leere. Alles gibt nach. Wir halten den Erdrutsch nicht mehr auf! Und schon tauchen wir ein... tauchen ein in den Fluß der Wiedergeburt. Mit einem Male sind wir macht-, sind hilflos, werden umgeben von seinen Strömungen. Schutzlos sind wir ihm ausgeliefert. - Rettung...? - Du Narr! Wehr dich nicht! Ahnst du es nicht? - : der Fluß ist dein Zuhause! Hier, - hier, wo du nicht mehr den Boden unter den Füßen spürst, hier, wo deine Hand ins Leere greift - hier, hier, hier... nur hier kannst du dich selber finden. Doch sei gewarnt: Wer gegen den Fluß ankämpft: kommt darin um! Versuche nicht ans Ufer zu gelangen ... laß dich treiben, einfach treiben, lassen... lassen... nur treiben... Du mußt diesem Fluß vertrauen, mußt ihn wollen, ihn wirklich wollen - mit all deinem Verlangen, deiner Liebe, deiner Not... stärker, immer stärker... bis du selbst ein Teil des Flußes bist ...
Wie lange wohl ist es her? Mir ist, als ... gerade eben noch ... - Vergiß die Zeit! Gestern ist morgen schon heute. Morgen bist du dort, wo du gestern hättest sein können. Doch jetzt bist du hier - im Fluß! Fühlst du seinen Puls? Kannst du ihn fühlen - den Puls? ... den Puls des Flußes ... fühlen, fühlen ...? Atme ruhig, ganz ruhig ... immer im Rhythmus des Pulses ... denn der Puls des Flußes ist deine eigene Zeit ... In jedem Augenblick spiegelt sich die Ewigkeit: - und die Ewigkeit ist nur ein Augenblick, der nie vergeht ... geht ... geht ... geht ... ewig ... Was soll...? - Warum nur bin ich ... hier? - Wohin werde ich ...?



And I'll stand beside you
to never never never wonder why at all
no no no no no no no no
to never never wonder why at all
to never never never wonder why it's gotta be
it has to be



Alles ist im Fluß! Und der Fluß - er lebt, bewegt sich, bringt hervor... In ihm wirst du geboren; neu wirst du geboren. Tauche ein, tief ein in seine Wasser, hab' Vertrauen - und du wirst ein Anderer sein! Gewohntes zerfließt und löst sich aus der Erstarrung. Alles ist im Werden, alles kommt erst auf dich zu. Auch du selbst, ja du! du selbst kommst auf dich zu ... denn du bist die Zukunft. Und du wirst zu dem, der du bist du bist du bist vom Anfang bis zum Ende. Alles ist im Fluß - und fängt an, sich zu vollenden ...
Wohin nur wirst du treiben? Wohin nur bahnt der Fluß sich seinen Weg? - Er strebt zum Meer der Überwindung! Alles ist im Fluß, nichts ist mehr wie einst es war. Überwinden wirst du ... überwinden ... überwinden ... du im Fluß wirst ... überwinden ... die Erinnerung, all die Tränen deiner Pein, blindes Verlangen voller Gier, dein rastloses Hin und Her ... deindeindein ... alles wirst du überwinden ... alles ... selbst den Raum und die Zeit! Überwinden wirst du sie ... du, der du treibst im Fluß ... hin zum Meer der Überwindung ...



And I will not remember
That I even felt the pain
We shall walk and talk
In gardens all misty and wet with rain
And I will never never never
Grow so old again



Die Musik fließt, - und aus der Tiefe dieses Flußes quellen die Melodien hervor. Der zum Meer der Überwindung strebende Musikfluß bahnt sich unbeirrt seinen Weg durch die Landschaft: entlang der Wiesen und Felder, durch das unwegsame Gelände der Seele; streifend die Höhen und Täler der Empfindungen. Und jeder Stein an seinem Ufer erzählt: es war einmal! Nichts ist vergessen! Nein nein nein nein! Van Morrison wird nicht müde, alles, was im Brunnen der Vergessenheit zu versinken droht, wieder hervorzuholen, wieder und wieder! Jede Begebenheit, jede Gefühlsregung, alle Nuancen der Stimmungen; Bilder erwachen und tanzen im Reigen. Namen tauchen auf und werden zum Leben erweckt. Die Musik fließt. Und dieser Fluß ist die Quelle des Schmerzes. Hier versammelt sich alles. Alles hat seine Bedeutung, alles hat seine Notwendigkeit. Nichts darf demVergessen anheimfallen. Tod herrscht nur dort, wo sich niemand mehr erinnert. Wenn es um nichts mehr geht, dann hat das Leben verloren. Deshalb ist es so wichtig, daß die Melodien des Flußes immer wieder erneut gesungen werden. Denn nur durch die Stimme des Sängers vermag der Fluß sein Geheimnis zu Gehör zu bringen. - Van Morrisons Stimme frißt sich in die Seele des Hörers. Wir vernehmen hier nicht nur ein bloßes Singen, nein, dieser Gesang ist tönende Stimmung, ist klingender Schmerz. Er kämpft, er ringt, er durchlebt die Erinnerung; er entreißt alle Gefühlsregungen der Macht des Vergessens, durchlebt das Fegefeuer des Schmerzes und weiß um dessen Notwendigkeit; er geht weiter, weiter, tiefer und immer tiefer. Wie bitter auch die Wahrheit ist, wie schmerzvoll jede Erfahrung auch sein mag ... er hält stand, er läßt nicht locker, bleibt auf seinem Weg ...



My tongue gets tied
Every every every time I try to speak
My tongue gets tied
Every time I try to speak
And my inside shakes just like a leaf on a tree



Gleich mit den ersten Tönen werden wir in den Sog des Strömens hineingezogen. Noch ehe wir uns versehen, sind wir auf dem Weg zur Wiedergeburt. Mitten im ewig fließenden Fluß des Lebens sind wir gefangen, denn die Musik zieht uns in ihren Bann, läßt uns einfach nicht mehr los. Wen wundert's? - Van Morrison ist Ire. Er ist der Sohn eines leidgeprüften, stolzen Volkes. Und die Musik, die der irischen Seele entströmt, ist die Musik des Tanzes und der Sehnsucht. Ein kalter, distanzierter Intellekt ist ihr fremd. Reines Gefühl, gelebte Stimmung, brennendes Verlangen, ein pulsierendes Herz - und das Hinausspähen in die Weite: das ist es, was uns hier zu Ohren kommt. Und dieser lebendigen Ehrlichkeit vermag man nicht zu widerstehen. Und ja, diese Musik wirkt auch deshalb so mitreißend und interessant, weil sie sich zudem noch besinnt auf Elemente des Folk, Blues und Jazz. Dies alles zusammen läßt sie zu einem einzigartigen Meisterwerk werden, das seinesgleichen sucht. Die Auswahl der Musiker, die Van Morrison zur Seite stehen, ist ein einziger Glücksfall. Sie entstammen dem Jazz, jener Musik, wo in jedem Ton sich alles vereint, wo im Schmerz auch die Freude erkannt wird, - und die Freude gleichwohl auch schmerzt. Die Musik des Flußes verlangt nach Freiheit. Freiheit bedeutet aber mitnichten individueller Eigensinn, sondern Offensein für das, was auf einen zukommt. Deshalb gewinnen wir beim Hören dieses Albums oft den Eindruck, daß die Musiker ihre Instrumente nicht einfach nur spielen, sondern sie scheinbar - stimmen ... Ja! - sie stimmen sich ein auf die Musik ... Vergeblich machen wir uns auf die Suche nach einem starren Gefüge: alles ist im Fluß, im Werden, ist im Kommen. Die Lebendigkeit dieser Musik, das Perlen der Töne, Bezaubernde ihrer Stimmungen - alles fasziniert und nimmt ein. Nichts scheint geplant und arrangiert - und doch wirkt alles folgerichtig und wie einer höheren Eingebung entsprungen. Alles ist im Fluß, alles bewegt sich. Und hier, genau an diesem Punkt, waltet das Geheimnis dieser Musik: Jede Bewegung entspringt allein aus der Ruhe! Wie immer die Musik auch strömt, pulsiert, sich ändert und wandelt; all die unterschiedlichsten Gefühlsregungen, die feinen Schattierungen ihres Innenlebens: - hören wir genau hin, dann vernehmen wir in der Tiefe, dort, wo sie ihren Ursprung hat - eine wunderbare Ruhe! Und das war all die Mühe, all die Anstrengung wert: dafür haben wir uns der reinigenden Wirkung des Fegefeuers ausgesetzt: - nur um diese Ruhe zu finden. Sie ist das Licht, das uns in der Dunkelheit leuchtet...



But if it gets to you
And you feel like you just can't go on
All you gotta do
Is ring a bell
Step right up, and step right up and step right up
Just like a ballerina
Stepping lightly



Das Album schließt mit den elegischen Klängen des Liedes "Slim Slow Slider" , - ja, es ist vom Sterben die Rede. Wie? Versagt etwa die Kraft der Wiedergeburt? War alles denn nur Illusion? - Aber nein! Transzendenz ist möglich - aber nur dann, wenn wir uns bewußt auf die Seite des Lebens schlagen. Wir müssen leben wollen! Wir müssen die Kraft finden, uns der Fesseln der materiellen Welt zu entledigen: dann, und nur dann! werden wir den Tod besiegen ...
Van Morrison läßt das letzte Lied dieses Albums fast abrupt enden. Wo nur ist der Fluß der Wiedergeburt hin? Ist er etwa plötzlich versiegt ...?




Zwischenspiel: Um es im Klartext zu sagen...



Als das Album "Astral Weeks" im November 1968 erschien, wußte die Schallplattenfirma damit nichts anzufangen, und setzte sich dementsprechend für dieses Werk in keinster Weise ein. Weder erkannte sie die künstlerische Größe dieses Albums, noch war sie an einem kommerziellen Erfolg interessiert. Vierzig Jahre sind seitdem vergangen - längst hat das Album Kultstatus erreicht -, dennoch konnte sich niemand bis heute dazu entschließen, dieses Meisterwerk in digital remasterter Form wiederzuveröffentlichen. Und das in einer Zeit, in der jeder vertonte Furz in einer Deluxe-Edition erscheint! Freunde der Nacht: Ihr solltet euch schämen. Eine Musikbranche, die offensichtlich selbst nicht einmal mehr um den Grund ihres Bestehens weiß, hat das Recht verloren, weiterhin zu existieren.
Wer sich Kritiken zu dem Album einmal durchgelesen hat, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. In ausschweifenden Floskeln äußert man sich zu allem, schwafelt über Nichtigkeiten - und sagt nichts. Man hat es bis heute nicht für nötig gehalten, sich überhaupt mit diesem Album wirklich zu beschäftigen, sprich: es aufmerksam zu hören. Die meisten Kritiker handelten offensichtlich nach dem Motto: Ich weiß nicht, was mir dieses Album sagen will, - aber es klingt progressiv: und dann muß es wohl gut sein. Keinem von ihnen ist aufgefallen, daß es sich bei "Astral Weeks" um ein Konzept-Album handelt, denn niemand hat den roten Faden der Transzendenz, der sich durch alle Lieder dieses Albums zieht, erkannt. Es ist wohl nicht zuviel verlangt - sondern sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein! -, daß ein Kritiker sich ernsthaft mit einem Musikwerk auseinandersetzt. Wenn aber Kritiken nur noch ohne Sinn und Verstand am Fließband geschrieben werden, - dann sind Kritiker überflüßig.
Und das Verhalten der Musikhörer? Leider muß festgestellt werden: "Astral Weeks" war kein kommerzieller Erfolg. Das Album benötigte 33 Jahre, um mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet zu werden. Das ist eine Schande. Eines der besten Alben aller Zeiten - ein Flop. Wenn die Musikbranche, wenn Kritiker und Musikhörer nicht mehr an guter Musik interessiert sind, dann darf sich auch niemand darüber wundern, daß der Musikmarkt zusammenbricht...



... nein, der Fluß der Wiedergeburt ist nicht versiegt. Verstrickt in die Alltäglichkeit mögen Menschen ihn vielleicht vergessen, dennoch ist er immer da. Im Verborgenen waltet er, bahnt sich unterirdisch seinen Lauf, folgt unbeirrt seinem eigenen Wesen, um dann, wenn wir es am wenigsten erwarten, plötzlich wieder zutagezutreten. Genau vierzig Jahre nach Veröffentlichung des Albums "Astral Weeks" hat Van Morrison das gesamte Werk zum ersten Male live im Konzert aufgeführt. Vierzig Jahre - das ist eine lange Zeit! Manches hat sich da verändert. Aber schon mit den ersten Tönen, mit dem Einsetzen seiner Stimme wird deutlich, daß die wunderbaren Kompositionen dieses einzigartigen Meisterwerkes nichts von ihrem Zauber verloren haben. Wir, die wir es schon immer in unserem Herzen gewußt haben, sind darüber nicht verwundert...









(Note: This translation is only an attempt, limited by the translators personal abilities, but more than this limited by the impossibility to transpose any content easily into another language. There will always be a lack of some deeper meaning.)


To blurt it out immediately and to call a spade a spade: This music is a purgatory! - It purifies, cleans, fathoms ... it separates the wheat from the chaff. Careless splashing in shallow feelings is out of place. In the consequence this album just directs towards the few, the brave, the really searching people ... towards those listeners who even have ears behind their ears, those listeners who are sensitive enough to hear even the sounds of silence ... This music doesn't want just to be heard - no, it wants to be lived! What? - Music has something to do with life? is sounding longing? is tuned pain? Good gracious! it would even mean to be a really earnest thing so?! But what is it about then in this music? - It's about more, more ... much, much more ... about everything! And that's why it is so important that we leave us to the purgatory of this music, that we really feel the burning pain of longing. Boldly we will dare to enter in this maze of feelings and dreams - even at the risk of perhaps getting lost in there. Let us be hopefully confident of the cleaning power of the purgatory ... And when all the suffering is suffered, when we almost believe to be unable to stand it any moment longer, then, yes then we will behold this mysterious far away radiation, that light in the darkness, which shines us and gives us an inkling of the meaning of life ...



Could you find me?
Would you kiss-a my eyes?
to lay me down
in silence easy
to be born again
to be born again
to be born again
in another world
in another world
in another time...
Ain't nothing but a stranger in this world
I'm nothing but a stranger in this world
I got a home on high
in another land
so far away
so far away



What on earth could ever happen to us? - ... it's just music ... ! But before we can say Jack Robinson the ground under our feet begins to sway. Stop! What is ...? No! No! ... I feel as if ... - Hands grasp into the void. We get out of our depth. We cannot stop this landslide any longer! And already we dive ... dive into the river of rebirth. All at once we are might-, are helpless, are surrounded by its currents. Without any shelter we are extradited to it. - Rescue ...? - Fool that you are! Don't try to defend against it! Don't you feel it? -: the river is your home! Here, - here, where you no longer feel the ground under your feet, here, where your hand grasps into the void - here, here, here ... only here you can find yourself. But be warned: Those who fight against the river: will be killed by it! Don't try to go ashore ... let yourself drift, simply drift, let ... let ... just drift ... You need to trust in this river, you need to really want it - with all of your desire, your love, your distress ... stronger, more and more ... until you are a part of the river itself ... How long is it ago? I feel as ... just only ... a moment ... ago ... - Forget the time! Yesterday is tomorrow already today. Tomorrow you are where you could have been yesterday. But now you're here - in the river! Do you feel its pulse? Can you feel it - the pulse? ... the pulse of the river ... feel, feel ...? Breathe calmly, very calmly ... always in the rhythm of the pulse ... because the pulse of the river is your own time ... Every moment reflects eternity - and eternity is only a moment that never passes ... pass ... pass ... pass ... forever ... What is ...? - Why am I ... here? - Where will I ...?



And I'll stand beside you
to never never never wonder why at all
no no no no no no no no
to never never wonder why at all
to never never never wonder why it's gotta be
it has to be



Everything is in flux! And the river - it lives, moves, brings out ... In it you will be born; you will be re-born. Dive deep into its waters, be confident - and you'll be different! The accustomed dissolves, disintegrating from the solidification. Everything is in the making, everything even just approaches to you. Even you yourself, yes you! you even just approach to you yourself ... for you are the future. And you will become who you ever are ever are ever are from the beginning to the end. Everything is in flux - and starts to become complete ...
Where to only will you drift? Where to only will the river force its way? - It aims to the sea of overcoming! Everything is in flux, nothing is like it was until then. Overcome you will ... overcome ... overcome ... you in the river will ... overcome ... memory, all the tears of your pain, blind desire full of greed, your restless to and fro ... youryouryour ... everything you will overcome ... everything ... even space and time! Overcome you will ... you, you drifting in the river ... out to the sea of overcoming ...



And I will not remember
That I even felt the pain
We shall walk and talk
In gardens all misty and wet with rain
And I will never never never
Grow so old again




The music flows - and up from the depth of this river the melodies swell. The music river striving to the sea of overcoming forces its way unswervingly through the landscape along the meadows and fields, through the rugged terrain of the soul; touching the heights and valleys of emotions. And every stone at its banks tells: once upon a time! Nothing is forgotten! No no no no! Van Morrison doesn't get tired to bring out everything again, again and again, which threatens to sink into the fountain of oblivion! Every story, every emotion, every nuance of moods; images are awakening and dancing in a round. Names appear and are brought to life. The music flows. And this river is the source of pain. It gathers everything. Everything has its meaning, everything has its necessity. Nothing may fall into oblivion. Death is only when no one remembers. If nothing is at stake, then life has lost. Therefore it's such important to keep on singing the melodies of the river again. For it is only through the voice of the singer which enables the river to make its secret being heard. - Van Morrison's voice eats itself into the soul of the listener. We do not simply hear a mere singing, no, this special singing is sounding mood, is ringing pain. He fights, he wrestles, he relives the memories; he snatches all the emotions from the power of oblivion, going through the purgatory of pain, aware of its neccesity; further he goes, further, deeper and deeper. How bitter the truth, how painful every experience may be ... he holds the ground, he won't give up, stays on his way ...


My tongue gets tied
Every every every time I try to speak
My tongue gets tied
Everytime I try to speak
And my inside shakes just like a leaf on a tree



Right with the first notes we become dragged into the slipstream of the currents. Before we'll know we already are on our way to rebirth. Amidst the everflowing river of life we get stationary, because the music draws us into its spell, we simply can not let go. Who's surprised? - Van Morrison is an Irish-man. He is the son of a sorely tried, proud people. And the music that springs from the Irish soul is the music of dance and longing. A cold, detached intellect is alien to her. Pure feeling, lived mood, burning desire, a pulsating heart - and the peering out to the horizon: this is what here comes to our ears. And you simply can not resist this lively honesty. And indeed, yes, this music is also so exciting and interesting because it still remembers these elements of folk, blues and jazz. All this together makes it a unique masterpiece which misses its equals. The choice of musicians to stand by Van Morrison is a single stroke of luck. They come from the jazz music, that sort of music which just unites it all in every note, which recognizes the joy within the pain - and nevertheless also that the joy aches. The music of the river requires freedom. Freedom is by no means to be considered as a personal ego-trip, but as the openness to what still has just to approach to someone. Therefore we often get the impression when listening to this album that the musicians were not simply playing their instruments, but they seem to - tune them up ... Indeed! - they tune themselves up to the music ... In vain do we search for any rigid structure: everything is in flux, in the making, is on the rise. The liveliness of this music, the trickling notes, charming of their moods - everything fascinates and attracts. Nothing seems planned and constructed - and yet everything seems consistent and like arisen from a higher inspiration. Everything is in flux, everything is moving. And here, precisely at this point, the secret of this music does grant it: Every movement (e-motion) arises solely from its rest! However the music may flow, may pulse, may change and turn, all the different emotions, the subtle nuances of its inside: - if we listen closely, then we perceive in its depths, where it originates - a wonderful tranquility! And that was all the effort, all the troubles worth: therefore we have left us to the cleaning effect of purgatory - only to find this restful peace. This is the light, which shines within the darkness ...



But if it gets to you
And you feel like you just can't go on
All you gotta do
Is ring a bell
Step right up, and step right up and step right up
Just like a ballerina
Stepping lightly




The album closes with the elegiac tones of the song "Slim Slow Slider", - indeed, it is talking of death. What's this? Does the power of rebirth finally fail? Everything was just an illusion? - But no! Transcendence is possible - but only if we are willing to side with life itself. We must want to be alive! We must find the strength to get rid of the fetters of the material world: then, and only then! we will defeat the death ...
Van Morrison lets the last song of this album almost abrupt end. Where only to is the river of rebirth gone? Might be dried up all of a sudden, perhaps ...?



Interlude: To put it in plain language ...



When the album "Astral Weeks" was published in November 1968, the record company didn't know what to make of it, and accordingly to this their support for this work became next to nothing. Neither did they notice the artistic greatness of this album, nor were they able to imagine any commercial success of it. Forty years have passed since then - the album has achieved a worldwide cult status a long while ago - but still till to this very day nobody feels obliged to republish this masterpiece in a digitally remastered form. This happens in an era in which each fart set to music is released in its own Deluxe Edition! Fellows of the night: You should feel ashamed. A music industry which is obviously completely unaware about the original reason of its own existence has lost its inner right to continue to exist.
Who reads through the numberless reviews of this album can't stop being astonished. In prolix phrases they express themselves to each and everything, gasing over shallow trivialities - to say nothing at all. It is still not deemed necessary to really engage in this album, let's say: to listen to it carefully. Most critics apparently acted under the motto: I do not know what this album tries to tell me, - but it sounds progressive: so it can't be that bad. None of them ever has noticed that "Astral Weeks" is a concept album, because nobody detected the red thread of transcendence which runs through all the songs on this album. It is probably not too much to ask - but should really go without saying! - that a critic might engage in a work of music with seriousness. If reviews are written without sense and reason, but on the assembly line - then the critics are more than unnecessary.
And what about the behavior of music listeners? Unfortunately it must be stated: "Astral Weeks" was not a commercial success. The album needed 33 years to become awarded with a golden record. Such a shame! One of the best albums of all times - a flop. If the music industry, if critics and music listeners are no longer interested in good music, then no one should be surprised that the music market finally collapses ...



... no, the river of rebirth is not dried up. Entangled in the everyday's life people may perhaps forget him, but he is still always there. He reigns in secret, forces his way underground, follows his own nature unwaveringly, and then when we least expect it, suddenly he comes to light again. Precisely forty years after the publication of the album "Astral Weeks" Van Morrison has staged for the very first time with the complete work in a live concert. Forty years - that's a long time! Much has changed since. But even with the first tones, with the entry of his voice, it is clear that the wonderful compositions of this unique masterpiece have none lost of their magic. We who always knew about this in our hearts, are not surprised ...








Stevie Wonder "Songs In The Key Of Life"





(We've tried a translation downwards. Please feel free to critizise whatever you like.)





Ein beschwörender A-Cappella-Chor, der aus dem Dunkel der sich verschließenden Erde zu kommen scheint, stimmt uns auf die Lieder in der Tonart des Lebens ein. Genau um Mitternacht, an der Grenzscheide zwischen Tag und Nacht, dort, wo die Entscheidung zwischen Dunkelheit und erlösendem Licht stattfindet, trifft uns die wohl schockierendste aller Nachrichten: Die Liebe selbst ist in ihrem Wesen gefährdet. Haß hat sich der Herzen der Menschen bemächtigt; das Böse ist auf dem Vormarsch zur alleinigen Herrschaft. Jetzt, wo der Mensch in der Gefahr steht, sein eigenes Wesen zu verlieren, hier an diesem Punkt, wo zwischen freier Bestimmung und unwürdiger Knechtschaft entschieden wird, gilt es zu handeln. Wer glaubt, etwas auf die lange Bank schieben zu können, ist sich des eigentlichen Notstands nicht bewußt. Die Zeit drängt.
Während der Chor die erschreckende Nachricht mit beängstigender Monotonie immer wiederholt, muß die Bedrohung, muß der Angriff auf das Leben am eigenen Leibe erfahren werden, muß in Fleisch und Blut übergehen, muß erlebt und erlitten werden. Genau dieses Durchstimmtsein führt uns Stevie Wonder mit Hilfe seiner Sing-Stimme eindringlich vor. Stets aufs neue holt er das Faktum hervor, durchfühlt, durchlebt und steigert es, bis es der Worte nicht mehr bedarf, bis er selbst zu einem Teil des Geheimnisses geworden ist, das in der bergenden Erde seine Heimat hat. Mit der flehenden Bitte "Just give the world love" taucht er ein in den Ursprung des Geheimnisse selbst. "Love's in need of love today" ist gleichsam Stevie Wonders Ur-Kunde, die sich durch alle seine Lieder zieht. Kaum ist der letzte Ton dieses Liedes verklungen, da sind wir schon umgeben von einem mysteriösen, fremdartig anmutenden Klanggebilde, das an das Innenleben einer Maschine erinnert. Kalt ist einem zumute; hier, wo nichts vertraut scheint, wo nur undefinierbares Puckern, Tönen und Blubbern zu vernehmen ist, stellt sich ein Gefühl der Machtlosigkeit, des Verlorenseins ein. Woran sollen wir uns orientieren? Wo Hilfe und Erlösung finden? An wen können wir uns wenden? Stevie Wonder weist uns den Weg: So wie es ohne Nacht keinen Tag gibt, wie ohne ein Unten kein Oben zu denken ist, genausowenig sind wir Menschen, die Sterblichen, denkbar ohne die Unsterblichen, ohne Gott. Nein, Stevie Wonder spricht hier nicht von einem bloßen Glauben und schon gar nicht von einem konfessionell gebundenen Glauben. Er geht weit darüber hinaus: Hier dreht es sich um die Erfahrbarkeit Gottes, dreht sich um das aufeinander Bezogensein von Mensch und Gott. Und wenn er davon singt, Gott könne die Probleme aller Menschen lösen, so spricht er hier keineswegs von der kleinlichen Befriedigung egoistischer Bedürfnisse, sondern von weit Größerem. Hier gilt es, daß der Mensch nur durch Gott in sein eigenes Wesen gelangen kann. "Have a talk with God" schließt mit einer Danksagung. Hier handelt es sich allerdings nicht nur um eine artige Höflichkeitsfloskel, sondern der Dank rührt aus der tiefen Erfahrung, daß man Gott sein eigenes Wesen verdankt. Dies ist aber nur zu vernehmen, wenn man sich für die wesentlichen Bezüge des menschlichen Seins öffnet und frei wird für eine Erfahrung mit Gott.
Dieses Werk gönnt uns keine Atempause. Waren wir gerade noch in himmlische Sphären entführt, so schleudert es uns im nächsten Augenblick auf den harten Boden irdischer Gottlosigkeit. Wo die Gesellschaft sich längst von ihrem Wesen verabschiedet hat und sich hohnlachend im eigenen Zynismus suhlt; wo man gerne ausgrenzt und sich distanziert; wo man die Augen verschließt vor den himmelschreienden Ungerechtigkeiten und beim Anblick leidender, hungernder und gepeinigter Menschen bestenfalls nur noch denkt: "Tja, selber schuld" - da entstehen Ghettos! Sie sind das sichtbare Zeichen einer gefühlosen, verrohten Gesellschaft, die jeden wirklichen Lebensbezug verloren hat und nicht mehr zu unterscheiden weiß zwischen Recht und Unrecht. - Während der rein musikalische Bereich der Komposition "Village Ghetto Land" das Gefühl des 17ten Jahrhunderts vermittelt und durch das klassisch anmutende Arrangement einfach betört, steht dem schroff die sich an der Realität messende Lyrik mit ihrer schonungslosen Offenheit gegenüber, so daß man angesichts dessen nicht weiß, ob man weinen oder lachen soll, besser: Das Lachen bleibt einem im Halse stecken!

Wovon sprechen wir hier überhaupt? Etwa von nichtssagenden, billigen Pop-Liedchen, mit denen man abgestumpfte Unterhaltungssüchtige einlullt? Nein, weit gefehlt! Hier geht es um wesentlich mehr. Als im Oktober 1976 "Songs In The Key Of Life" als Doppel-Album plus beigefügter EP erschien, lag damit das mit Abstand beste Album der populären Musik vor. "Lieder in der Tonart des Lebens" - das war durchaus kein beliebiger, zufälliger Titel, nein, dieser Titel war Programm, war Inhalt, ja war der Schlüssel zum Verständnis dieses einzigartigen Meisterwerkes. Zum ersten und bisher einzigen Mal wurden in der populären Musik die wesentlichen Bezüge des Lebens zueinander gefügt und brachten sich tönend zu Gehör. Aus diesem Grund reihen sich die einzelnen Lieder ohne Zwischenpausen aneinander, sind somit dicht gefügt, untrennbar miteinander verbunden, aufeinander bezogen - und doch wohl voneinander geschieden. Jedes Lied offenbart einen wesentlichen Bereich des Lebens; Belangloses findet hier keinen Platz, Nichtigkeiten werden nicht berücksichtigt: Stevie Wonder ist einem Geheimnis auf der Spur, und mit jedem weiteren Lied dringt er tiefer ein, stößt in wesentliche Entscheidungsräume vor und rückt damit dem Geheimnis immer näher. Doch hier gilt es nicht, ein Geheimnis zu lösen, etwas zu enträtseln: vielmehr besteht das Entscheidende darin, das Geheimnis in seinem Wesen zu belassen, es noch geheimnisvoller zu machen. Wenn wir den Liedern in der Tonart des Lebens folgen, begeben wir uns auf eine große Entdeckungsreise: Die Musik offenbart sich uns als Sprache, die von allen Menschen verstanden wird, und wir wünschen uns die Zeit zurück, in der wir staunend vor den Wundern des Lebens standen und selber noch voller Unschuld waren. Dann wieder lernen wir, daß das eigentliche Wesen der Zeit in der Zukunft liegt, in dem, was auf uns zukommt im Erlangen des eigenen Wesens. Plötzlich steht der Schmerz vor uns - fast ungläubig schauen wir seinem Treiben zu, sehen, wie sein Tagwerk darin besteht, zu sammeln, auf den Punkt zu bringen, und erkennen tief in seinem Inneren das Licht der Freude. Wie? War das nicht...? Ja doch! - Kindergeschrei! Ein Neugeborenes hat das Licht der Welt erblickt. Ein Zeichen der Hoffnung in dürftiger Zeit. Hör' doch, wie sich die hohen, spitzen Schreie, wie sein Jauchzen und Juchen sich vollkommen in die Melodie und den Rhythmus des Lebens einfügen. Einklang und Harmonie in Vollendung. Darauf dann eine kalte Dusche: die Ewig-Gestrigen erschrecken uns mit ihren Fratzen, mit ihrem Festhalten an längst überholten Vorurteilen. Nein, pulsierende Lebendigkeit ist ihnen zuwider; an der eigenen Erstarrung krallen sie sich fest, ziehen Mauern - und töten jedes Leben. Zukunft? was ist das? - Sie suchen ihr Heil in der eingefrorenen Leblosigkeit. Da - ein sanfter Hauch des Sommers. Offen zu sein für alles, das Eine im Gegensätzlichen spüren: Gib mir den Winter! Alles hat seine Zeit. Aus meinen Tränen quillt die Freude, und meine Freude lastet schwer. Die Hoffnung bleibt bestehen, weil sie um die eigene Erfüllung weiß. Und am Ende? - da findest du in den Anfang zurück! Wer mit den Liedern in der Tonart des Lebens singt, der ist in sich selbst unterwegs. Und wer es vermag, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, Kurs zu halten, der kehrt nach erfüllter Reise glücklich heim.

Das Album schlug ein wie eine Bombe, es war ein kommerzieller Megaerfolg. In den amerikanischen Charts schoß es von 0 auf 1; auch die ausgekoppelten Singles belegten die Spitzenposition. Die Plattenindustrie verdiente sich eine goldene Nase und lachte sich ins Fäustchen. Im Radio dudelte man die Lieder rauf und runter, Stevie Wonder wurde mit Gold- und Platinplatten überhäuft, und natürlich überschüttete man ihn auch mit den obligatorischen Grammys, natürlich - das war schließlich Ehrensache! Ach ja, dann waren da auch noch die Kritiker, und sie meldeten sich auch zu Wort. Gottseidank brauchten sie keine Angst zu haben, ins Fettnäpfchen zu treten: Bei einem Album, das in den Charts von 0 auf 1 gesprungen war, wußten sie sich auf der sicheren Seite, da lag der Fall klar auf der Hand, die Parole hieß - loben! ganz entschieden loben! Und dann starteten sie durch und faselten etwas von toll und super, streuten Begriffe wie Soul, Funk, Jazz und Rock ein, ergingen sich in Spekulationen über afrikanische Wurzeln, sprachen von einem wegweisenden Werk, segneten es gönnerhaft ab, und wiesen ihm schnell einen Platz in der Liste der Meilenstein-LPs zu. Klappe zu, Affe tot! Ihrer Pflicht und Schuldigkeit waren sie nachgekommen - flugs ging man zur Tagesordnung über. Weit nachhaltiger wirkte das Album in Musikerkreisen, in denen es sehr schnell zum Selbstbedienungsladen avancierte. Billiger konnte man nirgends gute Ideen klauen. Jeder dahergelaufene Straßenköter, der sich als aufgehender Stern am Pop-Himmel sah, johlte in bester Stevie Wonder-Manier und glaubte den Soul zu haben. Rhythmen und Melodien wurden dreist und frech nachgeahmt, ganze Klanggebilde einfach übernommen - und als schöpferische Inspiration deklariert. Wer selber absolut gar nichts konnte, der nahm billigerweise das Original, fügte noch irgendeinen Huddelsound dabei und brachte es als Ich-hol-mir-einen-runter-Mix auf den Markt. Der Normalbürger übte indes verbissen im stillen Kämmerlein, wenigstens einmal in seinem Leben das Wort Ghetto ohne zu stottern über die Lippen zu bringen; waren seine Bemühungen von Erfolg gekrönt, glaubte er den inneren Rassismus überwunden zu haben, und somit konnten ihm die schwatten Plattnasen nichts mehr nachsagen... "Songs In The Key Of Life", diese Perle der Popmusik - sie war vor die Säue gefallen. Die Entscheidung zwischen Dunkelheit und erlösendem Licht war bereits gefallen: Es war alles längst zu spät! Die in ihren eigenen Wahnsinn verstrickte Spaßgesellschaft, die sich brustgeschwellt stets selbst anerkennend auf die Schultern klopft, ließ sich durch nichts und niemand mehr auf ihrem Weg in den Untergang stören. -
Aber, so wird man fragend einwenden, wie soll denn auch ein bloßes Musikwerk es vermögen, das Handeln und Tun der Menschen zu ändern? Findet es seine eigentliche Bestimmung nicht darin, uns zu unterhalten? uns einen ästhetischen Genuß zu verschaffen? Zu mehr ist es doch wohl nicht nütze. Angesichts solcher Einwände ist es vielleicht ratsam zunächst einmal zu fragen: Was ist eigentlich ein Werk? Leicht läßt sich erkennen, daß ein Werk weit mehr ist als ein nur vorhandenes Ding. Ein Werk deutet durch sein Werksein auf Anderes, macht Anderes offenbar - ist Allegorie. Das Musikwerk bringt durch seine Töne etwas Bestimmtes zum Klingen, läßt Anderes erscheinen. Die Lieder in der Tonart des Lebens ertönen durch die Töne selbst. In den Tönen treten sie hervor, kommen ans Licht, und bleiben gleichzeitig in den Tönen verschlossen, sind verborgen. Was, zum Teufel, geschieht da im Werk? Was ist da im Werk am Werk? - Nichts anderes, als die Wahrheit selbst, denn Lichtung und Verbergung sind ihre Wesenszüge. Im Musikwerk, so es denn wirklich Werk ist, ist die Wahrheit am Werk. Aber sind wir Heutigen noch in der Lage, dies zu hören? Haben wir vielleicht schon das wesentliche Hören verlernt? Nehmen wir alles nur noch rein akustisch wahr? Sind wir noch fähig, wirklich zu hören, ja hörig zu sein? Ahnen wir noch, daß wir dem Gehörten selbst zugehören? Daß wir dort in der Wahrheit selbst zum Stehen kommen, Stand gewinnen, auf festen Boden gelangen und in diesem Stand, in dieser Ständigkeit zugleich eine Dauer empfangen, sprich: offen werden für unsere eigentliche Zeit? Je mehr die Töne des Musikwerkes zur Geltung kommen, desto offenbarer wird die Wahrheit selbst. Diejenigen, die nicht einmal mehr um die eigene Not wissen, die die eigene Gefährdung nicht mehr ahnen: - sie erwarten vom Musikwerk nur ein Plätschern in unterhaltenden Belanglosigkeiten, ein dumpfes Betäuben, zielen auf ein bloßes Hörerlebnis. Innerlich längst abgestorben, wollen sie nicht wirklich leben. Nein, heutzutage sind es nur noch Einzelne, die sich auf die Suche machen, die dem Wesen der Wahrheit - und damit dem eigenen Wesen nachspüren. Erinnern wir uns: Aus dem Dunkeln der sich verschließenden Erde, aus der Tiefe der bergenden Nacht bringen die Stimmen des Chores das Geheimnis ans Licht. Es tritt offen hervor, es tagt. Eine ereignisreiche Reise beginnt, die Wahrheit selbst offenbart sich, das Leben bringt sich tönend zu Gehör. Aber wohin nur führt uns die Reise? - Zurück zum Ursprung des Geheimnises. Die Lieder in der Tonart des Lebens verklingen mit dem Instrumentalstück "Easy Goin' Evening (My Mama's Call)". Die Nacht zieht herauf. Das Geheimnis kehrt zurück in den Schoß der sich verschließenden Mutter Erde. In dem dunklen Klanggebilde, wie in einsamer Vereinzelung, eine Mundharmonika. Ruhe und Trauer durchziehen dieses Stück: Eine Ruhe, aus der erst jede Bewegung entspringt, weil jede Bewegung auf ihr beruht; eine Trauer, die nichts von einer herunterziehenden Niedergeschlagenheit hat, sondern einem wissenden Vertrautsein entspringt, das im Zuspruch des Geheimnisses gründet. Die Nacht ist die Mutter des Tages. Sie birgt die stille Bereitung des Kommenden. Und ganz zum Schluß, hören wir richtig? Erklingen da die Töne der Mundharmonika wie losgelöst? heiter? ja geradezu verspielt? Es läßt uns ahnen, daß die scheinbar ungebundene Heiterkeit des Spiels in einem tiefen Ernst gründet: Hier steht Alles, wirklich Alles auf dem Spiel.


Unsere tiefe Verneigung vor diesem Werk, das seinen Meister lobt.




Folgende Alben legen wir euch ebenfalls wärmstens ans Herz. Es sind klingende Stationen auf dem Weg zum Geheimnis:


"Music of my mind"......."Fullfillingness First Final"




"Inner visions".........................."Talking book"





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A conjuring a-cappella-chorus that seems to arise out of the darkness of the inaccessible earth is tuning us for the songs in the key of life. At midnight sharp, at the borderline of day and night where the decision between the darkness and the saving light happens, we're facing the most shocking news of all: Love is in danger of its essential self. Hate has seized the human hearts; the evil is on its march to autocracy. Now that the man is risking his own essence, here where it's being decided either to be under own free property or unworthy slavery, it's necessary to take action. Who supposes to delay it a bit longer isn't conscious about the real state of emergency. Time is running short.
While the chorus repeating on and on this alarming message by scaring monotony, the threat and the attack on the origin of life must be experienced, must become second nature, must be felt by heart and soul. This very tuning mood is performed urgently by Stevie Wonder's lead-vocal. Constantly renewing this fact, feeling, living and increasing it all over, up to no further words being required, up to being a part of the mystery itself which residents in the earth's care. With its urgent beg "Just give the world love" it's diving into the origin of mystery itself. "Love's in need of love today" is the honest account of Stevie Wonder's basic conversation that is roaming through all this songs. No sooner has the last sound died away and already we're surrounded by a mysterious and strange structure of sound, reminding us to the inner life of some machine. Here we feel cold; with everything's looking so unfamiliar in all this undefinable various noise we feel unmighty and lost. Where's a point of reference? Where to find some help and rescue? To whom are we to turn to? Stevie Wonder shows us the way: like there's without a night no day, without a bottom no top, just in the same way there's no human, no mortal, without the immortal, the god. No, Stevie Wonder's not talking about a mere belief and not at all any confessional way of faith. He's past that point of view: It's all about the god's ability to be found, the mutual relationship between each human and the god. When he's singing about God, who's able to solve the problems of all people, he doesn't talk about the narrow-minded satisfaction of some egoistic urge, but about much greater things. Here it's sure to see that a man can reach his own true self only through the god. "Have a talk with God" is closing with a thank-you statement. That's by far not just a well-behaved courtesy phrase, but the thank's caused by the deep insight that it's due to the god to find one's very own. This can only be realized by opening oneself to the essential relations of human being and by freeing the inner sight for the meeting with the god. This work does't allow us a breather. Just having been abducted in heavenly spheres right now, the very next moment catapulting us onto the hard ground of earthly ungodliness. Where the society already has said goodbye to its essence, sneeringly wallowing in its own cynicism; where it's liked excluding and keeping one's distance; where the eyes are locked concerning the outrageous injustices, and at sight of suffering, starving and pained people the minds are at best: "Well, the blame's on yourself" - there the ghettos come into being! They are the visible signs of an insensitive and brutalized society, that has lost each true vital reality, absolutely unable to differ the right side from the wrong. - While the pure musical aspect of the composition "Village Ghetto Land" finds us a feeling of the 17th century bewitching us with its classical doing of the arrangement, there's a glaring contrast to its lyrics taken from the facts of reality in the manner of merciless frankness, so facing this we do no longer know either we are to cry or to laugh, or better: The laughing gets stucked in one's throat!

What are we talking about here? Is it just an empty, cheap little pop-song to lull some blunted entertainment addicts? No, not at all by far! It's about much more important things. When "Songs In The Key Of Life" was published in October 1976 as a double-album plus an enclosed EP it happened as the best pop-album ever at all. "Songs in the key of life" - that wasn't just any title by chance, no, this title was programm, was content, and even the key to the insight of this unique masterpiece. For the very first and the last time so far in popular music all essential relations of life were joined together with making themselves heard by sounding. For this reason the different songs are stringed together without any space between, jointed closely to each other, inseparable tied together, matching one another - but also well differed from each other. Each individual song shares its special part of essence with us; unimportant terms never find in here, being unconcerned with trivialities: Stevie Wonder is on the trail of a secret, and with each song he reaches deeper into its ground, venturing into the essential areas of decision and thus narrowing the distance to it. But here the secret hasn't simply to be solved or unraveled: the decisive thing within is to free the mystery for its very own, to make it grow taller and taller, to let the mystery be mysterious. By following the songs in the key of life we're on an immense journey of discovery: Music is revealing itself as the language able to be seen by everyone, and we're wishing back those days of our time, when we stood astonished by the wonders of life, being filled up with pure innocence. Next we're learning to realize, that the true ground of time is lying in front of us, in the future, already coming to us by catching our own essence. Suddenly we're facing the pain - regarding its weird work almost with disbelief, watching it within its daily efforts of gathering and focusing, disclosing the light of pleasure deeply treasured in its ground. What's that? It seems to be ...? But yes! - Babycry! A newborn child has come to see the light. A sign of hope in meager days. Just come listen to how the high and sharp cries, its shout for joy and its squeaky delight are perfectly fitting in with the melody and with the rhythm of life. It's a finish of conciliation and harmony. Then we're brought down to earth with a bump: those ones ever being of yesterday, frightening us with their mugs and with their glueing to outdated prejustices. Indeed, pulsating liveliness is detestable to them; they're clinging to their own numbness, building walls - and killing everything alive. Future? what's that? - They're searching their luck within frozen inanimation. Look - a soft touch of summer. Being open-minded to all, feeling the unison within the differences: Spend me the winter! Everything is within its own time. From my tears the joy is rising with my delight weighing heavily on me. The hope stays green forever, for she knows all about her own coming true. And in the end? - you find back into the beginning! Each one who's singing with the songs in the key of life is always on an inner move. And who's able to keep sight of the goal, to hold on to the course, this one returns home happy when the trip has been fulfilled.

The album caused a sensation by becoming an absolute money-spinner. In the US-charts it was shooting from 0 to 1; the singles became top-placed, too. The record industry made a mega profit on it while laughing up its sleeve. The songs were all day long on the air, repeated over and over again, Stevie Wonder was swamped with gold and platinum, and of course burried under a mountain of obligatory Grammies, naturally - for that's a matter of honour after all! Oh yes, and all the critics around, who had to do some hard work. Thank God, they didn't have to worry about puting one's foot in it: With an album having jumped from 0 to 1 they stood on safe ground, that was a sure thing, the password - praising! categorically praising! And all of a sudden they accelerated with some drivel like cool and super, interspersing it with some terms like Soul, Funk, Jazz and Rock, always being busy in speculations on african roots, talking about it as a ground-breaking work, giving their patronizing blessing to it, and assigning it to the list of musical milestones. Cut. Next one! They did performe their duty - then they proceeded to the order of the day in a hurry. The album had a much more lasting effect within the wider circles of musicians, where it was welcomed very quickly as a kind of self-service-shop. Find me a better place to steal some good ideas. From now on any streetdog which happens along, regarding himself as the morning star of Pop's heaven, was yelling his caricatured Stevie-Wonder-feeling, convinced that he's got the Soul. The rhythms and melodies were imitated, in an impertinent and cheeky manner, some structures of sound were simply taken over as a whole - and were declared to be a creative inspiration. Who didn't know to do a single thing at all of his own, those just took the original, adding any sloppy sound on it and publishing it as the newest masturbator-fuck-you-mix. Meanwhile Mr. Average did practise grimly in his quiet room to stumble through the word ghetto; having been successful in doing it, he truely believed having got overcome his inner racism, so the black flat-noses weren't able to say anything of him ... "Songs In The Key Of Life", this pearl of pop-music - it has been casted before swine. The decision between darkness and the rescuing light had been settled before this: It was too late long ago! With the amusement society being intertwined in its own ways of insanity, while keeping on to slap its own back with appreciation, absolutely unwilling to be stopped by anyone or anything on its way of sinking. -
But, you may interrupt doubtfully, how's a simple work of pop to be able to change the way of people's thoughts and acts? Isn't it actually made for easy listening? to spend some aesthetical pleasures? Or is there any other profit within? It's very easy to find a musical work to be much more but just another existing thing like any other. As a work of art it points at some different, lightening and opening it - it's an allegory. An opus is linking to something special with its sounds and notes, bringing it out. The songs in the key of life are appearing through the notes themselves. Within the notes they're stepping out, coming to light, whereas staying locked in these notes as well, being hidden in them. Hell's teeth! What's happening in there? What's working within a work? - Nothing else but the truth itself, for the covering and discovering, the disclosing and enclosing are its essential characteristic traits. If an opus truely is an work of art, then the truth's on work. But are we all, the people of nowadays, still able to hear this? Haven't we almost unlearned the substantial hearing? Don't we take it all as a matter of acoustics? Are we realy owners of our hearing even as not owing it to ourselves? Do we still sense the fact of belonging to obedience? For being stopped and standing firm by and in the truth, holding our ground, steadily resting on it and within its constancy receiving own steadiness, better say: facing our essential durability and time? The more the sounds and the notes of the opus are shown to advantage, the more the truth's revealing itself. Those ones who aren't even knowing their own need, the endangering of their own true self: - they're only waiting for some ripples of amusing insignificance, a deafening narcotic, aiming to a blind acoustic event. Being dead inside they aren't willing to get alive in the true sense of meaning. No, today only a few are perseveringly on the search of truth's nature - and with it to their own true self. Let's remember again: Out of the treasuring Earth's dark, keeping the bottom of Night's dark ever, the choir's voices enclose us in Mystery. It rises up, it's daybreak. An eventful journey begins, the Truth reveals itself, Life itself starts sounding in its grounds. But where is this journey leading to? - Back to the origins of the mystery. The songs in the key of life die away with the instrumental "Easy Goin' Evening (My Mama's Call)". The night draws near. The mystery returns back into mother Earth's treasuring bosom. In between this warm toned sound, like being isolated, a harp's play. A sensitive calm is roaming through this song: That calm originally sets free each way of motion, for emotions are resting in its ground; that kind of sensitivity isn't common to the depressing feeling of dejection, but with a very special mood of melancholy which is anchored in the mystery's inner dialogue. The Night is the mother of Day. She holds the silent willing of rising. And in the very end, do we catch it right with our senses? Isn't the harp's play sounding like been brightened then? cheerful? next to playfulness? It makes us touchable, that the high spirit of freed serenity plays on the ground of greater seriousness: Here does everything, realy everything come into play.


Our deep bow to this opus, which praises its master.



The following albums are also layed to your hearts with warmth. Each one a sounding step on the mystery's walk:



"Music of my mind"......."Fullfillingness First Final"



"Inner visions".........................."Talking book"



(For this is our own translation, it's maybe failing sometimes. We would like you to discover all wrong done in it. Thank you very much, indeed! Also for having read so far.)


21. April 2009

Klaus Hoffmann - Der träumende Wein / The dreaming wine






Klaus Hoffmann



"Mein ist nur der Sonnenschein.
Was ich habe, was ich bin,
das ist längst vollbracht..."



Klaus Hoffmann, seine Lieder - das ist wie ein guter, vollmundiger Wein, der an den sonnenbeschienenen Hängen des Zauberbergs gereift ist. Dort, in jenem geheimnisvollen Niemandsland, wo die Natur noch unberührt: - wo sie noch Kind ist. Nein, dies ist kein billiger Tafelwein, mit dem man nur gedankenverloren seinen Durst löscht. Beileibe nicht! Diesen edlen Tropfen soll man mit Andacht genießen. Schon das Bukett betört: Da steigt eine alte Sehnsucht auf, und längst vergessene Träume beginnen wieder aufzuleben. Mir ist doch so... Ja, ich weiß es noch, ich kann es wieder fühlen! Nichts, nichts ist vergessen, in meiner Seele hat es sich bewahrt:



"Ich liebte,
ich liebte einmal wie ein Kind;
so grenzenlos und ohne Angst,
wie Kinder eben sind.
Ich konnte fliegen bis zum Wolkenrand,
ich verwandelte den Tag,
ich liebte mit jedem Flügelschlag,
mit jedem Flügelschlag..."



O wie tief und komplex dieses Aroma ist: Seine Zauberkraft nährt die Hoffnung auf Erfüllung. Wir ahnen seine Herkunft, wissen um jene geheimnisvolle Macht, die diesen Wein hat reifen lassen.
Ein andächtiges Zögern, vorsichtig, erwartungsvoll - dann endlich nehmen wir den ersten Schluck, kosten verzückt diesen reifen starken Wein - und mit einem Mal nimmt es uns die Schwerter aus der Hand: Ein wohltuender Strom von Selbstvertrauen und Offenheit durchzieht uns. Die Mauern unserer Eitelkeit - sie stürzen zu Boden; all die Grenzen, die wir selbst um uns errichtet haben - mit einem Male sind sie aufgelöst: Weite! Endlich Weite! Wie lange haben wir sie entbehrt! Wie sehr haben wir uns nach einem fernen Horizont gesehnt! - Und wir ertappen uns dabei, wie wir leise flüstern: "Ich habe einen Traum!" - Ist dies alles nur ein Schwindel? Sind wir einer Illusion erlegen? Oh nein - der Wein selbst träumt! Und sein Traum gibt uns Kraft, macht uns Mut:



"Etwas in dir wird dich tragen,
wenn du glaubst zu schwer zu sein.
Etwas läßt dir Flügel schlagen,
wenn du trudelst wie ein Stein..."



Die verheißungsvolle Macht des Weines erfüllt uns, breitet sich aus wie die grenzenlose Weite des offenen Meeres. Mit jedem Schluck mehr tauchen wir tiefer ein. Wo sind wir? Was geschieht mit uns? Verlieren wir den Boden unter den Füßen? Werden wir ... versinken? - Aber nein! Im Meer dieses Traumes finden wir sicheren Halt. Inmitten seiner endlosen Tiefe werden wir selber zu einer Insel:



"Zitternd stehst du da und taumelst,
deine Füße suchen Halt;
und die Angst sagt dir,
es kann auch Treibsand sein.
Doch ein paar Schritte noch,
und dann kehrst du heim -
da wird eine Insel sein..."



Ich kann wieder lieben ohne Grund, und ich kann staunen ohne Sinn. Anfang und Ende - sie sind vereint. Tiefe Wahrheit ruht im Wein. Das Leben: - ein Traum! Ein Traum, der gelebt sein will. . . - Wir reichen bis hinauf zum Wolkenrand. Sieh doch! - ich reite sogar den Wind! All die Menschenhamster, die Gräbenzieher, die Wächter mit dem Feuerschwert - sie werden mich nicht finden! Da unterm Busch, da bin ich weg: - und davon wissen nur die Linden!
Der Wein - er träumt; und sein Traum singt sich uns in immer neuen Melodien zu. Tief dringen sie ein in unser Herz und verzaubern uns. In uns selbst erklingt das ewige Lied des Traumes. Versonnen summen wir es mit. In seiner Melodie können wir unseren Stern am Himmel sehen und haben plötzlich - leichte Füße! Denn alle Kinder dieser Erde wollen sich nur mit der Erde drehen. Auf ihrer Insel im Meer des Traumes tanzen sie zum Rhythmus des Lebens.



"Zusammen
sind wir nicht allein;
werden eine Insel sein,
die dich schützt und die dich hegt;
sind der Boden, der dich weiter trägt.
Zusammen
einzeln und frei
wirst du diese Insel sein;
wirst sie finden, wirst sie lieben,
wirst dann ganz bei dir zu Hause sein..."



Im Licht des Traumes offenbart sich uns das Leben. Der Traum und wir, die Träumenden, gehören zueinander. Aber singen wir noch wirklich unsere Lieder? - Zweifel sind da angebracht! Kalt ist unsere Zeit geworden: Wir tragen ein Lächeln, das nichts sagt; wir haben versteinerte Herzen. - Gibt es den alten Traum nicht mehr? - Oh doch! Der Traum, er lebt. Er kann nicht sterben. Wenn sich keine Träumenden finden, dann ruht er nur - dann herrscht die Nacht des Traumes. Sie allein verwahrt das Geheimnis des Möglichen, des Kommenden - und sie wartet auf die Dämmerung des Tages, harrt sehnsuchtsvoll den Träumenden entgegen:



"Was ist es, das wie Schnee vom Himmel fällt,
dies Lachen, das mir meine Nacht erhellt?
Gesichter kommen, Bilder, die ich mag,
Jahre seh ich wie ein Tag...

Was ist es, das mir heute Nacht erzählt,
du hättest mir so lange schon gefehlt.
Hab ich dich in der Eile übersehn?
Was gibt es zu verstehn?

Sternenstaub
fällt in mein Herz
Sternenstaub
fällt in mein Herz..."



Klaus Hoffmann und die Liebhaber seiner Musik: - das ist eine verschworene Gemeinschaft! Sie haben einander gesucht, und sie haben sich gefunden. Der Traum selbst schweißt sie zusammen, führt sie stets aufs neue zu ihrer gemeinsamen Insel.
Diesen Sänger und Poeten auf der Bühne zu erleben - ja, das ist ein ganz besonderes Ereignis. Da herrscht eine vertraute Stimmung; da ist man unter sich; da taucht man ein in den gemeinsamen Traum - und beginnt zu leben! Der Wein, dieser edle Tropfen, er füllt sich uns selbst ins Glas und wird zum Jungbrunnen.
Niemand vermag den Traum zu erklären. Aber Klaus Hoffmann hält die Erinnerungen an diesen Traum wach. Und das ist gut so! Schon dafür allein müssen wir ihm danken.



"Die einen suchen,
die andern sehen;
die einen bleiben,
die andern gehn;
doch alte Wünsche, ich seh's dir an,
gehn nicht verloren, die bleiben lang.
Kinder erkennen sich am Gang..."



Wir freuen uns schon sehr auf Dein nächstes Konzert ...
Alles Liebe
Bernd & Petra





Weitere Schätze:


"Da wird eine Insel sein" ........."Insellieder"


"Sänger"................................. "Erzählungen"


"Von dieser Welt" ................. "Spirit"






Klaus Hoffmann





"Mine is only the sunshine.
What I have, what I am,
this is for a long time achieved..."



Klaus Hoffmann, his songs - this is like a good, wholehearted wine, that has matured on the solar-shone slopes of the magic mountain. There, in that mysterious no-man's-land, where the nature still unchanged: - where it still child is. No, this is no cheap table wine with which one only extinguishes lost in thought his thirst. Certainly not! One is supposed to enjoy this noble drop with devotion. Already the bouquet bewitches: There an old one longing rises on, and longest forgotten dreams begin to revive. To me is however, thus... Yes, I know it still, I can feel it again! Nothing, nothing is forgotten, in my soul it preserved itself:



"I loved,
I loved once like a child,
so boundless and without fear,
just as children are.
I could fly up to the cloud edge,
I transformed the day,
I loved with every wingbeat,
with every wingbeat..."



O how deep and in a complex way this flavor is: Its magic strength nourishes the hope for fulfillment. We sense its origin, know about that mysterious power, that this wine made mature.
A devout hesitation, expectantly, cautiously - then, at last, we take the first sip, cost enraptured this ripe strong wine - and all of a sudden it takes away the swords from our hands: One wholesome stream of self-confidence and openness pulls through us. The walls of our vanity - they fall to ground; all borders which we ourselves have established around us - at once they are dissolved: Width! Finally, width! How long we missed it! How much we have longed for a distant horizon! - And we catch ourselves with how we quietly whisper: " I have a dream! " - Were this all only one kind of swindle? Are we succumbed to an illusion? Oh no - the wine itself dreams! And its dream gives us strength, does courage to us:



"Something in you will support you,
when you believe to be too heavy.
Something lets hit you wings,
when you spin like a stone ... "



The promising power of the wine fills us, expands us as the boundless width of the open sea. With every sip more we dive more deeply. Where are we? What happens to us? Do we lose the ground under the feet? Will we ... sink ? - But no! In the sea of this dream we find secure hold. In the midst of his endless depth we ourselves become an island:



"Trembling you stand there and reel,
your feet search hold;
and the fear says to you,
it can also be quicksand.
However, a few steps still,
and then you return home -
there will be an island ... "



I can love again without reason, and I can be astonished without sense. Beginning and end - they are united. Deep truth rests in the wine. Life: - a dream! A dream which wants to be lived... - We reach up to the cloud edge. And look! - I even ride the wind! All the human hamsters, the ditchers, the guardians with the fire sword - they will not find me! There under the bush, there I am away: - and only the limes do know about!
The wine - it dreams; and its dream itself keeps on singing its ever new melodies to us. Deeply they penetrate our heart and enchant us. In us ourselves the eternal song of the dream rings out. Pensively we join in the huming. In its melody we can see our star in the sky, and suddenly we get - easy feet! Because all the children of this Earth only want to join in the twisting of mother Earth. On their island in the sea of the dream they dance to the rhythm of life.



"Together
we are not alone;
will be an island,
that protects you and preserves you;
are the bottom which carries you constantly.
Together
individually and freely
you will be this island;
will find it, will love it,
will be at home then completely in yourself ..."



In the light of the dream life reveals us to itself. The dream and we, the dreaming ones, belong to each other. But do we still really sing our songs? - Doubts are to be made there! Our time turned cold: We bear a smile that does not say anything; we have petrified hearts. - Is there not the old dream anymore? - Oh but yes! The dream, it lives. It cannot die. If no dreaming ones are found, it only rests then - then the night of the dream rules. Only she, the night, keeps the secret of the possible, the coming - and she waits for the dusk of the day, awaits full of longing towards the dreaming ones:



"What is it, that falls like snow from the sky,
this laughter which illuminates my night to me?
Faces come, pictures which I like,
years are as one day to me ...

What is it, that tells to me tonight
I would have lacked you already for so long.
Have I overlooked you in a hurry?
What is there to see?

Star dust
falls into my heart
Star dust
falls into my heart ... "



Klaus Hoffmann and the lovers of his music: - this is a sworn community! They have searched for each other, and they have found one another. The dream itself seals them together, leads them always again to their common island.
To experience this singer and poet on the stage - yes, this is truely a very special event. It is a familiar atmosphere over there; a kind of closed party; there one dives into the common dream - and begins to live! The wine, this noble drop, it fills itself into our glasses and becomes the Fountain of Youth.
Nobody is able to explain the dream. But Klaus Hoffmann keeps up the recollections of this dream. And that's it! Only for this reason we already must appreciate him.



"Some ones search,
the other ones see;
Some ones stay,
the other ones leave;
however, old wishes, I can tell by your face,
get never lost, they remain for long.
Children do recognize each other at a glance.


We realy look forward to your next concert ...
Much love
Bernd & Petra


Sofie Reed "Baby Boo Got Gone"






Musicians On CD "Baby Boo Got Gone":

Sofie Reed -Voice, Harmonica, FOOT STOMPER
Jeff Pevar -Guitar Galore, Mandolin, Banjo
John Magnie -Piano, Accordion of The Subdudes
Steve Amedee -Hip-shaking-Guru-Percussionist of The Subdudes
Billy Rich -Bass (Taj Mahal)
Mark Diamond -Acoustic Bass
Jeff, John and Steve are the Back Upers!!! :)








Zwei Abende hintereinander mit den wundervollen Liedern von Sofie Reeds Album verbracht zu haben, sie immer wieder hörend, ist eine erfüllte Zeit gewesen, in der die Stunden nur so dahingeflogen sind. Die intime Atmosphäre ihrer Lieder steht im wohltuenden Gegensatz zu der heutigen überdrehten und allzu lauten Zeit und ist schon deshalb eine Kostbarkeit.
Zumeist entstehen die neuen Lieder der Popmusik aus einem Gefühl der Entbehrung, des Frustes, der inneren Leere heraus und wirken deshalb in einer bestimmten Art und Weise krank. Ganz im Gegensatz dazu entspringen Sofie Reeds Lieder einem inneren Reichtum, einer Fülle, die ihr Übermaß gerne und liebend verschenkt. Sofie Reed ist nicht auf der Suche, sie hat bereits gefunden. Wer ihre Lieder hört, fühlt sich beschenkt und entdeckt mit jedem erneuten Hören weitere Kostbarkeiten, andere Facetten, Tiefen, die es auszuloten gilt. Wir glauben, es wäre ein Fehler, ihre Lieder bestimmten Kategorien zuzuordnen. Nein, Sofie Reed singt keinen Blues, Jazz oder Country, - sie singt sich selbst. Es ist selten genug, daß man das von jemandem sagen kann. Wer ihre Lieder hört, der fühlt, mit wieviel Liebe und Sorgfalt sie an ihnen gearbeitet hat. Großes Lob auch an ihre Musiker, die allesamt eine hervorragende Leistung bieten. Es macht Freude, ihnen zuzuhören, besonders deshalb, weil niemand sich in den Vordergrund spielt, sondern alle, auch sie selbst, sich der Grundstimmung ihrer Kompositionen unterordnen und sie damit zur vollen Geltung bringen.
Sofies Stimme ist bemerkenswert und einzigartig. Bei manchen ruhigen Passagen erinnert sie uns ein wenig an die von Aretha Franklin. Ja, von diesem samtenen Klang können wir nicht genug bekommen.
Unser Lieblingslied ist gleich mit dem ersten Hören "Falling Star" gewesen. (Sie hat es sicherlich gemacht, weil sie wußte, daß wir auf dieses Lied immer schon gewartet haben!) Übrigens auch ein großes Lob für die Festlegung der Reihenfolge der Titel, wodurch das Album von vorne bis hinten spannend bleibt.
Dieses Album zu hören, ist eine Freude und ein Geschenk.

Mit tiefer Verneigung,
Hochachtung und viel Liebe

Arcadian Skies




Zusatz: Mittlerweile bereitet Sofie Reed ihr Nachfolge-Album vor. Sowohl dafür als auch für ihre geplante Tour erhofft sie sich die Unterstüzung eines Sponsors. Wer ihr erstes Album gehört hat, weiß, daß jede Unterstützung dieser außergewöhnlich talentierten Künstlerin eine Investition in die Zukunft ist. Kontakt finden ernsthaft Interessierte auf ihrer Myspace-Seite.







Two evenings being spent with the wonderful songs of Sofie Reed's album, hearing them over and over again, has been a period of fulfillingness to us with the hours flying by. The intimate atmosphere of her songs is in a very soothing way contrasting to the common overspeeded and far too loud today's taste, for only therefore it is such a treasure.
Usually the present popsongs are deriving from a feeling of privation, of frustration, of inner emptiness, and that's why they often have that special kind of ailing effect. In the very opposite to that these songs are caused by an inner richness, a deeper fullness which loves to give away its wealth. Sofie Reed isn't on a search - she has found! The listener to her songs feels presented all over, with each renewed listening again discovering more preciuosness, other facets, and depths to be measured out. We ourselves think it would be a mistake to class her songs to any categories. No, she isn't singing the Blues, Jazz or Country - she is singing herself. It's rarely enough to be said of anyone! Who listens to Sofie Reed's songs feels how much love and care she has spent on them. A huge praise also to all the musicians with her, each one of them doing a superior performance. It's a pure joy to follow their play, espacially because none of them is pushing himself to the fore, but the whole band, including herself, is showing the basic mood of her compositions to advantage by subordinating itself.
Sofie Reed's voice is impressing and unique. Within some calm passages it reminds us a little to Aretha Franklin's voice. Well, we can't get enough of this velvet timbre.
"Falling Star" has instantly becoming our favourite song from the very first time on. (She must have written it with knowing us so much waiting for this song!) Another praise to the carefully choice of the titles' order, which makes the album totally thrilling from the beginning to the end.
Listening to this album is a high bliss and a true bless.

Much respect and more love
with a deep bow

Arcadian Skies



Add: Meanwhile Sofie Reed is preparing her following album. Either for this as well as for her planned tour she hopes to find the support of a sponsor. Who has listened to her first album knows, that each support to this extraordinary gifted artist is an investigation into the future. Anybody with a serious, genuine interest in this can contact her upon her myspace page.

18. April 2009

Gesichte im Fels IX.



Der Anhauch

Jüngst traf - woher?
tödlich nah der Brust
erschütterlich
ein goldner Pfeil;
die Wange blich
mir hinterher
in schmerzgeweihter Lust.





Das Unantastbare

Sprachlos muß ich danken
den stillen Hub der Zeit -
gefestigter die Schranken
der eignen Blödigkeit.

Noch lassen sie mir offen
den äußersten Bezug -
doch will ich gründlich hoffen,
es dränge sie Vollzug.

Gespräche steigen sinnig
an Stufen, die gebaut
wiederholend innig -
Vom Hause dringt kein Laut.





Befreite Zeit

Im Flimmerlicht des Sommers
steigt - im heißen Mittag
aus wolkenlosem Himmel - herab,
sanft die Geschäftigkeit befehlend
in die Schatten hoher Bäume,
je und je der grüßende Schlaf.

Wie ein Laken übers Land
breitet ausgelassne Ruhe sich,
stillt den tiefen Vogelklang,
lautlos tanzt es um die Häupter,
vernehmlicher zirpt's im Grase,
und überall tönt wiegender Gesang.

Unsichtbar entströmt dem Grund
der Liebeshauch der Nacht,
innig im Gespräch, sammelnd
zum weiten Kreis des Dankes
empor, für kommende Gewitter,
die ihrer Spende schon erharrn.

Als stünde - auf der Mitte -
Alles, ausgeglichen: angehalten
die goldne Kinderwippe, eh -
vom losgelassnen Zügel - neu
der Schwung sich langsam regt,
und läßt die sorgenfreie Weil.





Vom großen Irrtum

Herz Jesu,
du fleischgewordnes Wort,
das einzig sich bekümmert
um brüderlichen Hort

Herz Jesu,
geliebtes Ebenbild,
dem einzig die Versöhnung
der zorngen Liebe gilt

Herz Jesu,
du ausgetragnes Leid,
das einzig unbedürftig
entblößt der Armut Zeit

Herz Jesu,
du Zeichen größter Huld,
das einzig sich verfügte
in stiftende Geduld

Herz Jesu,
du heilig Herd im Sohn,
dem einzig sich verschickte
der Wink an Vaters Thron





Das Verwahrte

Das in Sich-selbst Beruhende
- das rein Un-Bedürftige -
bedarf auch keines Opfers;
gütig aber nimmt es,
was es selbst gewährte.





Das Furchtbarste

Einmal wird es Einer blicken -
Tauschen möcht ich nicht:
Wer sich will ins Hellste schicken,
fügt, daß Hülle bricht.

Sehnsucht reißt ins unvermessne,
überdunkle Nahn
allzu liebend das Vergessne
in den stillsten Wahn.

Alles kehrt auf seine Weise
innig sich dem Andern zu:
Wem gelingt die weitste Reise,
steht dem schnellsten Schrecken zu.





Das Aufgegebene

Weile mit mir am Gestade
eingekreister Innigkeit,
über uns glänzt Eine Gnade
recht entlassner Künftigkeit.
Wo wir ruhen in der Bleibe,
wo wir bauen am Geschick,
wo wir pflegen heilgem Leibe -
da bleibt auch kein Gott zurück.

Wieviel Antlitz trägt die Erde?
Wieviel ist im schönen Tun?
Wieviel geht und bleibt im Werde?
Wieviel dunkle Samen ruhn?
Ob wir reichen ans Vergessne,
ob wir tragen heitre Mühn,
ob wir erben das Besessne -
daß läßt unsre Götter fliehn.





Parallelen

Jeder Mensch ein Universum -
Alles dreht sich dort um ihn:
Wundert's wen, wenn alle Götter
in ein andres Weltall ziehn?






Begegnung

Mein sind diese weiten Felder,
mir gehört die ganze Welt -
mir geschenkt aus lauter Liebe,
die es alle Zeit erhält.

Was ich fühle, was ich sehe,
alles dies, das ist nun mein -
und ich stimme herzlich wieder
in das schöne Leben ein.

Was ich fühle, was ich sehe,
was sich freudig in mir drängt,
jeder Schritt, den ich noch gehe -
der mich längst zuvor schon kennt.


Mein sind alle Menschenwesen,
mein der unerhörte Schatz -
Ja, - das Unheil kann genesen.
Ja, - für Alles gibt es Platz.

Was ich fühle, was ich kenne,
was die Gunst der Liebe schenkt,
stimmt die inneren Gesänge,
die den Ernst zur Armut drängt.

Was ich fühle, was ich kenne,
was ich innig in mir trag,
was ich immer eigen nenne -
dies ist nun mein neuer Tag.

Gesichte im Fels VIII.


Selma Meerbaum-Eisinger

Schöner Vogel -
zwitscherst leise
in dem grünen Baum.
Junger Vogel -
schon so weise
wie ein alter Traum.

Kurze Vogelsänge fliegen
einsam in das weite Rund -
Lange goldne Schauer wiegen
langsam ein seit jener Stund.

Kleiner Vogel -
so verletzlich,
zart und dunkelbunt.
Toter Vogel -
unersetzlich.
Ruhe sanft im Grund.





Ich tu mich schwer mit nackten
Daten oder Fakten:
Sie sind mir eine Last.
Wer achtet neben reifen
Früchten kahlen Ast?





Unruhe des Beruhens

Trüber Gesang schmerzte mein Ohr
einst, als einsam am Ufer ich stand;
tief aus dem Grund drang es empor,
unwirtlich ward mir der Strand.

Klingender Anklang wie beißender Rauch,
mir, die ich so freudig der Stille gelauscht;
unnahbar fremd, so schien es mir auch,
kaum, daß ich scheu erste Blicke getauscht.

Hinein in den Wald ging eine Schlucht,
wo schlichtes Genüge sich gibt;
dorthin verlangte mich helfende Flucht,
daß mir das rechtende Drängen zerstiebt.

Heimlich erstarb das Echo im Wald,
wohl hab ich lange im Moosgrün geruht;
Pfade der Wasser erreichten mich bald,
netzten und kühlten mein fiebriges Blut.

Endlich entließ jener Tag mich zur Nacht,
entspannte mich da erst in hoher Geduld;
glänzende Stille in schweigsamer Pracht
fand niedergestreckt mich als Opfer der Huld.





Die Frist

Einmal noch und noch einmal
heißt ein altes Lied
Magst du's singen? steht zur Wahl
macht uns seinen Unterschied -
Immer giert es uns nach Neuem
denn die Zeit wird schal
wenn wir uns vorm Abend scheuen
dann ist Spanne schmal.





Stille Wende

Wieder kehrt die Sonne.
Ein Sturm zog in der Nacht.
Das Land glänzt auf in Wonne.
Es dankt mit grüner Pracht.
Frohe Sänge künden
Den wechselvollen Gang.
Des Jubels Chöre münden
Verschwiegen ihm entlang.





Wie nenn ich..s ?

Hertha grünet, allumfassend
trägt den dunklen Abgrund aus
Himmelswasser niederlassend
baut sie still am eignen Haus.
Jenes Wilde, das gebändigt
uns nun folgsam und auch zahm
schlechtern Herren ausgehändigt
wird es zusehnds flügellahm.

Lässig schwingen Lichter leise
heiter ein ins offne Tal
rufen dort in holder Weise
lang Gehegtes allzumal.
Aus dem Boden steigt Verlangen
jenem rührend Anderm zu
sehnend mag es da empfangen
was geregt die dumpfe Ruh.





Alle Menschen schöpfen
aus demselben Grund -
Nur die Fühler
dehnen sich verschieden.





Feuriges Geschick

O ihr Brüder alle,
die ihr der Liebe Asche tragt,
gramgebeugt und voller Kummer;
die immer albern ihr,
dankbar ihr im Schoße lagt,
selig, noch im tiefsten Schlummer;

o ihr Brüder - wisset:
Groß ist, was da niederragt
und Einzig reißt euch innre Mitte;
hoch, im reinen Übermaß
es jenen weiten Raum umhagt -
weiterreichend es an Dritte.





Vom Ausgleich

Dann ist die Zeit gekommen?
Hab ich die Freveltat verbüßt?
Mir scheint, es warn Äonen,
seitdem ihr in die Knie mich stießt.
Dann ist die Zeit gekommen?
Und lächelt gnädiger ihr jetzt?
Mir ist, als wär mit Tränen
das schuldge Auge euch genetzt.

Woher denn auch die Liebe?
Wer senkt ins frohe Herz sie ein?
Nun sühnt ich eure Mächte,
denn Hochmut gebt ihr obendrein?
Woher denn auch die Liebe?
Hat sie nicht selber mich erkannt?
Die ihr die Schwäche schenket,
habt auch zum Streiter uns benannt.

Ihr stürzt uns in den Abgrund,
doch mildert Demut sanft die Wucht;
dann nehmt ihr uns die Würde,
übt grausam uns die strenge Zucht.
Ihr stürzt uns in den Abgrund,
der Stärkre gibt sich selbst das Recht;
der Widerstand des Schwächren:
Im Übermaß hält er nicht schlecht.

Die ihr mir stets doch nahe -
Wie regt es euch nur immer Zorn?
Daß ich zu euch begehre,
verdank ich euerm eignen Sporn.
Die ihr mir stets doch nahe -
wie seltsam kommt mir eure Huld?
Doch blickt ihr mir vertrauter:
Es schimmert mir der Lieb Geduld.





Umgängliche Fordernisse

Nun ihr mich erkanntet,
eröffnend mich im Schmerz -
Die Zöglingin ihr nanntet:
Gewährt ihr auch ein Herz!

Nun ihr mich beriefet
ins eigene Geschick -
Da ihr die Brunst vertiefet:
Erwidert ihren Blick!

Nun ihr euch erwähltet,
begünstigt mich zur Braut -
Die ihr euch anvermähltet:
Erzeigt euch ihr vertraut!

Nun ich euch gestillet
die erste wilde Lust -
Die ihr mich innig füllet:
Umfangt mich an der Brust!





Gefährdetes Wohnen

Verheerend kommt das Feuer,
das blitzt vom Himmelszelt,
vernichtend ungeheuer
ins ausgedorrte Feld.

Verheerend kommt der Regen,
der bricht das Wolkentor,
verschlammend auf den Wegen
geschwemmten Grund empor.

Wenn Feuer eint sich Regen
zum unverdienten Spaß,
verschenkt die Gunst den Segen
ins rechte Mittelmaß.





Das Zutun

Auf schmalen Uferpfaden
ging ich den Strom entlang;
es lenkte meine Schritte
ein unvermerkter Hang.
Und als ich aufwärts blickte,
erkannte ich die Stell:
Der Liebling junger Tage -
der Spielplatz an der Quell.

Wie schien er mir so friedlich
in seiner stillen Ruh;
wie lächelte er gütig
mir aus Erinnrung zu.
Ich setzte mich und staunte,
es schwanden Alter doch:
Als ließ ich ihn erst gestern -
erschien er traut mir noch.

Die Vögel alle kehrten,
erfreuten mich mit Sang;
im Moosgrund lag ich lauschend,
besinnlich meinem Gang.
Was zog mich in die Ferne?
Entwand mich diesem Ort?
Mir war's wie anbefohlen -
als schickte Eins mich fort;

als müßt ich Gleichs erkunden,
den wechselvollen Lauf
von hier durch alle Stätten
und weit ins Land hinauf
bis endlich sich ins Meere
des Wassers Strömung gießt,
wo rückwärts in der Kehre
der stete Ursprung fließt. -

Noch immer stieg die Quelle
mir murmelnd in das Ohr;
beruhigt tönt im Innern
ein sanftes Lied hervor.
Der Wald hub an zu raunen;
es ging an mich sein Wort:
Empfing ich hier die Weihe -
Vergab sie sich schon dort?





Heiliges Walten

Wie lernen wir am Bilde
verschwiegener Natur
der zorngen Mutter Liebe,
des Vaters luftge Spur.
Magst alle Samen sammeln,
bedecken ihn mit Saum;
des holden Keimes Leben -
allein rührst du es kaum.





Eingeholt

Die Unruh des Beruhens
die jagte einst mich fort
im Zweifel auf die Suche -
nach einem andern Ort.
Da find ich wieder Stille
ich dank es meinem Herrn
denn heilig weilt sein Wille -
nun füg ich mich ihm gern.





Die Prüfung

Der Zorn der Liebe schloht sein Haar,
und trifft den armen Ritter.
Was vordem ihm das Süße war -
Fortan ist's ihm sein Bitter.

Es drückt den Armen allzuschwer
das erzne Zeug der Rüstung.
Das Rittertum gefällt nicht mehr -
Es zieht ihn an die Brüstung.

Gerüstet schien er, das ist wahr!
Ihn selbst trügte das Bilde.
Was nötiger zum Kampfe war:
Das hält der Liebe Schilde.





Stimmiger Fehl

Jedem Tag sein kleiner Tod.
Das Rot der Abendsonne schwingt.
Der singt in das Morgenrot,
wem da der Vogelschrei erklingt.
O die Liebe! - Unaussprechlich.
Wie geheim und würdevoll.
Allein, der Mensch ist so gebrechlich -
Nimmer würdigt er sie voll.





Jagd-Glück

Der Abglanz alles Schönen,
der stille Wille, liegt
geläutert in der Sonne;
der heiße Mittag biegt
die hohen Wipfelkronen,
gelinder Atem wiegt;
die kühlen Schatten spenden -
die heilge Unruh siegt.





Einschwingender Aufruhr

Neugier treibt die Wandrer an,
fremde Gegenden zu schaun;
stillt sich deren Unruh dann,
wird man sesshaft und will baun.
Wann sie friedet, weiß nur sie -
ihr bleibt es zu eigen;
manchen läßt die Unruh nie,
hält ihn ein ins Schweigen.





Die friedlichen Gefilde

Wie sich Sonn und Mond ergänzen
einsam in den stillen Gängen
hold in ewge Nacht erglänzen
maßvoll reichend an die Längen.

Wie die Götter treue blicken
in der Zeit, die uns gestundet
liebend uns die Zeichen schicken
die uns einzig schon umrundet.

Wie das Höchste sich verschwendet
hinterläßt die schönen Spuren
immerwährend Einlaß spendet
auf den goldumwobnen Fluren.





Die goldne Spur

Was wir geliebt,
geht nie verloren -
Anders kehrt es uns zurück.
Uns zum Heil
ist's auserkoren -
Zu singen uns

ein schweres Glück.





Die Schließe

O ihr guten, treuen Götter:
Niemals kehrt ihr das Gesicht!
Eingehüllter in die Schleier,
gegnetet ihr näher nicht!
Euer Fehl noch ist vollkommen,
das die Leere selbst nicht spricht.
O ihr guten, treuen Götter:
Ihr verlaßt uns immer nicht!

Innig folgt ihr den Gesetzen:
Anders wärt ihr nicht zum Heil!
Eingelassen in das Walten,
haltet ihr uns euern Teil!
Eure Welt ist auch gegeben,
unerlässlich euch zur Weil.
Innig folgt ihr den Gesetzen:
Ihr bezeugt uns unsern Teil!

Mögt ihr tausend Jahre scheiden:
Was gilt Göttern unsre Zeit?
Einmal kehrt die große Runde
ein in die Vollkommenheit!
Unser Volk mag untergehen,
Andre Völker sehn ins Weit.
Mögt ihr tausend Jahre scheiden:
Ihr verwahrt die Ewigkeit!





Die hohe Zeit

Festlich sich die Farben gänzen,
sanft gebändigt in das Grün,
leuchtend weit im Licht sie glänzen,
fern die wilden Schwäne ziehn,
einig stehn sie schlicht im Bunde,
einzig rein das Schwarze fehlt,
Frucht und Blüte gehn die Runde,
die den Winter nicht verhehlt.





Worte wie Blüten
sie quellen hervor
heimlich erlauscht
mit verhaltenem Ohr
Worte wie Blüten
sie reichen den Duft
hinauf in die Bläue
hinab in die Gruft





Am Steil-Hang

Auf ragt der Grat
schmal, am zackichten Rücken,
vom felsigen Grund -
schwindlicht das Auge
ins Hohe, ins Tief.





Das Ererbte

Die alten Namen singen
mir öffnend ins Gemüt;
geneute Zeichen bringen,
wohin das Herz nicht sieht.
Wie ist die Lust mein Wehe,
wie scheint mir Sonn und Mond,
wie ist es in der Nähe,
was fern von Allem thront.

Die alten Worte brechen
mir klingend in das Herz;
die mir die Liebe sprechen,
verlangen meinen Schmerz.
Wie ist die Mitte stille,
wie reicht die Seel mir nicht,
wie nah hüllt sich der Wille,
der strömt im dunklen Licht.





Verwahrnis

Nicht näher!
Geh mir weiter nicht!
Ich fürcht, daß mir vor Glücke
die arme Seele bricht.
Schon spür ich's.
Kaum will mein Herz noch schlagen.
Ich mein, Du müßtest wollen,
es weiterhin zu tragen!

O schone!
Laß mich dennoch nicht!
Ich weiß, Du birgst aus Liebe
in Schatten Dein Gesicht.
Erbarm Dich.
Verzögre meine Scheue.
Ich ahn, Dich liebt ich immer.
Geständnis meiner Treue!

Erfülle!
Bezähme meine Lust!
Ich fühl, es pocht zu stille
das Wilde meiner Brust.
O schweige!
Horch innig seelge Laute!
Ich denk, es rührt mich wehrlos
der kommende Vertraute!





In Bedrängnis

Höre die Gebete:
Nimm von mir die Lust!
Was hauchtest Du denn Götter
in schwache Menschenbrust.

Höre das Erflehte:
Nimm von mir die Glut!
Was warfest Du die Wogen
verebbend in die Flut.

Höre die Bekenntnis:
Nimm von mir das Wort!
Du schicktest Deine Pfeile
in unbedachten Ort.





Kehrende Enteignung

Dies kenn ich -
Schon damals wollt ich's wissen -
Lange Jahre hab ich's nachher
stille büßen müssen.
Dies kenn ich -
Schon einmal ging's mich an -
Blank die Nerven lagen offen
mir in Nächten dann.
Dies kenn ich -
Schon wieder holt's mich ein -
Sprachlos fügt sich meiner Neigung
kühne Schwäche ein.





Begabte Armut

Längsseits des Weges,
der vielfach befahren,
weilen in Demut
der Bettelleut Scharen,
voll innerer Würde,
verhaltener Blick,
stehen sie gerne
ein Fußbreit zurück,
immer bedürftig
der spärlichen Spende,
fangen die dankbar
geschicklichen Hände
reichlich verwundert
erstaunlichen Fund -
Woher er gekommen,
tat sich nicht kund,
doch reichen sie weiter,
still im Liebkosen,
die Sinne so heiter,
edle Almosen.

Gesichte im Fels VII.



Der Treuesten


Du meine Feindin, du Erwählte -
Schicksal hab ich dich genannt,
als ich dich erst suchte
überall im Land.
Widrig war dein Wille,
unbeugsam dein Arm;
so wuchs mir in der Stille
zu dein steter Harm.

Du meine Feindin, du Ersehnte -
Göttin hab ich dich genannt,
als ich unvermutet
dich am Abgrund fand.
Nervig war dein Rechten,
klagend deine Not;
wie ging mir in dem Schlechten
auf dein hartes Brot.

Du meine Feindin, du Geliebte -
Sprache hab ich dich genannt,
als ich dein Geheimnis
streitend in mir fand.
Sparsam deine Gesten,
selig in dem Ort,
wenn ferne von dem Nächsten
bleibt dein innig Wort.





Verhalten

Liebes Auge - weilst du noch
an der Erde dunkler Stille?
Hörest du von oben doch
immer anders drängend Wille.

Treues Auge - säumest du
deine Kriege im Genüge?
Wes Geheimnis schafft sich zu
im Verzögern schwerer Siege?





Den Meistern H.

So zu singen wie mein Meister -
das vermag ich nicht:
Der bespricht die Geister.
Dem gibt Finstres Licht.
Aus der Dunkelsten der Klüfte
holt er Grauses vor.
Schweigsam wie die Grüfte,
hell wie Engelchor.

So zu singen braucht ein Wollen -
das der Streit gebiert:
Dies erringt sich Sollen.
Daraus Lorbeer wird.
In der Leidenschaft der Scheue
hält er Irre aus.
Liebend hofft aufs Neue
er den Mensch nach Haus.





Jugend im Reifen

Was ist Sünde? hab ich dich gefragt
Der Dolch der Seele hast du mir gesagt
Gibt es Sünde? Gott ist tot
Dasein bleibt des Menschen Not
Ist die Sünde das Nicht-wissen?
Sie ist immer irren müssen
Welche Sünde ist die Schwerste?
Keine. Alle. Je die Erste.
Die, die vom Vergessen singt.
Die, die dich ins Andre zwingt.


Was ist Liebe? hab ich dich gefragt
Der Kampf der Seele hast du mir gesagt
Gibt es Liebe nur im Streit?
Dasein bleibt Zerissenheit
Ist die Liebe das Nicht-hassen?
Sie will Alles in sich fassen
Welche Liebe ist die Treuste?
Welt und Erde. Je die Scheuste.
Die, die dir das Einzge heißt.
Die, die dich ins Andre reißt.

Was ist Trauer? hab ich dich gefragt
Der Hort der Seele hast du mir gesagt
Gibt es Trauer ohne Wende?
Dasein bleibt des Menschen Ende
Ist die Trauer das Nicht-lachen?
Sie will Alles heiter machen
Welche Trauer ist die Größte?
Die des Kindes. Die Erlöste.
Die, die dir das Wunder raunt.
Die, die dich ins Andre staunt.





Die Unwiderstehliche

O du meine leichte Seele -
Wohin führst du mich?
Daß mir dort nicht Boden fehle!
Dieses wäre unsäglich.

O du meine schwere Seele -
Wohin ziehst du mich?
Daß mich dort der Blick nicht quäle!
Dieses wäre fürchterlich.

O du meine schwache Seele -
Wohin drängst du mich?
Daß ich mich dort nicht verfehle!
Dieses wäre unschicklich.

O du meine weise Seele -
Wohin zwingst du mich?
Daß ich dort find blaue Stähle!
Dieses hoff ich inniglich.





Selbst-Gespräch

Bist du mir gewogen?
Das hab ich mir gedacht.
Hast du mich betrogen?
Was hast du da gelacht?
Bist du mir zur Seite?
Wo solltest du auch hin.
Bist ja in dem Streite
meine Erzfeindin!

Bist du mir verschwiegen?
Das hast du fein gemacht.
Ist es auch gediegen?
Nicht einer schöpft Verdacht.
Bist du mir auch willig?
Wie solltest du auch sein?
Anders wärst du billig
nicht mein schöner Schrein!





Dem Erfolglosen

Allmächtig schienst Du mir -
Wo ist Dein Stachel, Tod?
Betroffen steh ich vor dem Wort,
daß Dir das Ende droht.

Schon sinkt Dir Deine Kraft -
Wo ist Dein Richtschwert, Tod?
Verschwebend in das reinste Nichts,
verläßt uns Deine Not.

Zwar bleibst Du uns gewiß -
Wo ist Dein Reichtum, Tod?
Die Quelle läßt den Freien ziehn,
der uferlos verroht.





Am kalten Gestade

Stiller schon, durchaus bescheiden,
setzt ich heut mich zu Gericht.
Mir zum Hohn betagt mein Leiden:
Worte sind's. Mehr ist mir nicht!

Was könnt ich sagen, was nicht jeder
besser für sich wüßte?
Was könnt ich tragen, was nicht jeder
selber für sich müßte?

Und doch! - Half nicht auch mir
so manches schon, allein - als Trost?
Und dann! - Wurd mir nicht hier
der schönste Lohn, was sonst - erbost?

Vielleicht, daß solche Herzen
reden müssen, wenn Gespräche fehlen.
Vielleicht, daß unsre Schmerzen
Spätre küssen, den's sie dann erzählen.

Jugend braucht's - zart und mächtig,
die weiter frägt ins Rund.
Opfer braucht's - recht verächtlich,
das heiter trägt den Grund.

Doch sieh dich um. Ach!
- Fehlte mir dies eine Auge!
O hätt ich eines noch dazu!
So sterb ich dumm.
Nichtahnend, ob's jemals tauge
zu einzig Volkes großer Ruh.

Schon grauen meine Schläfen.
So sehnend säumt die Zeit.
Endlich scheint mir Jetzt. -
Daß einstmals die sich träfen,
voll der Unsterblichkeit!
Hoffnung - stirbt zuletzt.





Die Tragfähige

Im jungen Grün die Birken stehn,
wenn Weiden lassen Kätzchen;
wie üppig schon die Buchse gehn,
und Fittich sucht sein Plätzchen.
Die deutsche Eiche hält ihr Blatt,
vertrocknet ihr im Winter;
als ob es was zu sagen hat,
verzögert's allem hinter!

Von unten wächst die Fichte kahl,
je höher sie will steigen;
so mancher Busch hat keine Wahl,
und weicht den stärkern Zweigen.
Die deutsche Eiche wächset kaum,
drum bleibt sie so gediegen;
Führwahr: Ihr gleicht kein andrer Baum
- Da gibt sie feste Stiegen!





Die Kelter

Wie stimmt es mich so sonderlich,
Wie steht es mir so nah:
Warum verzögern wir den Griff,
Liegt Schönes offen da?

Wie stimmt es mich so ruhigernst,
Wie facht es stille Glut:
Und ob ich's immer näher säh -
Wie dämpft es heißen Mut!

Wie stimmt es mich so mitleidig,
Wie geht's mir schwer hinein:
Und lockt die Traube noch so prall -
Erst Presse macht uns Wein!





Der Ring der Trauer

Wer wie ich je Eins nur liebt
Dem Rauschen seine Tage
Weil's ihm immer neu aufstiebt
Wenn kaum verhallt die Klage.

Wer wie ich nur Eines liebt
Dem tauscht's nur seine Plage
Wenn es immer neu sich gibt
Weil nie verstummt die Sage.





Manche Tage wird's nicht heller.
Dann erst faßt mich recht Passion:
So viel Liebe, so viel Schönheit,
und auch Frieden trank ich schon -
Aber schwer und schwerer tönt mir der Gesang.
Ach! Was will mein Untergang?

Tief und tiefer führn die Stufen.
Aber ohne rechten Schwung:
Trunken bin ich alle Tage,
doch mir fehlt Begeisterung -
Wie, zu mancher Zeit, ist doch ein Leben lang.
Sag! Was willst du, Untergang?

Immer mühsam, immer traurig.
Und die Labsal währt so kurz:
Hin und her in deinem Treiben,
unausweichlich ist der Sturz -
O wie mächtig, ach, bist du! Und mir ist bang.
Was verschweigst du, Untergang?

Blaues Leuchten möcht ich singen.
Und vom längsten Morgenrot:
Wie versperrt sich mir die Lippe,
und es würgt mich nackte Not -
Deine Beute bin ich! Wehrlos ist dein Fang.
Ach! Wann kommst du, Untergang?





An die Unerlöste

Lange wart ich, Diotima!
auf dein neubelebtes Bild.
Kurz sind unsre Lebensbahnen,
wenn's kein Enden stillt.
Lange wart ich, Diotima!
Schönes Leben, kehr zurück:
Nah bei mir kann ich dich ahnen.
Fern von dir fehlt mir das Glück.

Heißer brennt mir, Diotima!
ein Verborgenes das Haupt.
Dürstend in den Sommergluten
darbt mein Herz bald wie verstaubt.
Heißer brennt mir, Diotima!
meine Sehnsucht und Vision:
Einmal stürzen deine Fluten,
schönes Leben, dir vom Thron.

Lachen werd ich, Diotima!
überschäumend in der Brust.
Mich vergessen in Gewittern,
wenn der Blitz zuckt mir zur Lust.
Weinen werd ich, Diotima!
schönes Leben, Menschenglück!
Wie das Tier kann ich dich wittern:
Diotima kehrt zurück!





Ganzer Einsatz

Jenen großen Bogen spannen
zwischen Auf- und Untergang
in dem sich unsre Träume fangen
schlummern sie auch jahrelang
nichts verloren, nichts gewonnen
alles wie ein holdes Spiel -
Wär es nicht so tiefernst traurig
lachte ich unendlich viel.

Einmal eine Speiche haschen
aus dem Riesenrad der Zeit
und trunken eine volle Runde
drehen für die Seligkeit -
Schicksal will es, Knechte folgen
unverständig ihrem Herrn
wissen auch, schlägt er uns härter
hat er uns noch immer gern.





Unter Tage

Edle Einfalt ruht im Herzen,
birgt sich unter Weisheit Stein;
ächzend gräbt sich unter Schmerzen
tief der Mensch ins Erdreich ein.

Stille Größe wacht daneben,
wehrt sich jedem dreisten Sold;
dunkel gibt sich solchem Leben
schlichter Glanz vom warmen Gold.

Edle Einfalt - Stille Größe.
Wieviel zählt dir da noch Glück?
Mensch, bedecke deine Blöße:
Dorther kehrst du nie zurück!





(Der Seele)

Geheimnisvolle. Göttlich im Leiden noch.
Du Jenen fremde, die dich beneiden doch.
Wer, der von uns dich je empfehle,
Rätselte dich je zu Ende, Seele?

Kopfüber stürzt du, weil's dir immer wahr,
Verwegen trotzig, Leugnende! in die Gefahr.
Suchst, denen wir den Spielraum danken;
Unstet versuchst und weichst du den Schranken.

Umgrenzt auch, bleibst du, Flüchtige, Freie! wenn
Auch keiner hält dich willentlich. Liebst du denn
Nicht mehr als Alles für gewöhnlich
schmerzvoll Gestimmtheit, wenn überpersönlich?

Wem du dich zeigest, rauschen muß mir der Tag.
Wie ich dir staune, dir nichts mehr vermag -





Huldigung

Blau im Garten, recht weit vorne,
blühn im Beete Rittersporne.
Schöne Rosen muß ich missen -
will von Dornen nichts mehr wissen.
Traulich schmiegen sich Mimosen,
träumend von dem Duft der Rosen.





Tantalus

Jahre habe ich gerungen,
bis ich tiefer eingedrungen
in das Rätsel dieser Welt.
Härte mußte ich ertragen,
wollt's so oft den Meinen sagen:
Immer hab ich mich verstellt!
Einsam ruht es mir im Herzen -
Und wie hart ficht es mich an:
Jeder leide eigne Schmerzen.
Teilen läßt es sich nur dann.

Jahre habe ich geschwiegen,
Schwermut ist mir aufgestiegen
über aller Lebenslust.
Freude flieht mich allzu schnelle,
Eins vertritt dann diese Stelle:
Leben wollen heißt - du mußt!
Sehnsucht treibt mich in die Ferne -
bis ans Ufer unsrer Zeit:
Späte Götter rauben gerne
ihren Teil der Ewigkeit.





Die Kalt-Front

Selten brechen Sonnenstrahlen
durch den finstren Wolkenhauf;
gierig saugt die starre Seele
jeden allerletzten auf.
Wie die Stürme oben fegen,
stürmt und fegt es innen drin:
Eine Welt versinkt in Regen,
Überfluß ertränkt den Sinn.

Selten weiß ich Liebesgaben
zu ertragen diese Zeit;
meine Seele flieht die Menschen,
dürstet nach der Einsamkeit.
Wie ein Blatt, vom Ast gerissen,
fegt der Sturm mich vor sich hin:
Was verschlägt mir da das Wissen,
daß ich unter Blättern bin?





Der Krieger

Göttergleiche schöne Milde -
Warum erleichterst du mein Herz?
Wann bezähmst du mir das Wilde
Und entläßest mir den Scherz?
Einst, beim Schall der Kriegstrompete,
- Weither klomm ihr Wunderklang,
Stand bezaubert ich vor Lethe,
Ging an ihren Ufern lang.

Ach, wie steile Wände klüften
Sich schrecklichschön den Hang hinab!
Ach, wie hebt sie sich mit Düften
beständig aus dem tiefen Grab!
Allzuviele Winde stürmen
Entgegen mir auf rauher See,
Allzuhohe Berge türmen
Auf Gipfeln hier den ewgen Schnee.

Jahrlang steh ich im Gefechte,
Weit entfernt vom großen Sieg;
Manchmal ist's, als ob ich dächte,
Welchem Aufruhr es entstieg.
Müde bin ich alle Tage,
Doch es spannt mich die Gefahr,
Aufrecht hält mich in der Plage,
Daß der Feind so nahe war.

Einmal wieder Ruhe finden,
Auf sichrem Boden heimisch sein!
Einmal dann mit dem verbünden,
Des Geistes uns haucht Streitlust ein!
Selten Los ward mir beschieden,
Seit einst ich in die Fremde stieß,
Selten rühre ich an Frieden,
Seit einst ich alles Traute ließ.





Vom Ungestalten

Nicht alles Alte ist auch tief.
Wer mag zum Ursprung taugen?
Was immer dort im Abgrund schlief:
Es wacht mit tausend Augen!





Im Rausch der Fuge

Nichts. Noch dunkel. Noch immer Nacht.
Nichts. Die Straßen leer. Der Wind noch sacht.
Nichts. Kein Zeichen. Nicht ein Fanal.
Nichts. Auf meiner Stirn kein winzges Mal.
Keiner sah es, als ich sank -
Ich aus goldnem Becher trank.

Welt. Versunken. Wer stahl die Zeit?
Welt. Da sie mir fehlt. Jetzt Ewigkeit.
Welt. Genommen. Erst jetzt ganz wahr.
Welt. Gerettet hier in der Gefahr.
Ein und selber Augenblick -
nahm mir nichts und gab's zurück.





Die Spanne

Ist's Zeit? Ist's nicht?
Noch immer nicht die - Zeit?
Warten. Bis es aus der Hülle bricht.
Ist dürr. Ist breit.
Ist nah. Ist weit.

Ist's Traum? Ist's nicht?
Noch immer wie ein - Traum?
Lauschen. Bis die schöne Stille bricht.
Ist dünn. Ist kaum.
Ist Wort. Ist Raum.

Ist's mein? Ist's nicht?
Schon immer ist es - mein?
Eignen. Bis es innig ist und bricht.
Ist Ja. Ist Nein.
Ist Zeit. Ist Sein.





Geklärter Eindruck

Danken - Denken.
Alles liegt im ersten Blick -
Was in Liebe wir da schenken,
schenkt sich immer neu zurück.

Danken - Denken.
Alles gibt der erste Blick -
Was wir da in uns versenken,
läßt den längsten Riß zurück.

Nicht die dunklen, bösen Stunden
schlagen sich in uns hinein -
Alle lichten, offnen Wunden
prägen sich als Narben ein.

Alles Schwere ist vergessen,
wenn die frohe Stunde kehrt -
Wenn ein Wildes uns gemessen
schön im Innern widerfährt.





Vorzeitig

Immer auf dem stillen Flügel
wallt der Engel übers Land.
Das Jahr der Völker hat entschieden:
- Weiter bleibt er unerkannt.

Gesichte im Fels VI.



Die Berufenen


Der Gott? - Ist jener Andere,
der am andern Ende steht,
woher uns duftig ahnend
ein Göttliches umweht.
Selber Abgrund tut ihm Not:
Wie wir ihm je verfallen,
ist unser Gott uns tot -
Unerlöst in eignen Hallen.

Der Gott? - Ist jener Andere,
der am andern Ende harrt,
woher uns nötig stimmend
das Gründige gespart.
Selbe Brücke schwingt sich auf:
Wie wir sie je begehen,
kommt unser Gott herauf -
Unsichtbar dem eignen Sehen.

Der Gott? - Ist jener Andere,
der am andern Ende sperrt,
woher uns mächtig gähnend
die Leere aufbegehrt.
Einzig Wesen gibt sich ein:
Wie wir es je erschweigen,
scheint unser Gott herein -
Unverhüllt im letzten Zeigen.





Der Vorgänger

Mit Andern mitgehn, fällt mir schwer.
Es mindert meinen Schwung.
Mir läuft noch Einer hinterher.
Der hindert mich am Sprung.





Aufriß der Geschichte

Im ersten Angang des Erstaunen,
daß die Welt uns ist,
will sich die Erfüllung zeigen,
die du selbst dir bist.

Im Weitergehen des Vernehmen,
daß die Erde schließt,
muß die Hülle dann verschweigen,
bis der Same sprießt.

Im ersten Aufgang des Entsetzen,
daß der Gott uns flieht,
reißen wir den Grund in Fetzen,
der bis da geschieht.





Die einigen Zwei

Die Langmut wandert andre Wege
als die Entschlossenheit:
Sie baut sich Brücken oder Stege
in großer Einsamkeit.
Entschlossenheit muß stürmen
im unterschiednen Blick.
Die Langmut muß da türmen,
zögert sich zurück.

Die Langmut wandelt andre Weisen
als die Entschlossenheit:
Sie traut sich an dem zähen leisen
Drang der Einzigkeit.
Entschlossenheit muß wagen
im forderndem Geschick.
Die Langmut muß entsagen,
untergehn am Glück.





Ungesagt II

Was ich euch schon immer sagen wollte -
das sag ich euch nur im Vertraun.
Wie ich euch bin, und was ich hoffe -
das ist so leicht nicht zu durchschaun.

Nicht, daß es uns an Gaben fehlte -
es ist nur schwerer, als ihr denkt.
So anders, als wir's uns erträumten -
selten nur wird es verschenkt:

Es ist Gemeinschaft nicht,
nur weil du auch hier bist:
Es braucht das Mehr,
das mitentschlossen ist.
Es ist Gemeinschaft nicht
nur einfach aus dem Wort:
Sie will uns ganz
bestimmen in den Ort.

Was ich euch schon immer sagen wollte -
es ist bis heut noch ungesagt.
Was ihr mir seid, und was ich fühle -
ich hab's bis jetzt noch nicht gewagt.

Nicht, daß es mir am Mute fehlte -
es ist nur schwerer, als ihr ahnt.
So einsam wie es sich ereignet -
so dunkel hat sich's angebahnt:

Es ist die Sprache nicht,
nur weil du in ihr bist:
Es brauch das Mehr,
das mitentschlossen ist.
Es ist die Sprache nicht
zugleich schon mit dem Wort:
Sie will uns ganz
bestimmen in den Ort.





Wi(e)derkehr

Unter Uns
weilt schon der Eine,
der das Opfer bringt;
der im Kampf
um das Gemeine
herben Kelch zur Neige trinkt.

Unter Uns
ist auch schon Jener,
der Uns bald verrät;
der im Wahn,
Sich-Selbstersehner,
endlich Wesen ganz verdreht.





Dem Stillsten

Der Du uns die Welt erschütterst
in den festen Gründen:
Uns bestimmend stürzt Du uns,
immer steigernd Not.

Der Du Dich im Schreck erzitterst
aus den offnen Schlünden:
Uns bezwingend fehlst Du uns,
immer weigernd Lot.

Der Du uns die Erde neidest
aus der eignen Würde:
Uns enteignend nimmst Du uns,
immer setzend Streit.

Der Du unsern Tod nicht leidest
in der hohen Bürde:
Uns gewendet fliehst Du uns,
immer stiftend Zeit.





Unser Kampf

O ihr Brüder! - Könnt ihr ahnen,
wie unaussprechlich schön wir sind?
Wie verschwiegen uns in Bahnen
jederzeit die Freiheit minnt?

O ihr Götter? - Könnt ihr wähnen,
wie unvergleichlich jetzt wir sind!
Wie gefährlich uns im Gähnen
jederzeit das Da beginnt!

O ihr Brüder! - Wollt ihr wissen,
wie unausweichlich Not sein muß?
Wie entsetzlich schmeckt der Bissen
allezeit dem Bruderkuß?

O ihr Brüder? - Wollt ihr messen,
wie unaustragbar Abgrund klafft!
Wie errungen aus Vergessen
allezeit das Eine schafft!

Dann, ihr Götter! - sollt ihr leben
in unversehrter Einzigkeit!
Dann, ihr Gründer! - müßt ihr beben
allseits da im Stoß der Zeit!





Wir Heutigen

Genießend schlürfen wir die Schale
der steten Wagnis aus,
trinken uns zu Göttern,
die nicht mehr Zuhaus.

Erlebend schleifen wir die Seele
dem schnellen Schrecken zu,
rauschen uns am Abgrund,
beuten niemals Ruh.

Verrohend schleppen wir die Leiber
der baren Willkür fort,
brechen in die Würde -
Tasten nie den Ort.





Die Ersten

Wächter sind Wir -
auf der Streife,
die dem Nichts entgegenharrn.
Wächter sind Wir -
daß einst reife,
was die Andern sich ersparn.
Selbstgenügsam ist das Leben,,
das der Wächter wachsam trägt;
zugewendet jenem Streben,
das sich immer selbst erfrägt.

Wächter sind Wir -
unbesehen,
die den Brüdern zugetan.
Wächter sind Wir -
Wir geschehen,
mitten in dem Einen Wahn.
Selbstvergessen ist das Eine,
das den Wächter nötig macht;
abgewendet jenem Scheine,
der ihn vorerst noch verlacht.

Wächter sind Wir -
unbenommen,
die die Not sich zugesellt.
Wächter sind Wir -
daß einst kommen,
die das Eine Wort behält.
Selbstverlässlich aus der Wende,
die der Wächter einsam wiegt;
einbehalten in das Ende,
das zuvorderst Allem liegt.





Mein Verlangen

Einmal rein zur Stille kehren,
erfahren, was sich gibt -
keinen Anfall mehr verwehren,
den das Stillste liebt.

Einmal rein im Stillen brechen,
erglühen, wie ein Licht -
keinen Anhalt mehr versprechen,
nur das stillste Nicht.

Einmal rein die Stille greifen,
erlangen, was sie zeugt -
keine Antwort mehr erstreifen,
die das Stillste beugt.

Einmal rein in Stille tauchen,
erschweigen, was sie zeigt -
keinen Anfang mehr gebrauchen,
wo sich Alles neigt.





Frühlings-Jubel

Wie ist uns Alles jetzt so schön,
im Andrang uns geheimnisvoll:
Dem Blick zu will ein Jedes stehn,
bezwingend hin er achten soll!

Wie geht uns Alles jetzt so nah,
verjüngt sich uns verheißungsvoll:
Das Herz weiß nicht, wie ihm geschah,
und wem wohin es danken soll!

Wie stimmt uns Alles jetzt so mild,
im Austrag nicht gefahrenvoll:
Doch Schönes bleibt im Herzen wild -
ein Abgrund ist es Zoll für Zoll!





Entzogene Mitte

langsam schleichend gähnt die Leere auf
in dem verlassnen Haus in der Luft ein
Hauch von Schwere Jener die nun bleiben
aus bilderlos die kalten Wände alle Fenster
blind gilbe Flecken sprechen Bände Jener
die gegangen sind ...

langsam schleiernd zieht Vergessen ein
in das verlassne Haus Würden die es
einst besessen zogen mit den Andern aus
sinnentfremdet stürzen Mauern keine Pforte
wehrt in Ruinen Schemen kauern Jener
die hier eingekehrt ...

mächlich langsam kriecht die Öde vor in
dem verlassnen Haus jammernd uns in jäher
Blöde folgend uns mit stillem Graus Nichts
mehr mag den Blick erreichen ganz erloschne
Spur deutunglslos verstummtes Zeichen
tote Hülle nur ...





Offnen Blickes

Eigentlich ist längst entschieden,
wer wir alle sind.
Einzeln nur, und je verschieden,
läßt die Welt den, der beginnt.

Eigentlich ist längst vernommen,
wo wir alle sind.
Nichtig nur kann das entkommen,
wem es jeweils schon zerrinnt.

Eigentlich ist längst verhänglich,
wie wir alle sind.
Einzig sind wir, untergänglich,
wie der Zufall uns gewinnt.





Die Entlaufenen

Abschied nehmen - je und je,
sich von Allem trennen:
Einmal nur die Wichtigkeit
des reinen Seins benennen.

Abschied geben - für und für,
keinen Halt mehr kennen:
Einmal nur den Untergang
des eignen Selbst errennen.

Abschied lassen - unentwegt,
überm Abgrund schweben:
Einmal alle Nichtigkeit
der Einzigkeit erleben!





Sagenhaft

Kaum zu glauben, wie verlässlich
sich der Reigen schließt,
wenn zuvor aus seinem Nabel
Einfall sich ergießt.

Kaum zu ahnen, wie vergeßlich
sich die Nabe gibt,
die zuvor im runden Ende
eignen Anfang liebt.

Kaum zu sagen, wie entschieden
uns die Mitte stimmt,
wie zuvor in ihre Freiheit
Einzig sie uns nimmt.





Weisen der Einberufung

O ihr Götter! - laßt euch rufen:
In die Eine große Not,
die den Scheidenden der Heimat
in der Fremde droht!

O ihr Götter! - laßt euch weichen:
Für die Eine große Not,
und entsendet uns ein Zeichen;
laßt uns ein Gebot!

O ihr Götter! - laßt euch stimmen:
Zu der Einen großen Not,
daß wir nicht alleine schwimmen;
daß wir stehn im Lot!

O ihr Götter! - laßt euch nieder:
Zu entsetzlich ist die Not!
Seht: Nun opfern wir euch wieder!
Nein! Ihr seid nicht tot!





Die Enthobenen

Rührend uns
mit leichtem Finger
uns die Milde stimmt
einwärts weisend
ins Verborgne
sie uns mit
sich nimmt.

Bergend uns
in sanfter Schwinge
uns die Langmut wiegt
einwärts kehrend
ins Versagte
sie uns still
besiegt.

Zögernd uns
in langer Sehnsucht
uns die Eignung trägt
einwärts haltend
ins Verbürgte
sie uns je
erwägt.





Vorsehung

Wißt - daß Eines euch erwartet
seit Anbeginn der Zeit,
das ihr euch erspartet
zur letzten Ewigkeit.

Wißt - daß Eines euch ersehnet
seit Anbeginn der Zeit,
das ihr nicht erwähnet
im Fort-Riß dieser Zeit.

Wißt - das Eines euch erfordert
seit Anbeginn der Zeit,
das euch herbeordert
zur eignen Wachsamkeit.

Ahnt - daß Einer euch verfehlet
seit Anbeginn der Zeit;
was ihr auch erzählet,
er fand euch nicht bereit.

Wißt - daß einmal euch verendet
die Eine Möglichkeit.
Wohin ihr euch da wendet,
verläßt euch eure Zeit.




Wachsende Aussichten

Schicksal jetzt ins Volk zu tragen,
scheint so wenig heldenhaft:
Wolkenkratzer hier entragen,
gegen die Geringes schafft.

Auszudauern ist ein Schweres,
wenn der Mensch nicht aufbegehrt.
Doch vorweg geht uns ein Hehres,
das die Sage nie verwehrt.

Uns - kann jederzeit beginnen,
was uns schicksalhaft bestimmt.
Uns - kann jederzeit gewinnen,
wann die Not uns zwingend nimmt.





Stiftung von Welt

Nichts ist -
als wir selbst erst stellen
in das uns gemäße Da.
Nur wenn wir
die Nacht erhellen,
scheint sie uns im Nah.

Nichts ist -
als wir selbst erst bringen
in das uns erschlossne Sein.
Nur wenn wir
uns Grund erschwingen,
stimmt uns Abgrund ein.

Nichts ist -
als wir selbst erdichten
in den uns gelassnen Ort.
Nur wenn wir
von dem berichten,
was uns fremdes Wort.





Stoß und Wille

Immer tiefer ins Vergessen
stößt uns hin ein Gott -
Wer von uns will je ermessen,
ob es ihm zum Spott?
Ob verborgen unserm Leiden
einig er schon bei uns lebt?
Wer von uns will je entscheiden,
was die hohe Stirne webt?

Immer schwerer aus Vergessen
stößt uns zu der Gott -
Wer von uns mag je ermessen,
wie das letzte Schott?
Ob herab aus seinen Höhen
einig zwischen uns er wohnt?
Wer von uns kann je ersehen,
wie vermögend er uns schont?

Immer stiller uns entrollen
jene Stöße zu -
Wer von uns kann immer wollen
eigne letzte Ruh?
Wenn verstummt in innrer Mitte
Einzigkeit sich selber trägt?
Wer von uns entspricht der Bitte,
die das Unentwegt bewegt?





Armut

Bedürftig sind wir allezeit,
kaum, daß wir entwöhnt:
Vor uns liegt ein Weg bereit,
der uns nie versöhnt.

Bedürftig sind wir unentwegt,
kaum, daß wir's gewohnt:
In uns drängend Eines regt,
das Dazwischen lohnt.

Bedürftig sind wir immerzu,
kaum, daß wir's gestillt:
Uns voran geht eine Ruh,
die uns letztlich willt.





Der Ansiedler
( Segen der Erde)

Hin und her auf schmalen Pfaden,
Die vor ihm noch unerkannt,
Nur mit Nötigstem beladen,
Zieht ein Mann durch wildes Land.
Ringsumher erspäht das Auge,
Prüft sein Blick das weite Tal;
Wie der Boden irgend tauge,
Langt die Hand hinein zumal.

Hin und her zu grüßend Stätten
Führt der Schritt den Mann zurück;
Da, bedingt von vielen Ketten,
Schließt er ab sich im Geschick:
Hier erspringen sich die Gaben!
Hier erscheint ihm Alles wohl -
Dies hier soll die Mitte haben!
Dies hier wird sein Ruhepol.

Hin und her an vielen Tagen
Gilt jetzt Arbeit immerzu:
Vieles heißt ihm, Neues wagen;
Niemals gibt sich irgend Ruh. -
Jenen ersten Ort zu finden,
War das Schwerste anfänglich.
Seine Heimat dort zu gründen,
Bleibt er dauernd anhänglich.

Hin und her in seiner Halde
Stößt den Raum er in Vedichtung,
Rodet Bäume nahen Waldes:
Öffnet weit die freie Lichtung.
Sorgsam bricht er dann den Acker,
Furcht den Boden, säht das Korn,
läuft mit Wettern immer wacker:
Schaffend füllt sich ihm das Horn.





Was bleibt

Niemals denken wir das Selbe,
so weit wir auch hin kommen:
Einzig sind wir - du und ich.
So wird's uns genommen.

Niemals fühlen wir das Selbe,
so nah wir uns auch kommen:
Einzeln sind wir - du und ich.
Im Grab ist's uns genommen.





Inzwischen

Mit Gesange gehn die Dichter
Aus der Wiege unsrer Zeit.
Mit Gesange kehrn sie lichter
Wieder in die Dunkelheit.
Allumfassend reicht dem Ende
Zu der Anfang Hände.

Mit den Göttern stehn die Dichter
Weit hinaus in unsre Zeit.
Ohne sie kehrn die Verzichter
Wieder in die Heiligkeit.
Allumstoßend kommt dem Ende
Zu des Anfangs Wende.

Mit den Völkern sparn die Dichter
Die Vollendung unsrer Zeit.
Mit den Völkern kehrn sie schlichter
Wieder in die Sagbarkeit.
Allumsorgend stößt dem Ende
Zu des Anfangs Spende.





Gefährliches Gut

Was wollt ihr noch?
Ihr habt doch alles?
Im Verfug des Falles
Habt ihr Freiheit,
Habt ihr Macht -
Und doch: Gebt acht!
Daß euch nicht die Leere
Überfalle in der Nacht.
- Nichts ist!
Das ist Euer!
Alles Andre teuer.





Bereitung des Feldes

Inzwischen können wir nur warten, bis
Einmalig Einig weilt der schöne Genius
im Volke.
Getrennter denn immerschon grüßen die Hirten
einander einsam von den höchsten Gipfeln
der Berge.
Nicht säumig, Ausschau haltend, ob
wohl Einer ihnen entgegenklimme
in der Ödnis.
Kostbar sind gemeinsame Tage. Kaum
zu erwägen, die seltnen. Wie aber erst die
ganze Erfüllung?
Wer wünschte nicht, dabei zu sein? -
Noch harrt sie aus, und kommt vielleicht
gar nie.
Genug, wenn wir sie nur ahnen, diese
goldnen Tage! Jedem das Seinige. Geht doch
nichts verloren als ein ungewisser Traum.
Und ist köstlich auch
ein Hirtenleben!

Gesichte im Fels V.



Die schönen Toten


Tausend Tote um mich werden
immer toter Tag für Tag.
Endlos zieht die Zahl der Herden
in dem schön umgrünten Hag.
Schmerzlos darben sie ihr Ende,
unvereinbar kargem Sinn.
Nirgends her kehrt neue Wende
sie zu erstem Anbeginn.

Tausend Tote um mich werben
immer härter Tag für Tag.
Ewig singt die Zier im Sterben
nur von allem, was ich mag.
Notvoll rühren mich die Herzen,
unverkennbar meinem Sinn.
Im Verlöschen aller Kerzen
birgt die Nacht mir, wer ich bin.





Die Unverfügbaren

Nicht mehr schmeckt mir irgend Brot.
Wie im Wein mir duftet Not.
Meinem Blick entweicht die Stelle.
Ebend ist des Klanges Helle.
Einig düstert sich der Ort -
So nun tast ich nach dem Wort.





Die Gestillte

Unscheinbar entsteigt die Quelle;
leise murmelnd dringt sie vor;
schließt sich selbstgenügsam weise
auf ihr stillverborgnes Tor. -

Herrlich dröhnt der Strom im Falle;
lauthals lachend bricht er sich;
kaum ertönt in weiter Halle
nach Beginnen ursprünglich.





Kindlicher Kehrreim

Über Allem aber waltet
traulich einig EIN Gesetz.
Und es muß, was ungestaltet,
schließlich fangen sich im Netz.

Über Allem traulich scheinen,
die sich herzlich einig sind.
Und so lichtet sich im Einen
Alles für ein schönes Kind.

Über Allem immer gehen
Winde hin und Winde her.
Und wie Blätter, die verwehen,
laufen Bilder hinterher.





Die Kinder des Meeres

Lautlos wallen Nebelschemen
weit entzündet übers Meer;
lachend singen Nymphenkinder
ihrem Urgrund hinterher.

Auf den Kämmen schmaler Wellen
weben sie ein fein Gespinst;
bis herauf aus seiner Tiefe
lieblich schön das Untier grinst.

Necken es mit Sonnenstrahlen,
die ein Fischschwarm fängt;
winden grüne Algenkränze,
die es scheu empfängt.

Kleiner Pferde zarte Rücken
tragen sie zurück ins Nest,
als herab aus hoher Quelle
offner Himmel Bläue läßt.





Nomen omen est?

In der Obhut ihres Schäfers,
der den Engeln anverwandt,
wandelt sich der Traum des Schläfers:
Klimmt die Schaumgeborne Land?

Freie Form verlangt die Gabe;
mitternächtlich ihr Gesicht;
unerlässlich ist Gehabe,
wie ihr Wille Felsen sticht.

Schwer ist's heute, im Vertrauen
einzuhauchen neuen Sinn.
Schwer wird's künftig, weiterbauen
an dem einen Wort: Ich bin.





Absicht

Nichts und Eines -
Einig Wesen;
daran soll
das Herz genesen.
In der Helle dunklen Schein
bricht das Offene herein.





Zu-Eignung

Nun ich dich gefunden
in des Meisters reinem Wort -
heilige Bestimmung!
da du mich gerufen,
bring ich meine Stunden
heim zu deinem Ort;
zu dienen dir tagein, tagaus;
keinen Kampf zu scheuen;
zu bauen dir ein neues Haus,
dir - und allen deinen Treuen.





Das Genüge

Mein Reich ist nicht
von dieser Welt -
weil sie mir entstellt.
Mein Reich gründet
diese Erde -
nicht machsam sie mir werde.
Mein Reich kommt mir erst entgegen -
anfänglich auf Wegen,
die vom Ereignis sprechen,
und einzig Herrschaft brechen.





Die Not der Nötigung

Lieblich-schwere Sorgen singen
uns beseligend das Haupt;
die in jenm Abstand schwingen,
der das Mächtige erraubt.

Leidlich-stolze Nöte ringen
sich verweigernd in das Herz;
die uns jene Kreuzung bringen,
die verstattet großen Schmerz.

Zögernd-stille Schritte klingen
uns vereinsamend im Ort;
da - von seinen Grenzen springen
uns entgegen Heim und Wort!





Das Zurück im Vor

So es eine Wahrheit gibt
- kann ich sie erlangen.
Eines bleibt: Daß sie uns liebt!
- Das unsre: Sie verlangen.
Aber wie? bleibt eine Frage.
- Nie erzwingt sie das Gemächte.
Daß ich sie ins Stille trage,
scheint mir bald das Rechte.





Frohes Nahen

Aus himmlisch weiten Fernen
gibst du dich herab,
glänzest mit den Sternen
herein ins dunkle Grab.

Mit himmlischen Gewalten
segnest du die Stund,
lockest die Gestalten
heraus ins Erdenrund.

In himmlisch hoher Nähe,
da erscheinst du mir,
daß ich dort dich sähe -
erheb ich mich zu dir.





Austrag der Freiheit

Daß wir ein Geheimnis sind
- daß wir's bleiben müssen:
Das in unserm Schweigen klingt.
Das schwingt uns ins Küssen.

Daß wir ein Entferntes sind
- daß wir nähern müssen:
Das in unsern Herzen singt.
Das ist unser Wissen.

Daß wir ein Geschicktes sind
- daß wir es nicht müssen:
Das uns in den Abgrund zwingt.
Dem wir nie entrissen.





Fügsam

Dichten muß ich
immer wieder -
ohne jeden Zweck;
allzu harmlos
sind die Lieder,
allzu groß das Leck.

Dichten muß ich
immer Gleiches -
aus demselben Wort;
Eingefangene
des Reiches
in den einen Ort.

Dichten muß ich
wiederkehrend -
aus dem einen Grund;
jenes Fügen
doch entbehrend,
das entscheidet Kund.





Ereignis

Nie kann ich vergessen
den jähen Blitz der Nacht,
als ich wie versessen
rang um höhre Macht.

Klüfte brachen gähnend
überm Abgrund auf.
- Noch bau ich unterdessen
an Stegen obenauf.

Gewahrend seine Tiefe,
erstarrte mir das Herz:
da tat's, als ob es schliefe
- tat es nicht zum Scherz.

Stille säuselt wiegend
aus dem Abgrund vor;
leise steigend siegend
dringt es mir ans Ohr.





Enteignung

Ordnung bringen
ins Gedränge -
das den Abgrund sperrt:
Chaos singen
ins Gepränge -
das den Abgrund währt.





Die Geschlechter der Gründung

Mit kühnem Schritt nach vorne schnellt
im Ausmaß der Gefahr
der Mann, der kühlen Kopf behält,
doch heißen Blutes wahr.

Im stillen Stoß das Eine schließt
im Austrag der Gefahr
die Frau, der das Geheimnis sprießt,
das ihr gegeben war.





Vom Dreifaltig-Einen

O du allentbergende
himmlische schöne Not!
Wo den Kindern dieser Erde
alles kehrend droht.

O du allesbergender
still verschwiegner Grund!
Wo den Kindern dieser Erde
öffnet sich die Stund.

O du allverbergendes
Ereignis in das Sein!
Wo den Kindern dieser Erde
sparest Du das Dein.





Grat-Wanderung

Steigend in den Bergen:
Ausblick sich verlohnt.
Sammelnd in die Stille -
Reine Größe thront.

Gipfelnd über Worte:
Weitend sich zum All.
Schwindelnd in die Sehnsucht -
Mensch im freien Fall.





Die Versprochenen

Zweie, die sich wiederfinden,
weil sie sich erkannt;
die nur immer fester binden
das, was sie gebannt.

Zweie, die Genüge finden
in dem einen Bund;
die sich neue Kränze winden,
jedens eigner Fund.

Zweie sich entgegenfinden
in dem einen Schwur;
nie in ihm die Kräfte schwinden,
gibt sich Eines nur.





Fehlende Winke

Keine Engel mehr vermitteln
schonend uns Gebot. -
Den wir fortan nicht betiteln,
starb für uns den Tod.

Keine Zeichen mehr vermelden
uns die größte Not. -
Nun verkümmern uns die Helden
ehrlos in den Tod.

Keine Werke uns vermerken,
was von vorne droht. -
So versickern unsre Stärken
wortlos in den Tod.





Ort der Entscheidung

Zwischen steilen Felsenhängen
ragt die Kluft herauf;
nah aus seinen Fernen drängen
fremde Stimmen auf.

Aus dem Abgrund in die Helle
tönt der Weltenklang;
hebt sich vor an dieser Stelle
- meldend hohen Rang.





Der einstimmende Grund

In die längste Nacht geborgen
lichtlos stille Glut verglimmt;
Einer ist, es zu versorgen,
der die Asche von ihr nimmt.

Einfach zündet letzter Funken
einzig wieder Feuer an;
Grenzen zögern flammentrunken
unterdessen Raum heran.

Seines Herdes innre Mitte
faßt inzwischen starres Erz:
Anfänglich geheime Sitte
schmiedet ein durchglühtes Herz.





Der unscheinbare Halt

Zwischen Auf- und Untergang
perlt die Zeit gespannt entlang;
jede Perle sondergleichen
will die eine Zier erreichen:
wie, von stiller Glut umkränzt,
sie als Schönste aller glänzt -
hakend sich in den Verschluß,
der sie öffnend halten muß.





Wem aber?

Gerne würde ich verschenken,
was mir Gutes ward -
doch mein Reichtum liegt im Denken,
das euch noch erspart.

Gerne würde ich verprassen,
was mir reichlich ward -
doch die Fülle schleicht durch Gassen,
die ihr nicht befahrt.

Gerne würde ich vermachen,
was mir Einzig ward -
doch die Sprache stillt ein Lachen,
das euch noch erharrt.




Der Liebes-Trunk

Gut ist, zu vergessen,
wer wir letzlich sind:
Wir staunten unvermessen
betrunken wie ein Kind.

Gut ist, zu vergessen,
woher wir jeweils sind:
Wir schreckten wie besessen
unleidlich wie ein Kind.

Gut ist, zu vergessen
den Grund, der uns benimmt:
Er nötigt unterdessen
die Herrschaft an sein Kind.





Der Austrag

Langmut langt ins Ferne,
nähert es heran -
Gleichfalls wüßt ich gerne,
was sich da ersprang?
- Im Verhalt der Nähe
fernt es weigernd hier.
O, daß ich einstmals sähe,
wer da kämpft mit mir!





Die Geretteten

Eine Nacht - ward uns gesungen -
Einer mit dem Engel rang,
Der, als Fremder eingedrungen,
Ihn zu einem Kampf verzwang.

Durch die Nacht hat er getragen
Jenen Streit zum andern Tag.
Endlich konnte er es wagen:
Daß er sich ihm zeigen mag!





Die schwingende Wiege

Einsamkeit hat mich erzogen -
wo ich Stille fand:
Jedem Baum war ich gewogen.
Jedem weht sein eignes Band.

Einsamkeit blieb mir erhalten -
wo ich Liebe fand:
Jeder Kuß entläßt Gestalten.
Jedem währt ein eignes Pfand.

Einsamkeit wird mich empfangen -
wo ich je schon bin:
Jeder Schritt, den ich gegangen.
Näher führt er zu ihr hin.

Einsamkeit wird mich umhüllen -
wo sie rein erklingt:
Jeden Ton wird sie erfüllen.
Bis sie eigens sich ersingt.





Vorher-Sage

Ein Herz verwandelt nie sein Wesen.
Es bleibt sich immer gleich.
Doch will es einmal recht genesen,
so wandert's immer heim ins Reich.

Gesichte im Fels IV. - Morgentau



Die Schule


Ich hab gelernt, mit euch zu leben;
mit eurem Haß, dem Neid, dem Groll.
Ich hab gelernt, daß euer Streben
mir nur zur Einsicht helfen soll:
Daß ich auf eignen Füßen steh,
gelingt das Gehen noch so schwer.
Daß ich mit eignen Augen seh,
gefällt es mir auch nicht so sehr.

Ich hab gelernt, euch zu vergeben;
so grausam ist kein einzges Tier.
Ich hab gelernt, man müsse geben;
nun geb ich's euch, - verzeiht es mir.
Ich hab gelernt, mich zu verstecken;
vor eurer Milde, Güte, eurem Schein.
Ich hab gelernt: Lieber verrecken,
als einer unter euch zu sein.






Trauerlied

Dies bißchen Einsicht,
das mich weiser machte ...
Dies bißchen Fülle,
das mich zu sich lachte ...
Was hat es mir gegeben ? -
Mein Herz liegt wund vom langen Leben.

Zu Vieles wurde ihm genommen.
Zu viel muß gehen, wie es hergekommen.
Und wofür dies ganze Streben? -
Mein Herz ist müd vom vielen Leben.

Und in den dunklen Stunden,
die mein Herz gemessen,
da wollte ich gesunden -
doch schlief ich unterdessen.
Und in den dunklen Stunden,
die mein Herz besessen,
da hat es was gefunden -
doch dann hab ich's vergessen.

Wo geht des Nachts die Sonne hin?
Nach tiefem Schlaf steht mir der Sinn ...
Will doch lieben, will doch lachen -
will nicht schlafen, will doch wachen!





Das Zwiegespräch
( oder: Die Advokaten)

" Ahriman, erzähle mir:
Wie hast Du's gemacht?
Ahriman, ich staune nur:
Du hast's weit gebracht!
Die einst mir die Meinen waren,
folgen Dir nun groß an Scharen.
Alle ziehst Du übers Leder. -
Sag, Ahriman - Was ist dein Köder?"

"Weiser Herr -
da ist kein Trick!
Weiser Herr -
das ist Geschick!
Niemand habe ich betrogen.
Keinen hab ich angelogen.
Jedem gab ich, was er wollte -
dafür seinen Dank er zollte!"

"Ahriman, das kann nicht sein!
Wie ist dir's gelungen?
Ahriman, ich ahne es:
Du sprachst mit Engelszungen!
Gewiß hast du versprochen.
Draufhin dein Wort gebrochen.
Nicht kann es anders sein!
Sag, Ahriman - Was fiel dir ein?"

"Weiser Herr -
da war kein Schwur!
Weiser Herr -
nicht eine Spur!
Ich ließ sie frei entscheiden.
Das mochten sie wohl leiden.
Ich selbst - gab nichts dazu.
Denn die Gebote - die gabst Du!"

"Ahriman, Du Teufelskerl!
Nicht konnt es anders sein.
Ahriman, ich wußt es doch:
Das schaffst Du nicht allein!"





Der Verlust

Als Du verschwandest in die Nacht
hat schweren Regen uns der Wind gebracht;
aller Himmel blieb verhangen,
seitdem Du fortgegangen. -
Meine Seele wälzt den Stein.
Kein Lichtstrahl fällt ins Dunkel ein.

Als in den ersten, langen Tagen
noch der Hoffnungsfunken mich getragen,
ließ mich jeder Laut erschauern -
doch mein Hoffen fiel ins Trauern,
wie die Raupe puppt in Stunden,
als Du nirgendwo gefunden.





Die Stimmen im Wind

Am Wege steht ein Baum;
man achtet ihn kaum.
Dahinein rauscht der Wind;
liebt sein Spiel wie ein Kind.
Im Rascheln und Knistern
ein Tuscheln und Wispern,
das dich seltsam berührt
und zum Lauschen verführt.





Walzer des Lebens

Wir kommen und gehen,
würden so gerne bleiben,
und müssen doch immer
mit dem Strom weitertreiben.
Wir sind kurz vor dem Sprung,
doch noch harren wir aus,
und sind immer am Ziel,
aber niemals Zuhaus.





Im Schein der Kerze

"So viel hab ich schon versucht ..."
flüstert eine Stimme voller Traurigkeit.
Im Dunkel ahn ich vage ihre Züge,
und den Umriß der Gestalt:
Einsamkeit umhüllt sie,
wie ein dichtes, wollnes Kleid.
Und dann höre ich sie sagen:
"Ich verzweifle bald ..."

Mitleid rührt sich heftig,
packt mich heiß in meinem Herzen.
Ich entzünde hurtig eine Kerze,
meinem Gast ein Licht;
und erschauernd wahr ich nun
die Zeichen ihrer Schmerzen:
In tiefen Furchen eingegraben
durchziehn sie ihr Gesicht.

Und ich bitt sie, mehr
von sich mir zu erzählen;
woher sie komme,
und wohin sie gehen will?
Doch nur, wenn meine Fragen
sie nicht noch weiter quälen -
Und leise seufzt sie auf,
und schweigt erst lange still.

Zögernd fängt sie an zu sprechen:
"Seit Anbeginn der Zeit
reis ich durch die ganze Welt,
bin allerorts bekannt.
Mit Rosen auf dem Haupte,
Köcher und ein Bogen mir als Kleid:
Ich bin die Liebe.
- So werde ich genannt.

Einst hieß ich Eros,
war begabt mit Flügeln der Magie;
treffsicher war mir
in der Jugend meine Hand.
Sein Ziel, das fehlte
ein Geschoß von mir noch nie;
lebendig Herzen zu entflammen,
durchstreifte ich das Land.

Kein Mensch und auch kein Gott
vermochte sich zu wehren,
wenn erst mein Pfeil
ihn unversehens traf;
und ich entzündete
Verlangen und Begehren
all jedweden Lebens
noch in seinem tiefsten Schlaf. -

Und nun - nun spür ich langsam
meine Kräfte schwinden.
Gestern erst, da schickten sie mich
in das Land der Phantasie.
Ein Mythos? - Gut,
das kann ich noch verwinden!
Doch heute sprach man mir
von Bio-Gen-Technologie! -

Es siegt ein starker Gott,
der nennt sich selbst: Der Wille.
Meine Geliebte - die schöne Psyche -
sezieren sie schon ohne Scheu.
Und bald ersetzen sie mich
mit einer bloßen Pille.
Alle ziehn sie fort zu ihm,
kaum einer bleibt mir treu.

Nun weiß ich nicht mehr weiter -
und ich verzweifle bald ..."
hör ich die Liebe traurig sagen,
als ihre Stimme leise bricht.
Und Einsamkeit umhüllt
in dichten Schleiern die Gestalt.
Ich lad sie ein, bei mir zu weilen,
und zünde meinem Gast ein Licht.





Die Ballade vom Schwan

Sanft wallt der Nebel, und ruhig fließt
der Strom; folgt seinem vorgegebnen Lauf;
frühe Morgensonne Dämmrung gießt;
stolz zieht ein Schwan den Fluß hinauf.
Vorbei am satten Grün von Wiese, Busch und Baum;
ein Engel Gottes, der im Wasser schwimmt,
folgt er den sanften Biegungen am Ufersaum;
nur immer weiter; sein Ziel ist unbestimmt.

Dieweil der Strom nun einen weiten Bogen macht,
zeigt sich bald ein Bild, wie ein Idyll:
ein kleines Dorf in märchenhafter Pracht
schmiegt sich ans eine Ufer, gar vertraut und still. -
Der Vogel zieht bedächtig weite Kreise;
er ist geschwächt und fühlt die Hungersnot.
Bald schon verzichtet er auf Weiterreise;
und sättigt sich an einem Bissen Brot.

Ein freundlicher Bewohner war', aus diesem kleinen Ort,
der Tags zuvor es in die Böschung warf.
Als Gruß für einen Fremdling lag's nun dort;
für Einen, dem's an Stärkung wohl bedarf.
Verschwiegen dankbar nimmt der Schwan die Gabe an;
derweil ergreifen kleine Hände zielstrebig einen Stein;
und unbekümmert tritt ein Kind an ihn heran,
legt in einen Wurf all seine Kraft hinein. -

Der Schwan zieht wieder ruhig seine Kreise;
er gibt von sich nicht einen einzgen Laut;
entfernt sich, unbeeindruckt, nur kraftvoll leise,
als sei ihm dies Ereignis altvertraut.
Er schenkt dem Kind am Ufer keinerlei Beachtung;
gleitet weiter, folgt dem Strom am Saum;
mir scheint, sein Antlitz spiegele Verachtung,
und ahne, tief in mir zerbricht ein Traum.





Das ausfahrende Herz

Ein Herz, das unerkannt
und das verborgen,
sich darnach sehnte nur,
sich immer zu verschenken,
das zog's hinaus ins weite Land -
um Spott zu ernten, und Bedenken.

Ein Herz, das übervoll
an schönen Gaben,
ein selten Herz - das
ging auf eine Reise;
das lag sich in der Fremde wund;
ward flügellahm - nun blutet's leise.

Gesichte im Fels III.



Eingeständnis


Niemand kennt mich, o mein Bruder,
so wie Du! in einem fort.
Niemand sehnt sich, o mein Bruder,
so wie wir! nach einem Wort. -

Wenn dein traulich Rat mich lenket
in das eigne Schweigen ein,
wo die Stille sich verschenket
in die tiefste Scheu hinein -

da erspür ich jene Bande,
die das Schicksal um uns schlug:
Der die Not im Vaterlande -
Die, die deine Not ertrug.

Wie erkannt ich mein Gemüte
in dir toben, Bruder mein!
Und welch Segen ob der Güte:
Es dürfe, solle, müsse sein!

Und so mag ich also fühlen,
was mir angeboren kam;
darf in allem Schweren wühlen,
denn der Bruder ist's nicht gram!





Andacht

Solang ich schon auf Erden,
ward jedem Tag sein Fest;
im Harren auf das Werden
verging der schale Rest.

Im Horchen auf die Worte
erfand ich jenen Raum,
der endend in dem Orte,
der Anderm nur als Traum.

So gib, daß ich erhalte,
das, wie ich hierher kam,
auf daß ich nicht erkalte,
auf daß ich nicht erlahm.





An die Freunde

So segne Du das Fest mir,
das jeden Tag mir ward -
und bleibet als die Gäst hier,
die ihr mir freundlich wart!





Erinnerung

Der guten Tage viel besessen,
Wo der Himmel weit sich senket.
Im Garten saß ich, unterdessen
Heimlich rund das Jahr sich schenket.

Der guten Tage viel genossen,
Wo die Lichter stille handeln.
Zahllos schöne Blumen sprossen,
Lange Treu im Sichverwandeln.

Der guten Tage viel Gedenken,
Wo das Schicksal sich verliebt -
Wo heiliger die Mächte lenken
In Allem, was sich innig gibt.





Ernte-Dank

Nun sich die Sonne ausgebreitet,
als höchster Schwung im steten Lauf,
wird Uns der Erde Fest bereitet,
mit himmlisch Gabe obenauf.

Dies Uns zum Trost für jene Zeiten,
die im starren Kleide kommen.
Es soll als Zehrung Uns begleiten,
wo innig Reifen Uns genommen.





Vom langen Anfang

Milde Lüfte taun den Boden,
der soeben noch erstarrt
und bedeckt von tausend Toden
die Beseelung schon erharrt.
Sorgsam furcht ein Mann den Graben,
bis ein Rinnsal abwärts fließt,
und der Überfluß an Gaben
sich in größre Wässer gießt.

In der Furche läßt die Erde,
was vom Vielen sie nicht faßt,
daß es nicht Verhängnis werde,
nicht der Wurzel Todeslast.
Wie der Boden so bereitet
und die frühe Sonne bricht,
warm erglänzend da entgleiten
ihm der Krokus' Angesicht.

Hold und lieblich, erste Boten,
weithin leuchtend langt ihr Schein:
auferstanden von den Toten
Anbeginn des glücklich Sein.
Hell erklingt gemeiner Jubel,
freudig Sammlung zu der Feier,
allbeherrschend stimmt der Trubel,
Sänger greifen gleich die Leier. -

Unscheinbar und ganz verborgen
senkt ein zartes Kind sein Haupt,
schließt sich stille jedem Sorgen,
als der Blüte es beraubt.
Dort am Rande, unterm Schneehe,
weilte schon ein volles Glück;
zog, damit es niemand sehe,
aller Buntheit sich zurück.

Weiße Glöckchen schlichte schwangen,
nur dem Efeu zugesellt,
als die Tage noch verhangen,
wo der Anblick sich verstellt.
Niemand achtet dieser Kleinen,
wenn die Sonne selig lacht,
die wie Engel hier erscheinen,
einsam in der heilgen Nacht.






Das Gemächte II

Nichts und Alles
Einig walten -
All's gegeben,
Nichts erhalten.





Vorsatz

Und dem Dichter treu zur Seite
steht der Priester zum Behuf;
Jeder jenen stets begleite,
beide dienstbar eignem Ruf.

Diesem ist Gesang gegeben,
der die Allmacht eben läßt;
Jener ist dem täglich Leben
Würdenträger für das Fest.

Hymne ist das Wort des Einen,
hebt das Innerste ins Sein;
hütend ist sein einsam Meinen,
Sinn entbergend allem Schein.

Brauchtum üben ist die Sitte,
die des Andern dringend harrt;
reif an Armut kommt die Bitte,
daß der Segen sich nicht spart.

Aus dem Volke - doch enthoben -
füllen beide ihren Ort.
Jedes will das Eine loben,
Ehrfurcht spenden in das Wort.

( Nachsatz:
... und dem Dichter scheu zur Seite
folgt die Jungfer hinterher,
daß er sorgsam sie geleite -
Wie, wenn sie der Priester wär? )





Das Höchste

Ein Augenblick der Helle
und schon ist's wieder grau
nirgends trägt die Schwelle
keiner trifft's genau

als das verschwiegne Ahnen
das immer wieder kehrt
auf fest gefügten Bahnen
nicht seinem Anfall wehrt -

Ein Augenblick der Helle
und schon ist's wieder fort
immer hallt die Stelle
immer west der Ort.





Vom Nötigsten

Aus der Heimat in die Fremde
und von dort hierher zurück
zog ich einst im letzten Hemde -
gab es hin, zum Glück!





Abbitte

O wie preis ich jetzt die Gabe!
da mir die Milde kommt.
Wie wohl weiß ich die Habe!
das seltne Glück, das frommt.

Wie schelt ich meinen Undank!
der oft im Streit entfuhr.
Es war: Ich war noch unfrank.
Es war aus Liebe nur!





Einsicht

Nicht sind Narben gut:
Unversehrt ist besser! -
Doch stählt es künftig Heldenmut,
Schneiden scharf die Messer.





Mächtig

Meines Herzens Allerbarmen
Möcht so recht mich nicht erwarmen -
'S ist, es spürt den Unterschied.
'S ist: Es will das Hohe Lied!





Die Bedrängten

O Ihr tiefverborgnen Wasser,
die Ihr unterirdisch fließt,
bis des offnen Lichtes Allmacht
einen Ausgang euch erschließt;

Ihr da furchtbar oder stille
der gewissen Bahn enteilt,
scharf umgrenzend wilde Ödnis
zweifach in die Gegend teilt,

wo sich lagern an den Ufern,
von der Not dorthin bestellt,
die da flüchtig ihrer Sorge
immer in Gefahr gestellt,

so daß Ihr eilig fliehet
die unheilvolle Schar,
bis das Ihr einwärts findet,
was immer vor euch war.





Vom Gehorsam

Alle Wege führn zum Ziel -
Ja! Das geht mir ein.
Noch ein Andres wiegt da viel:
Der Weg - er will gegangen sein!





Heilige Verirrung

O wie wunderhelle bricht
der Mond gekehrter Sonne Licht
als wie Eignes in die Nacht -
und doch: nur Eines hat's vollbracht.
Und so wähnen wir im Schein
ein göttlich Paar Geschwisterlein.

O wie ist der Sonne Wende
ohne Anfang, ohne Ende
und immer Nacht, als wo der Tag
Verstellung nimmer wehren mag -
Und so wähnen wir im Sein
ein göttlich Paar Geschwisterlein.





Boten der Dämmrung

Rot und golden sind die Zeiten,
da die Engel uns begleiten
in die Nacht und ihren Raum,
in den Tag und seinen Traum.

Rot und golden sind die Zeiten,
da die Himmel sich ausweiten
in das Hier und in sein Dort,
in das Jetzt und in sein Fort.

Rot und golden sind die Zeiten,
wo das Opfer wir bereiten
für das Fest und unser Heil,
für den Gott und seine Weil.





Boten des Aufgangs

Rötlich goldne Wölkchen wandern
traulich einem Ort zum andern.
Um die Bergspitz lagern nun
sie wie Herden, um zu ruhn.

Lächeln heiter dort hernieder,
spiegeln sich in Wassern wieder,
stets umblaut von jungem Morgen,
das sie von der Sonne borgen.

Rötlich goldne Sternchen blitzen
uns die Ferne aus den Ritzen.
Und es singt das schöne Heer
ewig junge alte Mär.

Glänzen stille ihren Orten,
die entgangen sind den Worten,
jedes leidend seine Weile,
uns zum Trotze, uns zum Heile.





Zuspruch

Klingt das Echo in den Bergen,
ebbt ins lautre Nichts der Ruf.
Der es sang mit voller Stimme,
ist nicht der, der es erschuf.





Die Verwindung

Wie das Wasser in den Händen
rinnt des Jahres stetes Wenden.
Mächlich ist sein innig Wandern
von dem einen Ort zum andern.

Mählig wir den Pfad erkennen,
wollen wir's beim Namen nennen.
In den breiten Gassen finden
wir's beim Zählen von den Winden;

Nennen viere von den Zeiten,
die an uns vorübergleiten
in der Vielzahl ihrer Herden,
kaum, daß wir sie inne werden. -

Noch im Anfall starren Eises
drängt das erste Blatt des Reises;
in des Lichtes langem Dehnen
will es schier kein Ende nehmen;

Bis aus jedem dunklen Streben
sich die Blütenscharen heben,
die erharrn die Liebesgabe
in Erwartung selger Habe.

Kaum das Höchste ist genossen,
keimen zarte Samensprossen;
jedes reift in seiner Hülle
sich zum Wesen seiner Fülle;

Und im sprengenden Ermessen
wirft's sein Teil in das Vergessen;
Kräfte ziehen sich nach innen
für ein künftiges Beginnen;

Mählich will die Sonne matten,
schönen Farbenrausch verstatten,
bis ein letztes fällt vom Ast;
nah schon ist die dunkle Rast,

Und es deckt das bunt Gewühle
leicht die weiche weiße Kühle,
bis des Frostes erzne Klaue
greift die Wälder wie die Aue;

Noch im Anfall starren Eises
drängt das erste Blatt des Reises. -
Wie das Wasser in den Händen
rinnt des Jahres stetes Wenden,

Windet sich den schönen Kranz
aus Göttertraum und Elfentanz.
Kaum das Fest wir je erahnen,
finden auch uns in den Bahnen.






Innigkeit
(oder: Vom flüchtigen Wesen der Einheit)

Kaum, daß uns die Triebe sprießen.
Kaum, daß wir das Licht genießen.
Kaum, daß wir entgegenreifen.
Kaum, daß wir die Ruhe greifen.

Kaum, daß uns der Leib erfreuet.
Kaum, daß uns die Seele scheuet.
Kaum, daß uns die Sinne lachen.
Kaum, daß wir an Geist erwachen.

Kaum, daß uns die Meere rauschen.
Kaum, daß uns die Segel bauschen.
Kaum, daß wir die Fremde schauen.
Kaum, daß wir die Heimat bauen.

Kaum, daß wir den Blick versenken.
Kaum, daß wir Gespräch uns schenken.
Kaum, daß wir im Hören stehen.
Kaum, daß wir den Abgrund sehen.

Kaum, daß uns die Götter fassen.
Kaum, daß wir die Erde lassen.
Kaum, daß uns die Welt umblaut.
Kaum, daß wir uns selbst geschaut.





Entfaltung

Des ernsten Blickes heitre Miene
zum Ansporn fürderhin mir diene.
Des offnen Auges schöne Flügel
willentlich ich nun entbügel.
In den eingekerbten Falten
gehen luftige Gestalten.
Der Verwandlung treues Wesen
läßt ein artig Herz genesen.





Der Wunsch und die Tat

Gerne tät ich mehr als Dichten.
Eines Helden Werk verrichten.
Eines Gottes Tempel bauen.
Einen Weg in Urwald hauen.
( Doch wer kommt, um es zu holen:
- Nur der Türke und die Polen! )

Gerne föcht ich schöne Siege.
Den's gelegt ward in die Wiege.
Denen dorrt das Vaterland.
Den' die Mutter steht zur Hand.
( Doch wer ahnt, was kommen muß:
- Der Chinese und der Russ! )

Gerne möcht ich Flammen legen.
Allem Schiefen, allem Schrägen.
Allen, die gleich mir hier darben.
Allen, die sich Not erwarben.
( Doch wer traut dem lichten Glück:
- Polyneser und Olmück! )

Gerne tät ich Dunkles lüften.
Das verweilt in heilgen Klüften.
Das erklingt im Heimatlied.
Das erlauscht den Unterschied.
( Doch wen wundern diese Gaben:
- Die ein Gastrecht inne haben! )





Am heiligen Herd

Aus der ungebrochnen Mitte
west das Offene heran,
widerstrebig jeder Bitte
reicht es Feuergeister an.
Und es gaukelt uns Gestalten
in den unzählbaren Schein;
aber Mächte, die dort walten,
kehrn in stille Einfalt ein.
Dort versammelt uns die Gabe,
denn der Herd verschenkt die Gunst,
wo des Menschen ganze Habe
ist Gespräch und lichtend Kunst.





Grüner Liebling

Heimisch in den dichten Wäldern,
ward mein Liebling früh der Baum.
Hin zog's mich aus offnen Feldern,
dort zu leben meinem Traum.

Unbefangen klomm ich Kronen,
die ein sanfter Wind umwallt.
Hoch in blauer Weite thronen
Wunderbotens leicht Gestalt.

In dem Spiele so versunken,
spürt ich oft die Sinne matten.
Und dann sank ich schlummertrunken
in des Lieblings bergend Schatten. -

Spät wuchs mir ein Garten zu,
den ich liebevoll umhegte.
In der Sorge seiner Ruh
manches Glück sich stille regte.

Und wie lieb ich's nun, zu wandern
in dem schönumgrenzten Raum.
Doch mein Auge hangt am Andern:
Meinem wildgewachsnen Baum!





Dem Gefährten

In den zögernden Gefilden
der schönen Ister steht mein Heim.
Deines soll sich immer bilden
an dem herrlich nahen Rhein.

Beiden ist die Heimat eigen,
beiden wächst entlang der Wein,
beiden will die Quelle zeigen,
beiden wohnt der Stromgeist ein.

Jedes muß den Weg sich winden
durch das unbesetzte Feld;
doch einmal müssen sie sich finden
in dem Meer, das Alles hält.





Der Jubel der Entfesslung

Endlich klären sich die Schemen
Aus dem Schleier der Gewalt!
Endlich darf ich Anteil nehmen
An dem strömenden Gehalt!
Jetzt erfüll ich mich im Wesen,
Was ich immerhin schon bin!
Und im schimmernden Genesen
Bläut sich ein der Sinn!

Endlich find ich jene Stätte,
Die mir vorbestimmt im Lauf!
Endlich fließ ich breit im Bette,
Weilt die freie Bahn mir auf!
Jetzt entsinn ich mich der Wirre,
Die mich barg im Felsenhang!
Unentrinnbar faßt die Irre,
Zog mich grausen Höhlen lang!

Heimlich! Heimlich! kann ich's fassen,
Was so mächtig immer rief!
Heimlich kann ich's fahren lassen!
Freudig stürz ich mich ins Tief!
Schon hör ich die Quelle sprudeln!
Mir voraus erglänzt der Strahl!
Jetzt entkomm ich allen Strudeln:
Mich begrüßt das Heimattal!

Gesichte im Fels II.



Abgesang


Glücklich sah dich, Hölderlin,
deine Zeit von dannen ziehn!
Warst du auch von innen wund:
sah dich doch das Götterrund.
Reichtum schenkte dir die Sprache,
angehäuft der Väter Gut.
Nun das Erbe liegt in Brache,
nährt es nimmer Heldenmut.

Dem Gott Not das Lob zu singen,
mag der Liebende vollbringen.
Wo auch dieser sich verbirgt,
kalt es an der Kehle würgt.
Einsam steht ein solches Sagen,
das veklärt den öden Ort.
In der Heimat aller Fragen,
da gebricht das letzte Wort.

Ach, verstummt sind alle Lieder,
und die Mutter wiegt uns wieder!
Nüchtern mißt sie alle Sorgen,
sparet heute für das Morgen.
Fortgeweht sind alle Bilde,
und die Ferne lächelt stumm;
tief im Tal irrn junge Wilde
um den heilgen Berg herum.





Der Verzicht

Ach, was fandet ihr für Worte,
Dichter der gegangnen Zeit;
festen Glaubens, daß der Horte
läg im Jenseits stets bereit.

Wollte es mir doch gelingen
für den Gott, der ohne Bild,
Euch gemäß das Lob zu singen,
das der Sterblichkeit entquillt!

- Doch die Worte sind noch Bilder,
wo sie allzu deutlich sprechen
und, erwehrend wie die Schilder,
mit Gewalt den Angriff brechen.

Immer dichter kreist die Runde,
und die Erde wiegt zu schwer;
was noch eben offne Kunde,
hinkt dem Heute hinterher.

Was von Allem kann da bleiben?
Wohin drängt uns der Verzicht? -
Endlos lang währt dieses Treiben:
Meer umfaßt den Himmel nicht.




Lohn der Inbrunst

Wie nur soll ich
das besorgen,
was mir immer
drückt den Sinn? -
Kommt nicht heute,
kommt nicht morgen,
ist schon alles,
wie ich bin.

Da -:
Noch ein Jahr des Lebens
fort im lieben langen Warten;
und es war mir nicht vergebens
- blüht geheimer, stiller noch
mein Garten.




Wiegenlied

Still und nächtig ruht der Garten,
tief bedeckt vom weißen Schnee.
Endlos zieht der Frost darüber,
ungerührt vom schwarzen Weh.
- Doch wer weiß die ungenauen Kräfte,
die der Verborgne unter kalter Stirne webt?
Wenn im Widerspiel der alterslosen Mächte
ein Wort reicht
- und Alles lebt!




Die Verheißung

Welt! -
Was strahlen deine Sonnen
In den Morgen
Unschuldsvoll,
All den Frühen,
Ohne Sorgen,
Wenn der Tag noch kommen soll!

Welt! -
Was glühen deine Sonnen
In den langersehnten Abend,
All den Späten,
Wanderern,
Gierig saugend
Sich dran labend!

Nach der Nacht
Und vor der Nacht
Erinnert stark dein volles Glimmern.
Dann verstummt
Der Ruf zur Schlacht:
Götterklang und einsam Wimmern.




Die Buhlerschaft

Was will werden mir im Busen?
Liegt so lange stumm darin.
Will mich necken, will mich spusen.
Hält mich doch nur immer hin.

Es ist, als ob ich schwanger ginge
um das Rätsel dieser Welt,
dem gefällt, daß ich ihm singe,
indess es mich gefangen hält.

Ach, ich möcht es ja nicht missen,
denn es rührt mich wie ein Weib.
Will's umfassen, will es küssen,
bis die Hitze steigt im Leib.

Alte Bande wollen reißen,
die sich um mein Herz verschlungen,
eh der Sonne helles Gleißen
neu mir in das Mark gedrungen.




Kinder-Spiel

Durch den Sang der Sprache,
traumwandlerischen Gangs,
hinein
ins Schlüsselloch
der himmlischen Pforte;
auf Gut-Glück,
daß
die Götter nicht entdeckten,
wie ich heimlich
hockte in ihrer Runde
unterm Tisch ...
Wie aber,
wenn sie mich riefen - ?





Vorm Erwachen

Helle spannt den Himmelsbogen;
Aus dumpfen Schleierwolken bricht
Kalt und klar das weiße Licht;
Scheint hinein durchs trübe Fenster;
Jagt im Innern die Gespenster,
Die des Nachts dort eingezogen;
Kratzt an Schränken, spielt um Truhen,
In denen noch die Träume ruhen ...





Im Zauberwald

Durch den Wald von hohen Kronen
flieht ein scheues braunes Reh:
unten ritzen Dorngebüsche,
und von oben wittert's Schnee. -

Eingehüllt in Nebelschemen
wechselt lautlos die Gestalt:
Rotgeschwänzter junger Fuchs
streift durchs dunkle Dickicht bald.

Doch von Außen klingen Hörner
im Verein der scharfen Meute;
der das Hasenherz bedrängte,
wird nun selbst gejagte Beute. -

Jäh von oben zucken Blitze
durch den zauberischen Wald;
und zum dritten Mal geleitet
Spruch das Wesen der Gestalt:

Spitzer Schrei hallt in die Lüfte,
auf spreitzt sich ein Schwingenpaar;
stolzer Adler kreist in Runden
über Wipfeln wunderbar. -

Durch den Wald von hohen Kronen
sieht er braune Rehe flitzen,
die in grauen Nebelschleiern
sich am Dorngebüsche ritzen ...





Neue Welt

Der Seele graue Wohnung:
Gegossen in Beton
Im ureigenen Trauern
Kälte schichtet Mauern
Verflossen alle Sonn -
Machtlos gegen Schonung.

Aber an verlassner Stätte
wetzt der Wind sein Messer scharf
mürbt der Regen spröden Stein
mühelos schlingt sich hinein,
die ein seltner Lichtstrahl traf -
gräbt die Wurzel sich ins Bette.

Und Stück für Stück
erobert die Natur
den verlornen Ort zurück.
O Mensch - welch selten Glück
Wer bist du nur?





Ernst, mein Lieber!

In langen kalten Wintern
war ich Dir stets gewogen;
ein Buch zur Hand beizeiten,
den Geist mir auszubreiten,
und hast mich nicht betrogen. -

Wie nun die Schar der Vögel
zieht ins leuchtend blaue Weit,
über braun und grüne Stille,
viel pocht der sanfte Wille,
und Ahnen: Es ist Zeit! -

Einst in umwölkten Nächten
drang Dein Geseufze mir ans Ohr,
und endlos lag die Ferne; -
nun lugen erste Sterne
zag hinterm Vorhang vor.

Und ja: So manche späte Stunde,
da wünschte ich Dich fort -
zu müd, dem Lied zu lauschen,
zu alt, mich zu berauschen,
zu einsam war Dein Wort!

Wie nahmst Du mich und zogst mich
mit festem Arme nieder,
ins innigliche Bette;
und dort, auf Liliens Stätte,
fand ich die Fühlung wieder. -